Speyer Mustafa Esleems helfende Hände

Hilft gern: Mustafa Esleem.
Hilft gern: Mustafa Esleem.

Silvia Bauer würde ihn am liebsten vom Fleck weg einstellen. „Zuerst war ich skeptisch, ob es Probleme etwa mit der Sprache gibt“, sagt die Pflegedienstleiterin des Altenzentrums Haus am Germansberg. „Das war absolut nicht der Fall.“ Mustafa Esleem macht einen guten Job: Rührend kümmert sich der 32-jährige Flüchtling aus Syrien um die Heimbewohner. Mehrere Stunden am Tag hilft er ihnen etwa bei der Körperpflege, reicht ihnen das Essen oder macht mit ihnen Spaziergänge.

Esleem absolviert ein sechsmonatiges Praktikum, das ihn auf eine Ausbildung als Krankenpflegehelfer oder Fachkraft für Pflegeassistenz vorbereiten soll. Anbieter sind die Diakonissen Speyer sowie der Verein zur Förderung der beruflichen Bildung (VFBB, wir berichteten). Finanziert wird das Projekt für Migranten und gering qualifizierte junge Deutsche von der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter über Bildungsgutscheine. Seit Juni haben 16 Frauen und Männer etwa aus Syrien, Afghanistan, Armenien, der Türkei und Spanien daran teilgenommen. Zwei Teilnehmer wechselten schon in eine Ausbildung in der Krankenpflege bei den Diakonissen. Für neun weitere ist der Ausbildungsbeginn für 2018/19 geplant. Von Montag bis Freitag arbeitet Esleem, der mit Frau und drei Kindern in Römerberg lebt, vormittags im Pflegeteam des Altenzentrums mit. Nachmittags paukt er im Unterricht Pflegetheorie und Deutsch. Im Januar will der Syrer den Führerschein machen, damit er später vielleicht in der mobilen Pflege arbeiten kann. Danach will er den Hauptschulabschluss ablegen. Ab August könnte die Ausbildung zum Krankenpflegehelfer starten. Flüchtlingen biete das Projekt eine gute berufliche Chance, sagt Pflegedienstleiterin Bauer. Da an Pflegekräften akuter Mangel bestehe, könne sie für ihr Haus mit 90 Bewohnern in vier Wohngruppen zusätzlich zwei helfende Hände gut gebrauchen. „Pflegen macht Spaß“, versichert Esleem, „die Kollegen sind sehr nett, wenn ich Hilfe brauche, dann frage ich.“ Einige Erfahrung in dem Metier brachte der ehemalige Maler und Bauarbeiter bereits mit, als er vor zwei Jahren nach Deutschland kam. Denn Zuhause in der nordsyrischen Stadt Idlib sei es auch für Männer selbstverständlich, bei der Pflege von Angehörigen mit anzupacken. „Die Arbeit wurde in der Familie aufgeteilt“, erzählt Esleem. Heimbewohnerin Ellen Schuster hat den Syrer längst in ihr Herz geschlossen. Seinen Job mache der muslimische Flüchtling so gut wie andere, „da gibt es keinen Unterschied“, so die 89-Jährige. Oft übt sie Deutsch mit Esleem. „Wenn du heimkommst, kannst du Deutschunterricht geben“, witzelt die ehemalige Sekretärin Schuster. Auch Pflegerin Katrin Frey ist dankbar für die Hilfe durch den Pflegepraktikanten. „Auch ist es interessant, viel über seine Kultur und Religion und über die Fluchtbedingungen zu erfahren“, sagt sie. Konkurrenzangst durch Flüchtlinge, die künftig in der Pflege mitarbeiteten, habe sie nicht.

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