Jockgrim RHEINPFALZ Plus Artikel Retrospektive zum Werk des Künstlers Karl Peter Muller aka KPM

Der Karlsruher Künstler Karl Peter Muller.
Der Karlsruher Künstler Karl Peter Muller.

Vor 25 Jahren starb der Künstler Karl Peter Muller, im November würde er 90 werden. Das Zehnthaus Jockgrim erinnert mit einer spannenden Retrospektive an den Karlsruher.

Geboren wurde der Kurpfälzer im November 1935 in Mannheim-Käfertal. Von seinen Eltern, einem Bäckermeisterehepaar, erhielt er den Namen Karl Peter Müller, den er mit Beginn seiner künstlerischen Laufbahn in Muller änderte und auf KPM verkürzte. Von seinen Freunden wird er bis heute immer noch Charly genannt.

Einer davon ist der Vorsitzende des Jockgrimer Zehnthaus-Vereins, Knut Maurer, der sich begeistert an die „wilden“ Zeiten der früheren Künstler-Clique in Karlsruhe erinnert. Zu ihr gehörten Musiker und Maler, die sich wie KPM zwischendurch auch als Gastronomen betätigten und legendäre Kneipen mit viel Musik in der badischen Stadt eröffneten und führten.

Studium der Malerei und Grafik in München

Karl Peter Muller begann seine künstlerische Ausbildung im Jahr 1954 an der Akademie der Bildenden Künste in München, dort studierte er Malerei und Grafik bei Xaver Fuhr. Eine Ausbildung in Glasmalerei, Glasschliff und Glasmosaik bei Aloys F. Gangkofner schloss sich an.

Schon mit 21 Jahren wirkte KPM als freier Maler und Künstler, der in allen Bereichen der Kunst bewandert und aktiv war. Diese Vielfalt spiegelt die Retrospektive in Jockgrim wider. Zugleich gewährt sie einen Blick in die Reise- und Entdeckerlust des „Europäers“ im heutigen Sinne, der immer wieder längere Aufenthalte in Spanien, Frankreich oder Italien einrichtete. Dort ließ er sich von dem mediterranen Licht und den Landschaften inspirieren und verarbeitete diese Eindrücke in seinem Werk. Dieses Oeuvre enthält Malerei, Collagen, Zeichnungen, Bildhauerei, sogar eigene Musik und Literatur.

Legendär: Mullers Serie zum „Sturm Lothar“

Zu den Höhepunkten, die im Zehnthaus zu sehen sind, gehören ohne Zweifel die großformatigen Abstraktionen aus der Serie zum „Sturm Lothar“. Dessen Naturgewalt hat KPM 1999, kaum ein Jahr vor seinem Tod, in wahren Farbexplosionen eingefangen. Seine Teil-abstrakten Arbeiten zeigen gesplitterte, geknickte Bäume, losgelöst von einem konkreten Raum, fast schon als Symbol purer Zerstörung mit kräftigem Pinselstrich festgehalten. Überhaupt war Muller, der sich nie einer bestimmten Richtung zuordnen ließ, ein Freund meist kräftiger Farben. Davon erzählen seine Porträts mit dem Titel „Tara“, die eine Frauengestalt aus der eher ungewöhnlichen, von oben hinabblickenden Perspektive zeigen. Der Hintergrund bleibt in massivem Ocker vage, das Gesicht der Frau wird von einem schwarzen Hut verdeckt, der Körper, der beinahe tänzerisch wirkt, ist dagegen ins Zentrum gerückt.

Der Künstler verstand sich ebenfalls auf leise, eher monochrome „Farb“-Töne. Zeitlos schön sind seine zarten Radierungen auf Büttenpapier aus der Serie „Vignetten“. Eher spielerisch wirken seine „Objektkästen“, dunkle Collagen hinter Glas, durch die abgelegte, entsorgte Fundstücke erhöht und zu Kunst geadelt werden. Eine Reihe von Keramiken, sie tragen Titel wie „Taube“ oder einfach „Skulptur“, zeigt abstrahierende, figürliche Arbeiten aus Ton. In Jockgrim zu sehen sind außerdem farbenfrohe Aquarelle und zwei Golf spielende Menschen. Eine Arbeit zeigt einen „Golfer“, eine andere, ebenfalls 1999 entstanden, eine „Golfin“.

Lebenslang von Kunst durchdrungen

Karl Peter Muller war zeit seines Lebens von Kunst durchdrungen und gab diese Leidenschaft auch an Generationen von Schülern weiter. Nicht nur als Dozent an bestehenden Lehranstalten, nein, er selbst gründete Akademische Werkstätten an verschiedenen Standorten, eine davon auf einem alten Industrieareal in Maximiliansau, die zum Teil bis heute fortbestehen. Und hier schließt sich der Kreis zum Zehnthaus Jockgrim und seinem aktuellen Vorsitzenden Knut Maurer. Er wird nächste Woche 70 Jahre alt und wirkte als Musiker, Songwriter und Lehrer mit seinem Freund „Charly“ ebenfalls in den Werkstätten mit, auch nach dessen Tod und noch bis heute. Deshalb ließ er es sich nicht nehmen, die Vernissage musikalisch mitzugestalten.

Info

Vernissage am Sonntag, 14. September, 11 Uhr, im Zehnthaus Jockgrim; Einführung Karola Schulz, Musik von „Voltige“ mit Kerstin Haberecht (Saxofon), Lukas Roos (Gitarre) und als Gast Knut Maurer (Piano und Samplesounds); Öffnungszeiten samstags 15 Uhr bis 17 Uhr und sonntags 11 Uhr bis 17 Uhr; bis 5. Oktober, Zehnthaus, Ludwigstraße 26-28; www.zehnthaus-jockgrim.de, www.kpmuller.com.

Eine Arbeit des Künstlers Karl Peter Muller aka KPM (Ausschnitt).
Eine Arbeit des Künstlers Karl Peter Muller aka KPM (Ausschnitt).
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