Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel PFW Aerospace rechnet mit zweijähriger Krise

PFW-Baumeister: Jordi Boto bei der Grundsteinlegung für ein neues Logistikgebäude.
PFW-Baumeister: Jordi Boto bei der Grundsteinlegung für ein neues Logistikgebäude.

„Wir bereiten uns auf eine lange Durststrecke vor“, sagt Geschäftsführer Jordi Boto: Bei Luftfahrt-Zulieferer PFW Aerospace, mit fast 1600 Mitarbeitern Speyers größter industrieller Arbeitgeber, nehmen die Auslastungsprobleme zu, weil der Flugverkehr ruht. Eine Ausweitung der Kurzarbeit ist absehbar.

Mitte April war die Entscheidung für Kurzarbeit gefallen, die derzeit meist bedeutet, dass Vollzeitpersonal einen von fünf Arbeitstagen zu Hause bleiben muss. „Wir überlegen, ob wir das ausdehnen“, sagt Boto. Eine Entscheidung müsse im Juni fallen. Betriebsratschef Werner Rieder, dessen Gremium in solchen Fragen zustimmen muss, erwartet „mehrere Tage pro Monat zusätzlich Kurzarbeit für die meisten Beschäftigten“. Rieder: „Bestellungen werden gestrichen, es verschärft sich.“ Nur wenn der Bund die Ausweitung der Kurzarbeit von einem auf zwei Jahre ermögliche, wären die Jobs im heutigen Maßstab zu retten.

Die Leiharbeiter sind schon weg, auch für Leute mit befristeten Verträgen schwinden die Hoffnungen. Aber für die Stammbelegschaft sehe er nicht schwarz, so Geschäftsführer Boto. Trotzdem hätten sie jetzt finanzielle Einbußen, „und wir werden mindestens zwei bis zweieinhalb Jahre brauchen, um dem alten Niveau wieder nahezukommen“.

Rapider Einbruch

Als die Probleme für die Luftfahrt im März offenbar wurden, waren die PFW-Werkshallen und -Lager gut gefüllt. In der für die Firma wichtigsten Airbus-A320-Klasse sei die Produktion kurz zuvor noch einmal gestiegen gewesen – von PFW-Komponenten für 75 Maschinen pro Monat auf 80. Dann kam der tiefe Fall. Boto geht davon aus, dass bis Jahresende wieder für 30 bis 40 dieser Maschinen pro Monat produziert werden kann. Der Einbruch bei der Nachfrage sei jedenfalls „riesig“. Laut Betriebsratschef Rieder ist für PFW auch entscheidend, „wie es mit der Fliegerei jetzt wieder anläuft“.

Klar ist laut Boto: Der angepeilte Jahresumsatz von rund 500 Millionen Euro ist längst nicht zu erreichen. Zwischen 300 und 350 Millionen könnten vielleicht zu schaffen sein – wie 2016, weshalb das jetzt auch für die Kosten ein Referenzjahr sei. „Aber der Umsatz bricht schneller weg, als wir die Kosten senken können.“ Wenn 350 Millionen erreicht würden, könnte PFW noch profitabel sein, rechnet Boto hoch.

Keine Sorge um Bestand

Das Unternehmen profitiere heute davon, dass es zuletzt viel investiert und modernisiert habe. Heute müsse angesichts der Krise nicht um den Bestand gefürchtet werden, vor fünf bis acht Jahren wäre das anders gewesen. Der seit 2012 verantwortliche Boto sieht PFW sogar so gut aufgestellt, dass die GmbH letztlich ein Gewinner der Krise sein könnte, wenn Rivalen diese nicht überlebten. Dabei helfe auch, dass Großkunde Boeing die Speyerer nun zum „Preferred Supplier“ („bevorzugter Zulieferer“) aufgewertet habe.

Boto wird diesen Weg nur noch bis Sommer oder Herbst begleiten. Wie berichtet, geht er zu Airbus zurück. Dieser Konzern war bei PFW von 2011 bis 2019 Hauptanteilseigner, seither ist es die französische Hutchinson-Gruppe. In den nächsten Wochen könnte Botos Nachfolger vorgestellt werden. Die Corona-Krise mache diese Übergangsphase nicht leichter, gesteht Boto ein, lobt aber die neuen Eigner: „Hutchinson ist ein sehr besonnener Aktionär, der sich Zeit lässt und dem Solidität wichtig ist.“ Das helfe in der Krise.

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