Speyer „Parkrempler sind typische Unfälle“
Fahrtauglichkeit im Alter ist ein brisantes und heiß diskutiertes Thema. Fahrschulinhaber Bruno Spindler (63) aus Waldsee findet, sicheres Autofahren sollte auch noch im Alter Spaß machen, aber nicht um jeden Preis. Im Gespräch mit RHEINPFALZ-Mitarbeiterin Christine Kraus erzählt er über seine Erfahrungen mit dem Thema und über Möglichkeiten, das eigene Fahrverhalten mit Fahrproben überprüfen zu lassen.
Die Sehkraft lässt nach. Viele können nicht mehr über die Schulter oder auch nur in den Außenspiegel gucken. Wichtig ist es daher, einmal im Jahr zum Augenarzt zu gehen. Vielleicht hilft ja schon eine Brille. Außerdem sollte man den Hausarzt zum Thema Autofahren ansprechen. Wie kann ich selbst testen, ob ich noch fahrtauglich bin? Gar nicht. Ich bin ja der Meinung, ich kann noch fahren. Das müssen andere beurteilen. Senioren argumentieren gerne damit, dass vor allem die Fahranfänger Unfälle verursachen. Stimmt das? Gibt es typische Seniorenunfälle? Jugendliche fahren oft mit unangepasster Geschwindigkeit und haben mangelnde Fahrpraxis. Senioren haben zwar Fahrpraxis, aber sie können diese nicht mehr immer umsetzen. Zu den typischen Seniorenunfällen gehören die Parkrempler und verkehrtes Verhalten in unbekannten Gegenden, zum Beispiel falsch auf Autobahnen aufzufahren. Werden Senioren, die einen Unfall bauen, anders behandelt als jüngere Fahrer? Wenn bei einem Senior festgestellt wird, dass dieser Unfall aufgrund mangelnder Sehfähigkeit oder mangelnder Beweglichkeit oder einer anderen Einschränkung geschehen ist, wird die zuständige Behörde einschreiten. Das gilt nicht nur für Senioren, sondern für alle Verkehrsteilnehmer. Außerdem droht der Verlust des Versicherungsschutzes. Was macht die zuständige Behörde? Sie wird den Unfallverursacher vorladen oder ihm zur Auflage machen, innerhalb von circa vier Wochen durch eine Fahrprobe beim Tüv oder mit einem Verkehrspsychologen die Fahrtauglichkeit nachzuweisen. Diese Frist ist bewusst knapp bemessen, da der Proband ja immer noch im Besitz der Fahrerlaubnis ist. Wie kann eine Fahrschule Senioren behilflich sein? Senioren können einfach mal in der Fahrschule vorbeigehen und sich über Fahrassistenzsysteme oder Gesetzesänderungen informieren. Sie können aber auch Auffrischungsfahrstunden nehmen oder eine Fahrprobe machen und so ein nicht amtliches Zertifikat, das die momentane Fahrtauglichkeit attestiert, bekommen. Wie sieht so eine Fahrprobe aus? Man fährt mit dem Fahrschulfahrzeug, nach Wunsch Automatik- oder Schaltwagen, zirka zweimal 90 Minuten zur Vorbereitung und macht dann die Beobachtungsfahrt mit dem Fahrlehrer, aber ohne Prüfer. Man sollte eine Fahrschule aufsuchen, die für solche Ausbildungen qualifiziert ist. Kennen Sie Senioren, die von sich aus nicht mehr Auto fahren? Ja, da kenne ich einige, die nach einer Fahrprobe eingesehen haben, dass sie besser nicht mehr Auto fahren. Es fällt mir als Fahrlehrer schwer, ihnen das nahezulegen. Für die Senioren ist das ein gravierender Einschnitt. Gibt es Menschen, die erst im Seniorenalter ihren Führerschein machen? Immer weniger. Aber es kommt schon vor, dass Senioren, die lange nicht mehr gefahren sind, Auffrischungsfahrstunden nehmen oder tatsächlich den Führerschein machen. Etwa wenn der Partner schwer krank oder gestorben ist. Was ist mit Menschen, die durch eine Krankheit wie einen Schlaganfall gehandicapt sind? Sie werden auf einem behindertengerechten Fahrzeug ausgebildet. Hier muss laut Fahrerlaubnisverordnung entweder eine Fahrprobe beim Tüv oder eine Fahrprobe mit einem Verkehrspsychologen stattfinden. |krx