Speyer Ort der Heiterkeit, Ort der Trauer
«DUDENHOFEN.» Der Kontrast zwischen dem Klischee und der Realität beim Betreten des Geländes in der Dudenhofener Kettelerstraße könnte kaum größer sein. Das alte Mühlengebäude vor der Kulisse des vorbeirauschenden Woogbachs, das der Verein Kinderhospiz Sterntaler vor zehn Jahren gekauft und aufwendig umgebaut hat, nebenan der 2015 eröffnete Neubau in freundlicher Holz-Optik – all das bietet ein Bild der Idylle und des Friedens. Und ja, es wird auch gelacht: Zwei Kinder haben gerade ihren Spaß in einem Planschbecken. Sechs Kinder werden aktuell im Kinderhospiz in Dudenhofen betreut. Insgesamt gibt es Kapazitäten für bis zu zwölf Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. 25 Angestellte in Voll- und Teilzeit beschäftigt das Kinderhospiz in Dudenhofen, weitere 53 in der häuslichen Kinderkrankenpflege, die von Mannheim aus koordiniert wird und die es seit 15 Jahren gibt. Neben Pflegekräften kümmern sich Psychologen, Pädagogen und ehrenamtliche Familienbegleiter um die Kinder und ihre Familien. Darüber hinaus arbeitet das Haus mit Ärzten und anderen Fachkräften zusammen. Der mittlerweile verstorbenen Gründerin Ursula Demmer sei wichtig gewesen, dass das Kinderhospiz keine Krankenhausatmosphäre verströme, erzählt Linnford Nnoli, Pressesprecher des Vereins. Eine Herausforderung, denn die Anforderungen an Sicherheit oder Hygiene sind ähnlich hoch wie in einem Kinderkrankenhaus. Dass die Trauer hier dominiert, ist laut Nnoli nicht das einzige Missverständnis, das es rund um das Kinderhospiz gibt. Es sei nicht so, dass Kinder nur zum Sterben in die Einrichtung kommen, das sei in einem Erwachsenenhospiz so. „In das Kinderhospiz kann man kommen, sobald eine lebensverkürzende Krankheit diagnostiziert wurde“, berichtet er. Stoffwechselerkrankungen, Gendefekte, neurologische Störungen sowie Krebs und Herzleiden sind einige Beispiele für Krankheiten, mit denen die Sterntaler-Mitarbeiter zu tun haben. Vier Wochen im Jahr würden die Krankenkassen in der Regel bezahlen. Während die Kinder in Dudenhofen rundum versorgt sind, können die Eltern und Geschwisterkinder, für die es ebenfalls Zimmer gibt, sich von all dem Stress, den der Kampf gegen eine solche Krankheit mit sich bringt, erholen. Geschwisterkinder – dieses Wort fällt immer wieder, wenn Nnoli vom Kinderhospiz spricht. Denn diese leiden oft besonders, wenn der Bruder oder die Schwester eine schwere Erkrankung hat. In der Dudenhofener Einrichtung spielen sie deshalb eine wichtige Rolle. Unter anderem gibt es für die Geschwister einen eigenen Spielbereich. Dort sind auch noch Originalelemente der früheren Mühle zu sehen, die beim Umbau des Gebäudes erhalten wurden. Das Elterncafé und die angrenzenden Räume im Erdgeschoss werden unter anderem bei den einmal im Monat stattfindenden Familientagen benutzt. Die angrenzende „Kleine Scheune“ kann von jedermann für Seminare oder Workshops gemietet werden. Firmenveranstaltungen im Kinderhospiz? Für Nnoli spricht nichts dagegen. „Das ist eine tolle Symbiose.“ So werde auch dem Klischee entgegengewirkt, „dass hier alle mit hängendem Kopf herumlaufen“. Außerdem bedeutet die Miete eine kleine Einnahmequelle für den Kinderhospiz-Verein. Dieser finanziert seinen Betrieb unter anderem über Spenden. Immer wieder leiten Vereine, Firmen, Stiftungen, Schulen, Kindergärten und Privatpersonen teils beträchtliche Summen an das Kinderhospiz. „Wir haben Gott sei Dank viele treue Unterstützer“, sagt Nnoli. „Aber wir brauchen das Geld auch dringend.“ Mehr als drei Millionen Euro hat der 2015 eröffnete Neubau mit modernster technischer Ausstattung gekostet, rund die Hälfte der Summe ist mittlerweile abbezahlt. Weitere Projekte sind geplant oder im Bau: ein Therapiebad und eine Salzgrotte zur Therapie von Atemwegserkrankungen beispielsweise. „Für den laufenden Betrieb müssen wir jedes Jahr rund 1,2 Millionen Euro generieren“, berichtet der Sprecher des Vereins. Für den Aufenthalt der Kinder zahlen die Krankenkassen mittlerweile rund 600 Euro Tagessatz – deutlich mehr als noch vor einigen Jahren. Kostendeckend wären laut Nnoli rund 800 Euro. Der Standort Dudenhofen ist für Nnoli ideal für das Kinderhospiz. „Es ist ein malerischer Ort. Ein Bach fließt durch das Gelände“, schwärmt er. Es habe damals lange gedauert ein geeignetes Objekt zu finden. Das Zusammenleben mit den Dudenhofenern funktioniere sehr gut. Probleme mit der Nachbarschaft gebe es so gut wie keine. Vielmehr seien viele Dudenhofener auch stolz, dass es eine überregional bekannte Einrichtung wie das Kinderhospiz in ihrem Ort gebe. Bei aller Heiterkeit, die das Gelände verströmt – an manchen Plätzen wird dem Besucher dann doch klar, dass es sich um einen Ort handelt, an dem das Sterben eine zentrale Rolle spielt. Da ist zum einen das Sternenzimmer. Auch dieses ist hell und freundlich gestaltet. Doch die Atmosphäre hat auch etwas Ernstes. Hier steht ein Bett, in dem die Kinder ihre letzten Tage verbringen können und die Familie Abschied nehmen kann. Sterbe- und Trauerbegleitung gehört ebenfalls zu den Aufgaben, die das Kinderhospiz übernimmt. Während im Hof weitergeplanscht wird, geht es zu einem anderen Platz, der im Freien, etwas versteckt hinter der alten Mühle liegt. In einer Sandsteinwand stehen Fotos von Kindern, die gestorben sind. Davor oft kleine Spielzeuge oder Engelsfiguren. „Unser Gedenkmäuerchen“, erklärt Nnoli. Heiterkeit und Trauer – ganz dicht beieinander. Termin Jubiläums-Sommerfest heute, Samstag, 11 bis 17 Uhr, im Kinderhospiz Sterntaler, Kettelerstraße 17-19, Dudenhofen