Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Patricks Woche: Warum sich der Weihnachtsmarkt-Besuch immer lohnt

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Weihnachtsmarkt: Pfalz statt Oberpfalz

Es ist wieder Weihnachtsmarkt! Kaum waren am Montag die Buden in der Maximilianstraße erstmals geöffnet, strömte das Publikum – auch wenn am ersten Tag mit fast 20 Grad der Durst auf Glühwein noch verhalten war. Machen wir uns aber nichts vor: In der verbleibenden Marktzeit bis 6. Januar wird das Lieblingsgetränk der Budendorf-Fans gewiss reißenden Absatz finden. Dann kann auch der alte Kalauer herausgekramt werden, dass Marktbesucher, die den heißen Trunk allzu schnell hinunterkippen, sich die gebrannten Mandeln vom Stand nebenan sparen können. Apropos sparen: Die Preise sind auf dem Weihnachtsmarkt natürlich auch in diesem Jahr ein besonderes Thema. Für die Bratwurst und eben den Glühwein muss tiefer in die Tasche gegriffen werden. Die kleine Tasse des Heißgetränks kostet teilweise 4 Euro statt noch 3,50 Euro im Vorjahr – und ist dennoch längst nicht so teuer wie andernorts. Eine Agentur hat diese Woche eine Presseinformation zum „Glühweinindex“ verschickt. Sie hat nach Stichproben auf 50 deutschen Märkten einen Durchschnitt von 4,09 Euro ermittelt. In Köln, Berlin und München werde sogar erstmals die 5-Euro-Marke geknackt. Deutlich günstiger komme man hingegen mit 3,25 Euro in Regensburg davon. Na dann mal Prost – auch wenn die Fahrt in die Oberpfalz für ein, zwei, drei Heißgetränke weder finanzierbar noch nachhaltig ist …

Bewegung am Altpörtel: Rollschuhe statt Schlittschuhe

Apropos nachhaltig: Dass aus der Schlittschuhbahn am Altpörtel, die schon fast traditionell den Speyerer Weihnachtsmarkt bereicherte, in diesem Jahr eine Rollschuhbahn geworden ist, kommt auch der Umwelt zugute. Zwar ist der Belag wie zuvor aus Kunststoff, jedoch wird er durch die stumpfen Roller nicht so abgehobelt wie durch scharfe Kufen. In der Vergangenheit hatte es Kritik daran gegeben, dass der weiße Abrieb aus der Bahn heraus teils in die städtische Kanalisation gelangte. Ob der Umstieg auch dem zuständigen Schausteller zugutekommt, scheint indes sehr fraglich: In der ersten Woche war die Nachfrage in langen Phasen dürftig und das nun blaue Sportfeld immer mal wieder leer. Das könnte damit zu tun haben, dass Rollschuhfahren für viele nicht so besonders ist, dass sie dafür ans Altpörtel kommen müssten. Vielleicht braucht das Angebot aber einfach mehr Anlauf, um richtig in Schwung zu kommen. Zu wünschen wäre es ihm, und die fahrenden Untersätze sind für Schwung eigentlich eine gute Voraussetzung.

Markt der Partnerstädte: Ausbauen statt abbauen

Wer an der Rollschuhbahn und den zahlreichen Glühweinständen vorbeischlendert, findet samstags und sonntags im Historischen Rathaus eine lohnende Station. Dort ist der Weihnachtsmarkt der Partnerstädte angesiedelt, der an diesem Wochenende mit Gästen und Produkten aus dem italienischen Ravenna beginnt und in den kommenden Wochen noch Chartres und Kursk nach Speyer „holt“. Dieser Bestandteil des Markts war früher deutlich größer. Dass in diesem Jahr der Krieg in Russland und Bauarbeiten am Rathaus die Sache erschweren, muss hingenommen werden. Dass andere Freundeskreise absagen mussten, weil sie unter anderem mehr Unterstützung von der Stadt gebraucht hätten, ist hingegen eine Fehlentwicklung. Beteiligten zufolge wollte die Verwaltung auf diesen Bestandteil des Markts 2024 ganz verzichten und ließ sich nur erweichen, da Freundeskreise schon finanziell in Vorleistung getreten waren. Hoffentlich wiederholt sich das nicht! Der Partnerstädte-Baustein mag klein sein im Vergleich zum Rest-Markt. Weil bei ihm Völkerverständigung statt Konsum im Vordergrund steht, kann er aber als das eigentliche weihnachtliche Herz des Auftriebs angesehen werden. Er sollte aus- statt abgebaut werden und lohnt jede Mühe.

Förderprogramme: Bilanz statt Besinnlichkeit

Wenn der (erste) Glühwein getrunken ist und sich das Jahr dem Ende entgegenneigt, ist traditionell Zeit, um Bilanz zu ziehen. Claus Ableiter, scharfzüngiger Lautsprecher der Freien Wähler in Speyer, hat das schon mal getan – aber nicht für sich, sondern für die Stadtspitze. Am Montag dieser Woche hat er kurz nach Mitternacht eine Pressemitteilung versandt, in der es angeblich darum geht, dass er von der Verwaltung den Stand und die Kosten für die Sanierung der Viadukt-Bahnbrücke erfragt. Viel auffälliger ist jedoch, wie er ab dem dritten Satz „Fehlleistungen des Stadtvorstands, vor allem der Oberbürgermeisterin“ aufspießt. Es geht um Projekte im Baubereich. Das Rathaus hat laut Ableiter Förderprogramme erfunden, solche Programme nicht gefunden, aber davon geredet, Förderprogramme ganz oder weitgehend verschlafen oder „mit schlechtem, aber teuer eingekauftem Konzept nichts bekommen“. Er spielt damit auf Kosten der Kita Regenbogen, der Bahnhofsumgestaltung, energetischer Sanierungen und der Landesgartenschau-Planung an. Das kann man so sehen, ist aber dick aufgetragen. Ob ein gemeinsamer Glühwein die Schärfe rausnehmen würde? Der ist zwar auch nicht günstig, aber er erfüllt in der Regel die Erwartungen. Und von Förderprogrammen ist er auch nicht abhängig.

Verkehrsberuhigung: Tempo 20 statt Tempo 30

Die Kritik der Freien Wähler bezieht auch ein Verkehrsprojekt in der Gilgenstraße ein: Dort sei „Förderung vorsätzlich aufgegeben“ worden. Der Hintergrund: Nach früheren städtischen Plänen, den Durchgangsverkehr am Postplatz zu stoppen, läuft für die L454 das Abstufungsverfahren von der Landes- zur Kommunalstraße. Somit könnten auf die Stadt und ihre Bürger Zusatzkosten für den Straßenunterhalt zukommen. Im Rathaus wird Vorsatz natürlich zurückgewiesen; zudem sei der Schritt unumgänglich gewesen. Die große Gilgenstraßen-Reform aus dieser Woche war jedenfalls mit ein paar Schildern und überschaubaren Kosten verbunden: Nun gilt Tempo 20 statt Tempo 30. Auch das ist strittig, aber ich wage die Prognose: Die pragmatische Lösung wird eine Verbesserung bringen. Das wäre eine gute Nachricht für Speyer und einen Besuch auf dem nahen Weihnachtsmarkt wert.

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