Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Musikalische Andacht mit Jutta Keller

In der Kirche ihrer Kindheit: Jutta Keller.
In der Kirche ihrer Kindheit: Jutta Keller.

Die zweite von den Chören der Dudenhofener Kirche St. Gangolf initiierte Andacht in der Reihe „Musiker*innen aus der Nachbarschaft“ war gleichzeitig die letzte vor der Sommerpause. Jutta Keller und Gäste begeisterten in der katholischen Kirche mit aktuellen Auszügen aus ihrem Programm „Licht und Schatten – Musik trifft Lyrik“.

Jutta Keller ist Komponistin, Dozentin und allem voran Gitarristin. Eine, die ihre Musik in Europa und USA gespielt hat. Eine, die ihre Leidenschaft weitergibt. Sie hat viele Gruppen gegründet und Schüler wie Lisa Sterner unterrichtet und fördert. Die Oberstufenschülerin ist längst im Jutta-Keller-Ensemble aufgenommen und angekommen. Das Publikum hat das Nachwuchstalent mit dem feinen Gespür für die Balance zwischen Noten und Emotionen zu Recht gefeiert.

Der Auftritt in der Kirche ihrer Kindheit ist für Jutta Keller etwas Besonderes. Ihre Freude daran und an der Möglichkeit, endlich wieder vor Publikum spielen zu dürfen ist in jedem Akkord spürbar. Zusammen mit Sterner und Rezitatorin Anette Brechtel gelingt ein eindrucksvolles Zusammenspiel von Musik und Lyrik.

Lyrik zu Corona

Die Auswahl steht in engem Zusammenhang mit den Erfahrungen eines von der Pandemie geprägten Jahres. Lyriker wie Hesse, Rilke oder Hilde Domin haben vor dem pandemischen Geschehen gelebt. Dennoch passen ihre Zeilen in unsere Zeit. Kellers Melodien erzählen von Sehnsucht nach Freiheit und Hoffnung auf die Rückkehr in ein Leben voller Gemeinschaft, das bis 2020 unverrückbar schien. Die Zuhörer in der unter Corona-Bedingungen voll besetzten Kirche empfinden mit, was die Mitwirkenden fühlen. Brechtel spricht die Sprach- und Trostlosigkeit, aber auch Glücksmomente an, die die Zeit beschreiben, die hinter allen liegt.

Kellers „Licht und Schatten“-Melodie betont die Worte, die warme Singstimme der Gitarristin vollendet sie. Hermann Hesses lyrische Beschreibung der „Schönen Wolke“ über dem Ozean wirkt tief. „Du musst das Leben nicht verstehen, dann wird es werden wie ein Fest“: Mit diesen Worten rezitiert Brechtel Rilke. Keller und Sterner spielen dazu das Stück „Sonne und Schatten“. Distanz zwischen Ensemble und Besuchern ist aufgehoben.

Seelen berührt

Jutta Keller und Gäste berühren Seelen. Keller gelingt die Gratwanderung zwischen diskreter Begleitung und präsenter Musik grandios. Sie nimmt die Andachts-Besucher mit in den Süden, zu den Sternen, ans Meer und zu Herbert Grönemeyers Hit „Mensch“. Mit ihrer eigenen Version tritt die Gitarristin ans Mikrofon. Die Frauen widmen das Stück all denen, die fehlen. Sinnlich, stimmig und bitter-süß erinnern sie gefühlvoll an jene, die der Pandemie zum Opfer gefallen sind. Am Ende der Andacht steht Zuversicht. „Don’t be afraid“ stimmt Keller an und alle singen mit. Musik wie die aus „Licht und Schatten“ macht große Hoffnung auf bessere Zeiten.

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