Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Nur Tarzans Neffe auf der Zeugenbank

Vorsitzender Richter: Uwe Gau.
Vorsitzender Richter: Uwe Gau.

„Wie ist Tarzan zu erreichen?“ Das versuchte Uwe Gau, Vorsitzender Richter einer Großen Strafkammer des Landgerichts Frankenthal, in einem Prozess gegen einen 43-jährigen Speyerer zu klären. Dieser ist wegen Vergewaltigung, Körperverletzung, Nötigung und Sachbeschädigung angeklagt. Tarzan ist der Name eines Bekannten.

Der 43-Jährige soll seine 35-jährige Ex-Geliebte vergewaltigt, geschlagen sowie misshandelt haben. Der Speyerer sagt, dass der überwiegende Teil der Vorwürfe falsch sei. In seiner Aussage hatte er unter anderem berichtet, dass besagter Tarzan der neue Freund der 35-Jährigen sei. Tarzan sei in einem kleinen Dorf im Ausland, sagte am Montag sein 19-jähriger Neffe vor Gericht. Er habe mit seinem Onkel telefoniert, dem Gericht sei das aber nicht möglich. Als Grund nannte er unter anderem, dass es in dem Dorf kein Telefon und keine Mobilfunkverbindung gebe.

Der 19-Jährige war gar nicht als Zeuge geladen gewesen. Er kam mit der 35-Jährigen, die in dem Verfahren Nebenklägerin ist und sagte auf Antrag von Sabine Wüstefeld, der Rechtsanwältin der Frau, aus. „Ich bin immer für sie da, ich fahre sie, wohin sie möchte“, so beschrieb der 19-Jährige sein Verhältnis zu der 35-Jährigen. Im vergangenen Jahr seien Tarzan und die 35-Jährige gemeinsam im Heimatland der Frau gewesen, erzählte der 19-Jährige.

Drei Zeugen kommen nicht

Während der 19-Jährige ohne Ladung zur Verhandlung gekommen war, erschienen drei Männer, die als Zeugen geladen waren, nicht. Sie sollen nun erneut geladen oder von der Polizei vorgeführt werden.

Warum hat die 35-Jährige eine Anzeige, die sie gegen den Angeklagten gestellt hat, zurückgenommen? Diese Frage versucht das Gericht zu klären. Die Verlobte des Angeklagten behauptet, dass die 35-Jährige angeboten habe, ihre Anzeige zurückzuziehen, wenn sie einen Mercedes sowie 5000 Euro bekomme. Am Montag las Gau die Übersetzungen mehrerer Chats im Internet vor, so unter anderem zwischen der Ex-Geliebten und der Verlobten des Angeklagten. Darin überlegen die beiden Frauen, wie sie den Angeklagten aus der Untersuchungshaft herausbekommen könnten.

Schrottauto übergeben?

Die 35-Jährige schrieb, dass Tarzan einen Mannheimer Anwalt kenne, dem das wohl möglich wäre. Tarzan sei bereit, sich mit dem Juristen in Verbindung zu setzen, wenn er zukünftig wieder für den Angeklagten arbeiten könne. In einem anderen Chat beschwert sich die 35-Jährige, dass das Auto, dass sie von der Verlobten des Angeklagten bekommen habe, nur „Schrott“ sei. Die Verlobte erwidert, dass sie der 35-Jährigen erst mehr geben könne, wenn der Angeklagte entlassen worden sei.

Jan Fritz, Rechtsanwalt des Angeklagten, hatte am letzten Verhandlungstag fünf Anträge gestellt, am Montag folgten vier weitere. So will Fritz erreichen, dass die von der 35-Jährigen beschriebene Vergewaltigung im Gerichtssaal nachgestellt wird, um zu beweisen, dass eine Vergewaltigung so gar nicht möglich sei. Außerdem sollen weitere Zeugen geladen werden. Das Gericht hat über die Anträge noch nicht entschieden. Der Prozess wird am 22. Mai, 9.30 Uhr, fortgesetzt.

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