Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Musikalische Abendandacht in der Gedächtniskirche

„Habe Dank“: Simone Stattelberger-Pepping singt Strauss.
»Habe Dank«: Simone Stattelberger-Pepping singt Strauss.

Künstler-Ehepaar Simone Pepping-Sattelberger und Robert Sattelberger überrascht in der gut besuchten Gedächniskirche mit einem spätromantischen Lied-Programm.

Es war ein durchaus ungewöhnliches Programm, mit dem die Reihe der Musikalischen Abendandachten am Sonntag das Schiff der Gedächtniskirche – ansehnlich füllte. Simone Pepping-Sattelberger, Alt, und Robert Sattelberger als ihr Begleiter am Flügel holten mit ihrer Auswahl an spätromantischer Kunstlied-Literatur sozusagen den Konzertsaal in die Kirche. Großartig im Übrigen und sehr bewegend.Johannes Brahms, Richard Strauss, Richard Wagner – der große Sinfoniker, Kammermusiker und zwei der signifikanten Bühnendramatiker, alle aber nicht zuletzt leuchtende Fixsterne des Lied-Schaffens ihrer Epoche und damit auch Transporteure, Veredler poetischer Gedanken, die sich damit tief im kollektiven Gedächtnis nachfolgender Generationen verankerten.

Und nicht zuletzt auch biblischer Reminiszenzen, wie sie Brahms in seinen Vier ernsten Gesängen op. 121 verewigt hat. Solomon, Sirach und der 1. Korinther-Brief werden da zitiert. Immer aber, auch bei den Strauss-Liedern aus Opus 10 und 27, ebenso wie bei den „Wesendonck-Lieder“ von Wagner, die mit dem „Engel“-Lied, präsent waren, lautet das zentrale Thema: Liebe.

Hohelied auf die Liebe

Altkirchenpräsident Eberhard Cherdron, der angenehm zurückhaltend durch die Werkfolge führte, verstand es prächtig, in wenigen, sehr präzisen Ausführungen Kontext und Hintergrund der Werkfolge nahezubringen. Und den Musizierenden allein die ihnen gebührenden weiten Räume zu öffnen. Das beherrschen die Wenigsten und deshalb verdient er der Würdigung.

Brahms „Ernste Gesänge“, auf den Tod seiner „fernen Geliebten“ Clara Schumann komponiert, plakatieren großes dramatisches Lieder-Kino. Enden hymnisch als Hohelied auf die Liebe und brauchen – ebenso wie Strauss’ „Geduld“, „Ruhe, meine Seele“, „Allerseelen“, „Morgen“ und „Zueignung“ – in der sängerischen Ausführung Volumen ebenso wie beachtlichen Stimmumfang; vor allem aber dramatische Darstellungskraft.

Wunderbares „Bratschen-Timbre“

Simone Pepping-Sattelberger, sie ist das pädagogische Rückgrat der Nachwuchsensembles an der Gedächtniskirche, Ensemble-Mitglied der „Rheintöchter“, auch immer mal Solistin bei Oratorien-Aufführungen. Mit diesem Liederabend freilich bewegte sich auf gänzlich anderem Terrain. Und das überaus souverän. Ihre kraftvolles, wunderbar gerundetes „Bratschen-Timbre“ füllte den riesigen Kirchenraum nicht nur mit Wohlklang, sondern vor allem mit dramatischer Aktion; einer Fülle an Schattierungen des Ausdrucks zwischen verinnerlichtem Atemstillstand und eruptivem Strahlklang.

Sie unterstützte mit intensiver, gleichwohl sorgsam disziplinierter Körpersprache – durchaus sympathisch. Und nicht zuletzt die fantastisch bruchlose Stummführung, das wunderbar schwingende Tiefenregister ließen immer aufs Neue aufhorchen. Wagners „Engellied“ mit seiner hermetisch mystischen Innerlichkeit war nicht minder Ereignis.

Wirklich großer Abend

Robert Sattelberger, dessen Meriten als Organist längst nicht mehr zu zählen sind, war auch als Begleiter am Flügel eine fantastische Besetzung. Was keineswegs selbstverständlich ist, denn zwischen beiden Disziplinen liegen Welten. Aber Sattelberger agierte als Pianist trittsicher, vorgebend wie nachspürend zugleich, stets in klanglicher Balance mit der Singstimme und deren intuitiver Fingerzeige auf Agogik und Phrasierung.

Es war ein wirklich großer Abend in der kirchenmusikalischen Reihe, die, nachdrücklich bescheiden, auch während des bösen November-Shutdowns als kultureller Lebensimpuls weitersprudeln soll.

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