Serie „Mein Biergarten“
Rentschlers in Speyer: Die Schnaken kommen erst später
Wie viel Platz gibt’s in welchem Ambiente?
Die Lage unmittelbar am Rhein mit Blick auf das Helmut-Kohl-Ufer ist unbezahlbar für den Restaurantchef Boris Rentschler. Draußen findet die vierfache Menge der Gäste im Vergleich zum Innenbereich Platz. Um die 300 Plätze gibt es im Freien insgesamt. Was das Restaurant laut Rentschler auszeichnet: „Wir sind einer der wenigen Biergärten, in dem reserviert werden kann.“ Ratsam ist das seiner Aussage nach. Gut angenommen worden ist laut dem Chef der Selbstbedienungsbereich.
Welche Besonderheiten stehen auf der Speise- und Getränkekarte?
So außergewöhnlich wie die zwölfmonatige Biergartensaison ist das Konzept. Es gibt nämlich keines. „Das ist absolut gastronomieuntypisch“, wirft Rentschler ein. Belohnt wird sein Mut zum Variablen. „Für uns neu ist, dass einfach alles läuft“, sagt der Familienvater mit Blick auf die Speisekarte. Die zeigt ein relativ großes Spektrum auf. Von der Currywurst und Wurstsalat bis zur ganzen Dorade oder dem kanadischen Black-Angus-Roastbeef darf gewählt und kombiniert werden. Tägliche Wechsel der Gerichte und eine Kinderkarte haben sich bewährt; die große Weinkarte mit Pfälzer Originalen und auswärtigen Exoten ebenso. „Da wir hier relativ wenig Kühlmöglichkeiten haben, bekommen wir jeden Tag frische Ware geliefert“, erklärt Rentschler. Engpässe hat es auch in den zurückliegenden Wochen nicht gegeben. „Wir sind deutschlandweit einer der stärksten Kunden“, weist Rentschler auf die hohe Bestellmenge hin.
Was passiert bei schlechtem Wetter?
„Wir hatten in den vergangenen fünf Jahren, seit wir hier sind, kaum Probleme“, sagt Rentschler.
Wie lange läuft die Freisitz-Saison?
Freiluftsaison? Die gibt es im Rentschlers quasi ganzjährig. Diesmal ging es mit den ersten Sonnenstrahlen im Februar los. Geschäftsführer Boris Rentschler denkt an frühere Zeiten, als er mit seinem Vater Dieter das Kutscherhaus am Speyerer Fischmarkt leitete: „Damals ging die Saison vom 1. Mai bis zum Altstadtfest.“ Im Rentschlers, direkt am Rhein gelegen, werden die Möbel erst gar nicht weggeräumt. Der Chef kann davon ausgehen: „Ab zwölf, dreizehn Grad sind die Leute da.“ Selbst im Winter würden die Angebote auf der Karte bei Sonne von den Gästen im Freien genossen.
Gibt es abends Lärmschutz-Ärger?
Veranstaltungen lässt Rentschler nach eigenen Angaben sein, nachdem ein Anwohner sich permanent über zu viel Lärm beschwerte – obwohl vorgabegerecht zur entsprechenden Uhrzeit Schluss gewesen sei.
Drohen Schnaken-Angriffe?
Weniger Schwierigkeiten machen laut dem Chef den Gästen die Stechmücken – trotz Wassers vor der Haustür. „Die kommen erst raus, wenn wir schon geschlossen haben“, versichert Rentschler.
Was ändert sich durch die Pandemie und andere Einflüsse?
Viel Speyerer Stammpublikum kann der Geschäftsführer auch auf der Terrasse begrüßen. In den Corona-Jahren, als die Kontaktverfolgung obligat war, war er selbst erstaunt, wie weit der Einzugsbereich geht. Menschen aus Sinsheim, Stuttgart und dem Kraichgau kamen in sein Restaurant. Eines liegt dem Gastronomen aktuell im Magen: die Preissteigerungen. „Wir haben eine relativ gute Kundschaft, die stabil ist, mussten die Preise natürlich etwas anziehen – aber das geht nicht kontinuierlich“, weiß Rentschler. Stattdessen setzt er auf mehr Kreativität im Küchenbereich, um die tägliche Kostensteigerung auszugleichen.
„Das Damoklesschwert Ruhetag, das über uns hängt, gilt es zu vermeiden“, hebt Rentschler hervor. Personal fehle an allen Ecken. Um die 80 Mitarbeitende habe er im Sommer. Brauchen könnte er mehr. Die Küche schließt aufgrund der Situation um 21 Uhr, der Selbstbedienungsbereich hat aktuell nur am Wochenende geöffnet.