Speyer
Miami Hempire: Worauf der Cannabis-Club noch warten muss
Die erste Charge hat Miami Hempire längst geerntet. Rund zehn Kilogramm selbst angebautes Cannabis und Haschisch sind „eingetütet“ und bereit, an die Mitglieder abgegeben zu werden. Der Raum dafür ist auch schon fast fertig – in dem Eckhaus an der Bahnhofstraße und Unterer Langgasse sind in den vergangenen Tagen noch Fußboden gelegt und Möbel gestellt worden. Es ist auffallend hell im Inneren. „Wir wollten etwas weg aus der Schmuddel-Ecke“, sagt Clubgründer und -vorsitzender Rico Cakir und lächelt. Viele Social-Clubs im Ausland seien eher in dunkleren Räumen beheimatet. Das strahlende Weiß in Speyer soll freundlich wirken. In der Mitte des Raums an einem kleinen Tisch wird später eine Probe der Ware zu sehen ein – gesichert, hinter dickem Glas. Acht Behälter für acht Sorten, die der Cannabis-Social-Club zur Abgabe für seine Mitglieder im Angebot.
Wer in den Laden will, muss im Eingangsbereich am „Check-In“ seinen Ausweis vorzeigen. Drinnen werde dann beraten, zudem würden die Proben inspiziert. „Wir haben Interaktionen mit dem Mitglied“, erklärt der Vereinsgründer die Idee. Im neuen Geschäft befand sich früher ein Kasino, was dem Verein in die Karten spielt. Schließlich muss auch Miami Hempire per Gesetz 200 Meter Abstand zu Kindergärten oder Spielplätzen einhalten. Da lägen die Räume in der Bahnhofstraße optimal. Im Gebäude seien ein Sicherheitssystem und Sensoren installiert worden, an der Außenfassade habe der Verein auf Werbung verzichtet. Drinnen herrscht Konsumverbot. „Wir haben jede Vorgabe erfüllt“, sagt Cakir.
Nach Bremen gefahren
Vor zwei Wochen sei er sogar eigens mit einer Probe der Erzeugnisse nach Bremen gefahren, um benötigte Laborwerte erstellen zu lassen. Die Zusammenarbeit mit der zuständigen Behörde – dem Landesamt für Jugend und Soziales – habe immer gut funktioniert. Prüfungen seien sowohl in der Südpfalz, wo angebaut wird, als auch in der Speyerer Abgabestelle Ende Januar reibungslos verlaufen.
„Ich bin eigentlich pro Behörde“, unterstreicht der Gründer. Gerade deswegen sei er schon ein wenig enttäuscht, dass die Lizenz für die Abgabestelle in der Bahnhofstraße auch Anfang März noch nicht erteilt worden sei. „So langsam drückt der Schuh“, gibt der Gründer zu. Schließlich habe er viel Geld investiert – in neue Räume, die Renovierung, in die Bezahlung von Helfern. Geschätzt sei allein für die erste Ernte rund 15.000 Kilowattstunden Strom verbraucht worden. Auf der Einnahmenseite herrsche dagegen bisher Ebbe. Solange die Abgabe noch nicht startet, kämen auch noch keine Beiträge der rund 250 Mitglieder in die Kasse. Bis zu 500 könnte der Verein laut Gesetz aufnehmen, will das aber erst tun, „wenn die Tür aufgeht“, wie es der Vorsitzende ausdrückt. „Wir können nicht anfangen, bevor die Genehmigung da ist“, fasst Cakir zusammen. Und fügt noch einen weiteren Punkt an: „Wir sind ja dafür da, den Schwarzmarkt einzudämmen.“ Noch gibt es keine Feststellungen zu den Auswirkungen des Gesetzes auf die Organisierte Kriminalität, erklärte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums dem Nachrichtensender n-tv. In der zweiten Jahreshälfte soll eine Evaluierung dazu vorliegen.
Der Cannabis Social-Club Miami Hempire hat seine Vorbereitungen zu Abgabe abgeschlossen. „Wir wären startklar“, sagt Cakir. Das Landesamt für Jugend und Soziales in Mainz hat bisher auf RHEINPFALZ-Anfrage zum Bearbeitungsstand der Genehmigung nicht geantwortet, aber eine Rückmeldung in den kommenden Tagen angekündigt. Cakirs Hoffnung: Diese Woche soll es losgehen. Der Ball liege jedoch bei der Behörde.
