Speyer
Neue Sorgen um Normand-Wohnprojekt
Die Stadtverwaltung gab sich in den letzten Wochen zugeknöpft, wenn sie zum gemeinschaftlichen Wohnprojekt auf dem früheren Normand-Sportplatz befragt wurde. Es gebe dazu zwar eine Machbarkeitsstudie, aber sie müsse das Ergebnis zuerst „intern bewerten“. Jetzt legt sie eine erste Einschätzung für die Sitzung des Bauausschusses vor, der sich am Dienstag, 16. Juni, 17 Uhr, im Ratssaal trifft. Diese zeigt: Das Problem viel zu hoher Erschließungskosten ist nicht aus der Welt geschafft.
Die Krux besteht darin, dass der Sportplatz im Vergleich zur umliegenden Bebauung mehrere Meter abgesenkt ist. Die Fläche in dieser Tiefe zu erschließen, ist laut Studie der Ingenieurgesellschaft Björnsen „aus Gründen der Starkregenvorsorge auszuschließen“. Sie müsste also aufgefüllt werden. Dazu legen die Gutachter jetzt eine Kostenschätzung von gut fünf Millionen Euro vor, die – auf 4300 Quadratmeter bebaubare Fläche umgerechnet – allein Kosten von 1180 Euro pro Quadratmeter ergäben. Dabei hat die Stadt im vergangenen Jahr 300 Euro als regional übliche Obergrenze für Erschließungskosten genannt.
Wird abgespeckt?
Der Ansatz war damals, Zuschüsse einzuwerben. Es gehe schließlich nicht um irgendeine Baufläche, sondern um ein innerhalb des Gebiets „Soziale Stadt Speyer-Süd“ gelegenes Vorzeigeprojekt, was künftige Begrünung, Wohnformen und Energieversorgung angeht. Jetzt meldet die Stadt: „Nach Rücksprache mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) ist eine Förderung in dreifacher Höhe des eigentlichen Bodenwertes nicht vertretbar.“ Die ADD müsste für das Land die bis zu 90-prozentige Bezuschussung im Soziale-Stadt-Prozess freigeben.
Die Stadt will nun dem Ausschuss einen Ortstermin vorschlagen. Für die Gesamtfläche seien die Entwicklungskosten nicht zu tragen, so ihre Vorlage. „Es müssen im Folgenden alternative Konzeptionen erarbeitet und rechnerisch dargelegt werden. So könnte beispielsweise lediglich eine Randbebauung der Fläche vorgenommen oder eine Entwicklung der leichter bebaubaren Bereiche erzielt werden.“ Dafür solle der Ansatz beibehalten werden, mit Interessenten an der Fläche eine gemeinsame Zielsetzung zu erarbeiten.
Optimistische Buntspechte
Peter Bauer ist daran sehr interessiert. Der Speyerer spricht für die Planungsgruppe „Buntspecht“, die sich auf dem Gelände ein gemeinschaftliches Wohnprojekt wünscht. Sie hat dafür eine Firma gegründet und etliche Gespräche mit der Politik und den ebenfalls interessierten Wohnungsbaugesellschaften Gewo und GBS geführt. In der ersten Ablehnung von Landeszuschüssen sieht Bauer auf Anfrage noch kein Signal, „dass das Projekt nicht klappt“. Es sei allerdings „unbestritten, dass es sehr herausfordernd wird“.
Die Gruppe sei für alle Gespräche offen, betont Bauer. „Wir müssen neue Wege gehen, für neue Kooperationen offen sein.“ Für Fördermittel gebe es „ganz viele Optionen“, etwa im Bereich Klimaschutz. Es gehe nach wie vor um die Gesamtfläche mit 180 bis 230 Wohnungen, nicht nur um Randbebauung, und es gehe nach wie vor auch um „bezahlbaren Wohnraum für Menschen mit geringem Einkommen“. Seine Gruppe könne große Beträge einwerben.
RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler
Zündende Idee
Das erste große gemeinschaftliche Wohnprojekt in Speyer bleibt schwierig. Es kommt auf die Lage an – das hat die Planungsgruppe betont, als sie einst die von der Stadt angebotene Fläche neben dem Haus Pannonia abgelehnt hat. Es kommt aber auch die Erschließungskosten an. Beim Normand-Sportplatz sind diese noch zu hoch. Jetzt muss die zündende Idee her, wie es klappen könnte.