Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Premieren-CD als Duo von Alexandra Lehmler und Matthias Debus

Kongeniales Duo: Alexandra Lehmler und Matthias Debus.
Kongeniales Duo: Alexandra Lehmler und Matthias Debus.

Beim Tandemfahren kommt es darauf an, ein gemeinsames Ziel anzusteuern und denselben Rhythmus zu haben. Im Leben sind Alexandra Lehmler und Matthias Debus als Paar ein Tandem, musikalisch arbeiteten sie oft in Ensembles zusammen. Ihr erstes Album als Duo heißt: „Tandem“.

Der Klang dieses Albums ist von besonderer Intimität: Jede Nuance der verschiedenen Saxophone ist zu hören, das Hauchen, Rascheln, das Spiel der Obertöne. Auch beim Bass hat der Zuhörer den Eindruck von großer Nähe, hört das Zupfen, das Anschlagen am Griffbrett, oder den singenden gestrichenen Ton. So hat man bei dieser CD gleich das Gefühl, ganz nah dabei zu sein. Fast so wie bei den jüngsten Auftritten des Duos in Speyer und Dudenhofen.

Die Stücke sind konzeptuell unterschiedlich angelegt. Es gibt auskomponierte, klassisch anmutende Melodien ebenso wie freie Improvisationen. Es sind bei allen Stücken Lehmler und Debus gleichberechtigt als Komponisten angegeben. Früher haben die beiden mal erklärt, dass Debus längere Verläufe entwickelt, während Lehmler kürzere Ideen und Impulse einbringt. Letztendlich werden aber beide zusammen die Stücke in die endgültige Form bringen.

Interessant sind auch die gemeinsamen freien Improvisationen, die als „Schräge Vögel“ auf dem Album sind. Die ersten beiden sind knapp über 70 Sekunden lang und der erste „Vogel“ ruhig, der zweite energisch, der dritte, Lehmler spielt Bassklarinette, ruhiger und länger. Jedes der Stücke ist atmosphärisch und hält die Zuhörer dramaturgisch bei der Stange – auch wer noch nicht viel Hörerfahrung mit freier Musik hat, kann Zugang finden.

„Flieg, kleiner Vogel“ lässt die Zuhörer das Flüggewerden nachvollziehen: Der Kontrabass baut ein harmonisches Nest, ganz zart hebt sich das Sopransaxophon darüber, erst bewegen sich die beiden kontrapunktisch, dann parallel, und dann traut sich das Vögelchen zu ersten freieren Flügen. Dann flattert ein ganzer Vogelschwarm aus Saxophonen aller Art, übereinandergelegt mit Overdubs und stürmisch, bevor der kleine Vogel wieder ins sichere Nest der ursprünglichen Melodie zurückkehrt.

Bei „Take Off“ ist es sogar ein ganzer Familienchor, der da abhebt und strahlend harmonische Akkorde singt, dazwischen instrumentale Melodien im Drei-Viertel-Takt. Der „Tandem Ride“ ist getragen von einem groovenden Bassmotiv, das wiederkehrend einen Flow entstehen lässt, später Tonarten wechselt und es kommen auch per Overdub Bassakkorde in hohen lagen dazu. Klassisch inspiriert wirkt hingegen die Stimmführung von „Choral Nr. 2“. „Ikarus“ har sogar eine orchestrale Anmutung, die sehr reizvoll klingt. Es wäre sicher spannend, auch mal ein Arrangement für Kammerorchester zu hören.

„Tandem“ lässt sich als musikalisches Portrait einer Zweierbeziehung lesen. Es gibt klare Absprachen ebenso wie freies Spiel, Harmonie und Reibung, Ruhe und Bewegung. Es fällt leicht, in Stimmung und Atmosphäre der Stücke einzutauchen und sich so seine eigenen Gedanken zu machen.

CD-Tipp

Alexandra Lehmler und Matthias Debus: Tandem. Label: Neuklang 2021. Bestellnummer 10753053.

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