Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Nachhilfe nach Corona: Kinder teilweise mit großen Lernrückständen

Kein „Selbstläufer“: Speyerer Nachhilfe-Anbieter beobachten Nachholbedarf auch bei Grundschülern.
Kein »Selbstläufer«: Speyerer Nachhilfe-Anbieter beobachten Nachholbedarf auch bei Grundschülern.

Die Pandemie hat in vielen gesellschaftlichen Bereichen zu einer Ausnahmesituation geführt – so auch in den Schulen. Ein Schuljahr später und kurz nach den Halbjahreszeugnissen: Macht sich das bei den Anbietern von Nachhilfeunterricht in Speyer bemerkbar?

„Was ich extrem merke, ist, dass manche Kinder ihr Lernen nicht mehr selbst organisieren können“, sagt Andre Meringer. Er leitet das Nachhilfeinstitut Mathematiqum in der Speyerer Bahnhofstraße und sieht in seinem Problembefund eine Nachwirkung der Pandemie. Unterschiede im Organisationsvermögen der Schüler habe es schon vor Corona gegeben, die Pandemie habe die Differenzen aber noch vergrößert: Die Schüler, die schon gut im Organisieren waren, konnten von dem offenen Lernen profitieren. Diejenigen, denen die Eigenschaft fehle, hätten „die Freiheiten oft nicht sinnvoll genutzt“, erklärt er.

Leidtragende seien die Lernschwachen, so Meringer. Soziale und wirtschaftliche Unterschiede der Eltern hätten die Lage verschärft: „Manche Kinder hatten zu Hause keinen Computer und keinen Drucker zur Verfügung. Für sie war es deshalb schwierig, dem Online-Unterricht zu folgen“, so der Mathematiqum-Leiter. Ohnehin seien die Inhalte nicht immer lernförderlich gewesen: „Es gab viel Wiederholung und viele Lernvideos“, berichtet Meringer. Einige Themen seien dadurch komplett weggefallen, andere Themen hätten die Lehrer „eingeführt und dann nicht vertieft“, sagt er. So hätten sich Lerndefizite angesammelt, die die Kinder in der Folge nur schwer aufholen könnten.

Anmeldezahlen steigen

Eine Konsequenz: viel Betrieb in seiner Nachhilfeschule. Im Mathematiqum hätten sich nach der Pandemie deutlich mehr Schüler angemeldet als davor: Von 2022 bis 2023 sind die Neuanmeldungen dem Inhaber zufolge um 20 Prozent gestiegen. Zwischen 2023 und 2024 gab noch einmal einen Zuwachs von 20 Prozent.

Auch das Lernzentrum Capito am Königsplatz verzeichnet mehr Anmeldungen nach dem Ende der Pandemie – zumindest in einer bestimmten Altersgruppe: „Die Nachfrage von Grundschülern ist deutlich angestiegen“, sagt Quirin Gebauer, Leiter des Fachs Mathematik. Das sei auch logisch, denn die Kinder müssten jetzt die Lücken aus den Klassenstufen eins und zwei schließen, die in den zwei Corona-Jahren entstanden seien.

„Ruder herumreißen“

Lernprobleme haben laut Gebauer auch bei älteren Nachhilfeschülern zugenommen: „Bei meinen Schülern bemerke ich häufiger eine Rechenstörung.“ Auch Lese- und Rechtschreibstörungen träten bei den Kindern im Lernzentrum Capito vermehrt auf. In den vergangenen Tagen gab es vermehrt Anmeldungen: Das habe mit dem Zeugnistermin Ende Januar zu tun, „weil es nach dem ersten Halbjahr natürlich immer Schüler gibt, die das Ruder für das Schuljahr noch herumreißen müssen“, so Gebauer.

Auch die Speyerer Nachhilfeschule Eselsohr im Weißdornweg teilt diese Beobachtung. Johanna Schließer, Nachhilfelehrerin für die Fächer Deutsch und Englisch an dem Institut, berichtet: „Im zweiten Halbjahr ist bei uns immer mehr los als im ersten. Die Anmeldungen steigen ab Ende des ersten Halbjahres bis etwa im Mai.“ Danach werde es auch mit Nachhilfe schwierig, seine Note im Jahreszeugnis noch zu verbessern.

Defizite schon aufgeholt?

Bei den Grundschülern zeichnet Schließer für die Eselsohr-Nachhilfeschule aber ein anderes Bild als das Lernzentrum Capito: „Im Vergleich zum Vorjahr gibt es bedeutend weniger Anmeldungen von Grundschülern.“ Grund dafür aus ihrer Sicht: Die Defizite aus der Pandemie seien inzwischen weitgehend ausgeglichen worden. Öfter als Grundschüler kämen Kinder und Jugendliche, „die ein bis zwei Jahre vor dem jeweiligem Abschluss stehen“, sagt Schließer.

In die Schülerhilfe in der Maximilianstraße kämen nach der Pandemie nicht mehr Schüler als davor, teilt der Betreiber auf Anfrage mit. Und: Pandemie-bedingte Lerndefizite könne man bei den Schülern nicht feststellen. Grund dafür laut dem Unternehmen: „In der Corona-Zeit haben wir Fernunterricht angeboten. Das, was sie verpasst haben, holen die Schüler mit unserer Hilfe schnell nach.“

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