Landtagswahl
Politik mit Wissensdurst: Christian Richter setzt auf Fakten gegen Hass und Hetze
Christian Richter (Die Linke) wünscht sich eine sachlichere Politik. Weniger lautes, populistisches Schreien. Sachlich sei er, so der 44-Jährige. Sein Ziel: Mit vielen Themen zu einer starken linken Stimme“ beitragen. Dabei soll ihm sein großer Wissensdurst helfen. Richter interessiert sich für Geschichte. In Speyer, wo Geschichte einen ganz automatisch treffe, sei er damit richtig. Wenn ihn etwas Neues interessiert, packt ihn der Wissensdurst. Dann klickt er sich von einem Wikipedia-Artikel zum nächsten. Er will wissen, warum Dinge so sind, wie sie sind, und wie sie zusammenhängen.
Richter ist in Ludwigshafen aufgewachsen und wohnt seit 2012 in Speyer. Er ist erst seit Juli 2024 Parteimitglied bei der Linken. „Links bin ich schon seit früher Jugend“, erzählt er. Der ausschlaggebende Punkt für seinen Beitritt: die vergangene Stadtratswahl in Speyer, bei der die AfD an Stimmen gewonnen hatte. Damals habe er entschieden, sich politisch zu engagieren. Ganz ohne Vorerfahrung.
Mehr Pfälzer Kultur
„Ich habe mich immer in Vereinen engagiert“, erzählt Richter. Zum Beispiel seit über 20 Jahren beim Waldpark-Openair in Mutterstadt. Das Festival stehe für Vielfalt, Inklusion und Toleranz: „Das passt auch zu meinen persönlichen Werten.“ Mit der eigenen Musikalität stehe es nicht so gut. Als Jugendlicher habe er in einer Band gesungen, erzählt Richter. „Aber eher schlecht als recht.“
Konzerte, Kulturveranstaltungen, Feste – für den gelernten Einzelhändler sind das wichtige Mittel zu einem guten Miteinander. „Die Menschen in der Pfalz sind herzlich und wir haben eine schöne Feierkultur“ sagt er. Leider sei viel gestrichen worden, etwa die Kaisertafel in Speyer. Solch ein Miteinander würde er gerne wieder unterstützen. „Wir driften alle auseinander. Kulturveranstaltungen führen zusammen.“
Politik von unten nach oben
Außerdem möchte Richter sich für weniger Hass und Hetze einsetzen. „Da muss dagegen gesprochen werden. Da muss argumentiert und faktisch eingeordnet werden“, sagt er. Das werde aktuell zu wenig gemacht. „Ich weiß, das ist schwer und erfordert Arbeit.“ Richter kann sich als Maßnahme beispielsweise eine Antirassismuserklärung in der Landesverfassung vorstellen: „Das wäre ein starkes Zeichen.“
Politik ist für den 44-Jährigen Arbeit von unten nach oben: „Wenn es den Leuten unten besser geht, geht es den Leuten oben nicht schlechter.“ Auf Richters Agenda: günstigeres Wohnen, zum Beispiel durch eine landesweite Zweckentfremdungssatzung. Ein neuer Personalschlüssel in der Kinderbetreuung. Weiter gedachte und breite Inklusion.
Prekäre Lebensverhältnisse
Richters politischer Antrieb ist geprägt von persönlichen Lebenserfahrungen. 1998 kam er als innerdeutscher Flüchtling in den Westen. Sein Studium der Germanistik und Philosophie an der Universität Mannheim brach er „erfolgreich“ ab. Danach wohnte er in Ludwigshafen im Hemshof mit Auszubildendengehalt „in einer kleinen Butze“. „Ich wusste am Achten des Monats, dass das Geld ausgeht. Ich weiß wie es ist, wenn man prekär leben muss“, erzählt er.
Seit einer Krebserkrankung 2021 lebt der Vater einer zweijährigen Tochter mit einem Grad der Behinderung von 80. „Ich habe gesehen, wie Gesundheitsversorgung in Deutschland funktionieren kann oder auch nicht funktionieren kann“, erzählt er. Er möchte bessere Arbeitsbedingungen für Pflegepersonal, mehr Ärzte und einen niedrigeren Numerus clausus für das Medizinstudium.
Blick in die Zukunft
Richter rechnet damit, dass Die Linke in den Landtag einziehen wird. Auch mit sechs oder sieben Vertretern könnte sie eine sehr gute Oppositionspartei sein – und damit erstmals die linke Stimme im Landtag, die Rheinland-Pfalz brauche. „Man kann auch aus der Opposition verändern“, betont er. Das möchte er mit einer „kämpferischen Linken“ erreichen. Soll heißen: ein Kampf mit Argumenten und Fakten gegen Missstände.
Verändern möchte Richter aus vielen Gründen. Für eine tolle und lebenswerte Stadt und vor allem für seine Tochter. „Ich will ihr zeigen, dass es eine andere Welt geben könnte. Eine gerechtere.“ Ob es die geben wird, weiß Richter nicht. Aber er blickt optimistisch auf die Menschheit.