Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Ringen: Jakob Brendel aus Speyer war 1932 Olympiasieger

Vier Ringer: Jakob Brendel (Zweiter von links) 1936 mit der deutschen Staffel.
Vier Ringer: Jakob Brendel (Zweiter von links) 1936 mit der deutschen Staffel.

Er war einer der ersten Olympiasieger aus Speyer: der Ringer Jakob Brendel. Sein größter Triumph war der Olympiasieg im Bantamgewicht 1932 in Los Angeles. Allerdings hätte er es fast gar nicht geschafft, die Kampfmatten in den Vereinigten Staaten zu erreichen.

Als dritter Deutscher nach Carl Schumann aus Münster 1896 in Athen und Kurt Leucht aus Nürnberg 1928 in Amsterdam war Brendel 1932 in Los Angeles Olympiasieger im griechisch-römischen Stil. Er kann somit als Vorbild für den Schifferstadter Wilfried Dietrich gelten, der als Schwergewichtler zum Kreis der Weltelite zählte und 1960 in Rom Freistil-Gold errang.

Brendel gehörte zwischen 1929 und 1938 zur Weltklasse der Ringer-Bantamgewichtler und das in beiden Stilarten. Er verzeichnete seine großen Erfolge abwechselnd in beiden Stilarten (griechisch-römisch und Freistil). Mit dem Ringersport hatte er beim Arbeiter-Athletenbund Deutschlands (AABD) begonnen und wurde in diesem Verband 1929 deutscher Bundessieger. 1929 wechselte er aus wirtschaftlichen Gründen von Speyer nach Nürnberg und trat dem ASC Sandow Nürnberg bei, womit ebenfalls ein Verbandswechsel vom AABD zum DASV von 1891 verbunden war. Später wechselte er vom SC 1094 Maxvorstadt Nürnberg zum ASC Sandow Nürnberg. Er nahm an zwei Olympischen Spielen und vier Europameisterschaften teil und gewann – mit einer Ausnahme – bei jeder dieser Veranstaltungen eine Medaille. Alle Erfolge erzielte er im Bantamgewicht. Sein früher Tod mit schon 56 Jahren kam überraschend.

Arbeitslos, aber Athlet

Was heute eine gewaltige Medienstory wäre, gelangte früher mit geringem Aufwand an die Öffentlichkeit. Es ist die Geschichte, wie Jakob Brendel den Weg zu seinem höchsten Triumph fand, der olympischen Goldmedaille von Los Angeles 1932. Er war am 18. September 1907 in Speyer geboren worden.

Wie Millionen anderer Deutscher war auch der 21-jährige Jakob Brendel vom Freien Athleten-Club Speyer (heute Athletenverein 03) im Jahr 1929 arbeitslos. Gefragt aber war er als Athlet. Geschult von seinem Vereinstrainer Otto Friedrich, entwickelte sich Brendel zu einem vielversprechenden Talent. Was natürlich andere Vereine sehr interessierte. Darunter war Hans Röck, Vorstandsmitglied des SC Maxvorstadt Nürnberg. Er bot dem Speyerer den Vereinswechsel an. Lockmittel: Arbeit in der Röckschen Kohlenhandlung und obendrein würde dem aus armen Verhältnissen stammenden Brendel der Führerschein für Automobile bezahlt. Da hielt es Jakob Brendel nicht länger in Speyer. 1929 zog er nach Nürnberg. Noch im selben Jahr wurde er erstmals Deutscher Meister, 1930 zum zweiten Mal und Silbermedaillen-Gewinner der Europameisterschaft. 1931 schafft er bei der Deutschen Meisterschaft Platz zwei.

Verletzt in Qualifikation

Ausgerechnet im olympischen Jahr 1932 verletzte er sich, ein Start in Los Angeles schien unmöglich. Doch der zähe Jakob Brendel biss sich durch und bezwang vermutlich unter Schmerzen in einem Ausscheidungskampf die Konkurrenten Curt Leucht und Hermann Fischer.

Trotzdem schien eine Olympia-Nominierung aussichtslos. „Die Not der Zeit“, Theodor Lewald, der damalige Präsident des Deutschen Olympia-Ausschusses, zwang den Sportfachverbänden die Zahlung von je 1000 Reichsmark auf, wollten sie einen ihrer Sportler olympisch starten lassen.

Probleme mit Startgeld

An dieser Summe schien Jakob Brendels Los-Angeles-Reise zu scheitern. Aber die Stadt Nürnberg, sein Verein und einige Brendel-Anhänger brachten exakt 1000 Reichsmark zusammen. Und der Ringer aus der Pfalz konnte auf dem Lloyd-Dampfer „Europa“ und ab New York per Eisenbahn nach „L. A.“ fahren. Dort dankte Brendel für seine Nominierung und seinen Sponsoren mit dem Gewinn der Goldmedaille im griechisch-römischen Stil.

Sein Weg zum Erfolg birgt weiter Erstaunliches: Sieger über den Finnen Aatos Jaskari, den Griechen Georgios Zervinis, den Schweden Hermann Tuvesson und über den Italiener Marcello Nizzola. Der war über seine Finalniederlage so erbost, dass er in der Umkleidekabine mit einem Messer auf den Olympiasieger losging. Ein herbeigerufener Polizist verhinderte Schlimmeres. 1936 errang Brendel in Berlin ebenfalls in der Greco-Stilart seine zweite Olympiamedaille, diesmal die bronzene.

Ehrenplätze für Brendel

Die Städte Nürnberg und Speyer ehrten den Ringer für sein „Gold“. Brendel war nach wie vor Mitglied des Freien Athletenclubs seiner Heimstadt, heute ziert eine Urkunde samt Foto das Vereinsheim des AV 03 Speyer.

Bis 1937 war der Pfälzer in fränkischen Vereinsdiensten fünf Mal Deutscher Meister. Nach seinem zweiten EM-Platz 1930 (Stockholm; griechisch-römisch) wurde er 1935 in Brüssel EM-Dritter im freien Stil und gewann bei der Europameisterschaft 1937 in München den Freistil-Titel. Am 13. Februar 1964 erlag er in Nürnberg einem Herzinfarkt.

Schiffsreise: Brendel 1932 während der Überfahrt zu den Olympischen Spielen in Los Angeles.
Schiffsreise: Brendel 1932 während der Überfahrt zu den Olympischen Spielen in Los Angeles.
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