Speyer
Pfarrerehepaar zum Valentinstag: Darauf kommt es bei der Liebe an
Wenn Christine und Ralph Gölzer über ihren gemeinsamen Lebensweg erzählen, fängt gerne sie an, und er übernimmt irgendwann nahtlos. Oder umgekehrt. „Es war für uns schnell klar: Wir haben uns, und wir bleiben beieinander“, sagt er dann. „Wir waren uns sehr sicher“, ergänzt sie. So berichten sie von ihrer Entscheidung zu heiraten – 1987, als Mittzwanziger im Theologiestudium, als sie sich gerade einmal seit zwei Jahren kannten und ihre Eltern noch skeptisch waren. Bei Protestantischer Theologie im katholischen Wien seien die Studienbänke damals nicht so voll gewesen wie an der überlaufenen Heidelberger Uni. Auch deshalb fanden sich die Allgäuerin und der Saarpfälzer womöglich.
Geheiratet wurde in Christine Gölzers bayerischer Heimat. „Beste Party ever“, schwärmt ihr Gatte noch heute. Nach Speyer, wo sie die Pfarrstelle an der Dreifaltigkeitskirche innehat, und nach Neuhofen, wo er am Altar stand, kamen sie 2005. Damals waren die drei Kinder noch klein, heute sind sie aus dem Haus. Dass die beiden Pfarrer schon die Traugottesdienste für ihren Sohn und eine der beiden Töchter leiten durften, schließt den Kreis. Teilweise haben sich die Gölzers eine Pfarrstelle geteilt. „Wir waren noch mehr als andere Paare aufeinander bezogen und auch beruflich eng verflochten“, sagt Ralph Gölzer und sieht darin eine Zutat im Rezept ihrer langen Liebe.
Gleichberechtigung zählt
„Immer möglichst gleichberechtigt“ hätten sie stets agiert, betont Christine Gölzer. Das habe auch für Erziehungszeiten gegolten, womit er beim ersten Kind 1991 eine Art Pionier in der Landeskirche gewesen sei, fügt ihr Gatte hinzu. Auch dass sie im selben Beruf „auf den Cent dasselbe“ verdient hätten, habe die Sache womöglich erleichtert. Die wichtigste Zutat einer glücklichen Ehe habe jedoch nichts mit Geld zu tun: „Reden hilft“, sagt die 61-Jährige. „Wir sind Menschen, die sehr offen miteinander sprechen können und sich auch in schwierigen Situationen Zeit dafür nehmen.“ Ihr Gatte, der am Freitag seinen 65. Geburtstag gefeiert hat, nickt eifrig: „Darin sind wir ziemlich gut.“
Natürlich lässt sich nicht alles mit dem Beruf erklären, aber es sei sicher kein Nachteil, als Pfarrer „Kommunikationsprofi“ zu sein, sind beide überzeugt. Sie haben auf die Theologie systemische Ausbildungen draufgesattelt und schon andere Paare in glücklichen wie auch in herausfordernden Lebenslagen beraten. „Richtig zu kommunizieren, gelingt uns in der Innensicht auch“, sagt Ralph Gölzer stolz. Obwohl im Pfarramt die 38-Stunden-Woche nie ausgereicht habe, hätten sie stets Raum für sich selbst und auch für das Familienleben mit ihren Kindern gefunden. Die gemeinsame Sprache habe sich dabei über die Jahre entwickelt, so Christine Gölzer: Sie selbst habe etwa vieles mit sich selbst ausgemacht, aber von ihrem impulsiveren, extrovertierteren Mann auch gelernt, „dass man Konflikte nicht scheuen muss“.
Tiefer Einschnitt
Mit dieser Einstellung könne man auch Umbrüche meistern: Ein tiefer Einschnitt unter anderem für die Partnerschaft sei sein Übergang in den Ruhestand Ende 2024 gewesen, so Ralph Gölzer. „Ich musste mich neu definieren, als ich zu Hause war.“ Zwischenstand ein gutes Jahr später: Das habe ganz gut geklappt, auch weil er mit einer Ausbildung bei den Johannitern ein neues Tätigkeitsfeld entdeckt habe. Als kurz nach dem Abschied aus dem Job am Valentinstag 2025 in der Gedächtniskirche der erste „Gottesdienst für Geliebte“ stattfand, hat das Theologen-Team ganz bewusst als Privatleute daran teilgenommen. „Den Segen miteinander wahrzunehmen, war sehr bewegend und hat uns eine Zeit lang getragen“, erzählen sie.
„Die Idee hat uns angesprochen“, sagen sie über die besondere Segnungsfeier, die auch 2026 wieder am Valentinstag (18 Uhr) stattfindet. Die Gölzers können diesmal nicht teilnehmen, weil sie einen eigenen Gottesdienst vorbereiten: Am Sonntag (10 Uhr) geht es bei ihnen in der Dreifaltigkeitskirche fasnachtlich zu. Dann wird in Mundart und in Reimform gepredigt – ein Markenzeichen von Historientheater-Fan Ralph Gölzer. Mit seiner Gattin zusammen hat er schon Martin Luther und Katharina von Bora gemimt, und auch diesmal wird das Pfarrerduo als Prominentenpaar am närrischen Altar stehen: Sie gehen zurück bis zu Adam und Eva.