Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Neubau am „Vincenz“: Gute Räume, gute Genesung

Im neuen Aufenthaltsraum: Wolfgang Schell (links) und Klaus Diebold vor der Speyer-Kulisse.
Im neuen Aufenthaltsraum: Wolfgang Schell (links) und Klaus Diebold vor der Speyer-Kulisse.

Eine von Speyers größten Baustellen ist auf der Zielgeraden: Im Februar soll das neue Bettenhaus A2 des St.-Vincentius-Krankenhauses bezogen werden. Nach drei Jahren Arbeit stehen nur noch Kleinigkeiten an. Die nächsten Großprojekte sind schon in Vorbereitung.

Natürlich ist es ein Scherz, den Andrea Brönner, die Pressesprecherin des St.-Vincentius-Krankenhauses, beim Rundgang durch die neuen Räume macht: Die seien nämlich so gelungen, „dass die Patienten vielleicht gar nicht mehr nach Hause wollen“. Das Körnchen Wahrheit betrifft den Sprung nach vorn, den die Krankenhaus-Stiftung der Niederbronner Schwestern mit dem Neubau in der Holzstraße zu machen glaubt. 120 Betten in vier Stationen und Stockwerken werden in diesem untergebracht. Das Vorgängergebäude von 1928 ist 2017 abgerissen worden, seit 2018 ist der Nachfolger in die Höhe gewachsen.

Derzeit laufen vorwiegend Nacharbeiten im Innenausbau. Bei Kosten von 21 Millionen Euro wird man am Ende angekommen sein, erklärt der kaufmännische Bauleiter Klaus Diebold; 19 Millionen Euro waren zunächst eingeplant gewesen.

Möbel werden geliefert

Die vier Stationen sind im Dezember in unterschiedlichem Ausbauzustand, so Stiftungsvorstand Wolfgang Schell. Manche Böden müssen noch verlegt, manche Elektroleitungen gezogen werden. Für 21. Dezember ist die Lieferung der neuen Betten angekündigt, bis Januar folgen weitere Möbelstücke. Anderes wird an Tag X aus dem Bestandsgebäude in die neuen Räume gerollt werden. „Hauptaufgabe ist jetzt noch die Abnahme der Einrichtungen vor allem durch die Feuerwehr und das Gesundheitsamt“, so Schell. Die Endreinigung schließt sich an.

Anfang Februar – so Diebolds Zeitplan – solle dann die erste neue Station mit Patienten belegt werden. Die anderen folgten in den Tagen darauf. Dass dann aus dem ursprünglichen Bezugsplan im April 2021 fast ein Jahr Verspätung geworden ist, nehmen die Männer mit Fassung: Die Kampfmittelräumung, Engpässe im Baugewerbe und ein Wasserschaden erklärten das.

Die „Baustelle Vincenz“ wird mit dem Umzug nicht geschlossen sein. Zum Bettenhaus gehört zunächst noch ein zweiter Bauabschnitt: Bisher hinter einer Staubwand verborgen ist der Übergang zum Bestandsgebäude aus den 1980er-Jahren, der danach auf jeder einzelnen Ebene erneuert wird. Bis Ende 2022 werde hier wohl gearbeitet, ohne den Betrieb zu stören, wie die Manager sagen. Zum Jahreswechsel 2022/23 soll die Intensivstation fertig werden, deren Erweiterung von 14 auf 20 Plätze schon läuft. Zu diesem 2,5-Millionen-Euro-Projekt kommt die Komplettsanierung und Neugestaltung der Zentralen Notaufnahme bis Mitte 2024, die mit gut vier Millionen Euro veranschlagt ist.

Mehr Betten genehmigt

Viertes Projekt wird der Bau einer weiteren Station im vierten Obergeschoss des Neubaus sein. Dieser Bereich war laut Schell als Erweiterungsreserve vorgesehen. Mittlerweile sei klar geworden, dass der Bedarf da ist und das gut belegte St.-Vincentius-Krankenhaus vom Land 37 weitere Betten genehmigt bekommt; in der Summe werden es dann 256 sein. Diese Betten sollen im obersten Stockwerk einziehen. Die Rohbauhülle wurde jetzt schon erweitert, der weitere Ausbau sei allerdings frühestens 2023 realistisch, sagt Schell. Hier werden die Patienten dann zusätzlich eine Dachterrasse nutzen können. Der attraktive Blick auf die Stadt und ihre Türme wird aber auch in den anderen Etagen architektonisch betont: Große Fenster vor allem zur Holzstraße hin gehören zum Konzept der SKP Architekten aus Heppenheim.

Brönner, Diebold und Schell schreiten stolz in das Zimmer, in dem sie am besten wirken: Jede Station hat einen Aufenthaltsraum gegenüber den Personalräumen erhalten, zu deren 80 Quadratmeter eine große Fensterfron kommt. „Von den 80 Quadratmetern bezahlen wir 60 selbst, weil für solche Räume nur 20 Quadratmeter Standard sind“, sagt Schell. Die Zuschnitte und Raumgestaltungen, die Farben und Materialien in den neuen Räumen sollten ihren Anteil an der Genesung haben.

Ein weiterer Garant dafür könnte die neue Küche sein: Sie belegt eines der zwei Untergeschosse (die Haustechnik das andere) und wird die künftige Wirkungsstätte von 25 der 600 Krankenhaus-Mitarbeiter. Novum hier: Erstmals auch für externe Besucher wird ein Cafeteria-Betrieb geplant – mit Plätzen drinnen und als Freisitz zur Holzstraße hin.

RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler

Ein interessantes Verhältnis

Gut, dass Speyer zwei starke, modern aufgestellte Krankenhäuser hat. Das hilft nicht nur in der Pandemie.

Die Corona-Lage in den Speyerer Kliniken ist sehr angespannt. Allerdings musste noch nicht SOS gefunkt werden, und es konnten sogar Erkrankte von außerhalb aufgenommen werden. Das Verhältnis von St.-Vincentius- und Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus ist dabei interessant. Sie sagen es nicht, aber sind durchaus auch Konkurrenten. Dennoch ergänzen sie sich gut. Womöglich gibt es auch den Zusammenhang, dass Investitionen an der einen Stelle besondere Anstrengungen im anderen Haus bewirken. So oder so: Für Speyer ist das gut.

Von außen: das neue Bettenhaus.
Von außen: das neue Bettenhaus.
Fast fertig: die Küche im Keller.
Fast fertig: die Küche im Keller.
Unterm Flachdach: Ausbaureserve.
Unterm Flachdach: Ausbaureserve.
x