Speyer
Mörschbrücke bereitet der Stadt Kopfzerbrechen
Wohin des Weges?
Natürlich in die Altstadt – oder aus der Altstadt heraus? Im Bereich, in dem der Nonnenbach an der ehemaligen Stadtmauer entlangfließt, kam irgendwann ein neuer Weg aus dem ursprünglichen Speyer hinzu. Er führte damals in landwirtschaftliche Bereiche, auf denen heute längst gesiedelt wird und mit der TSV-Anlage, dem Helmut-Bantz-Stadion, der Integrierten Gesamtschule oder dem Sportpark wichtige Infrastruktur-Einrichtungen liegen. Genutzt wird die Brücke in Verlängerung der Mörschgasse somit vorwiegend von Altstadt-Bewohnern oder Speyerern, die zum Beispiel auf dem Schulweg abkürzen wollen. Als zuletzt die Petschengasse wegen des Umbaus der Kreuzung an der Bernhardskirche gesperrt war, kamen Umleitungsnutzer hinzu.
Wie kam’s dazu?
Lange Zeit war die Salzturmbrücke der nördlichste Übergang aus der Innenstadt über den Nonnenbach, wird im Buch „Speyer und seine Brücken – einst und jetzt“ von 1987 berichtet. Wohl Mitte des 19. Jahrhunderts kam die Mörschbrücke als vierte Überquerung neben Salzturmbrücke, Mittelsteg und Sonnenbrücke hinzu. 1962 war sie vom gewachsenen Kfz-Verkehr derart in Mitleidenschaft gezogen, dass sie gesperrt werden musste. „Doch 1976 war wieder genug Geld da, um die alte Funktion wiederherzustellen. Ein neuer Übergang auf den drei alten Sandsteinpfeilern entstand“, heißt es in dem Buch. In der Zwischenzeit war 1965 für eine halbe Million D-Mark ein Stück weiter die Petschenbrücke errichtet worden, die bis heute einen Großteil des Verkehrs in diesem Bereich aufnimmt.
Welche Werte sind wichtig?
32,25 Meter lang ist die Mörschbrücke und in der städtischen Liste der wichtigsten Bauwerke mit der sehr bescheidenen Zustandsnote 3,0 (bei vier Notenstufen) eingetragen. Es gilt eine Maximallast von zwölf Tonnen – sechs Tonnen in jede Richtung –, mit der Florian Benner von der städtischen Tiefbauabteilung wegen des Lkw-Verkehrs auch nicht ganz wohl ist. Der Stadt wäre eine Maximallast von 2,5 Tonnen lieber. Das hat mit der besonderen Baugeschichte zu tun.
Wie lange hält sie noch?
„Als die Stadt in den 1970er-Jahren Geld für die Brücke hatte, reichte es leider nicht für eine komplett neue Brücke“, berichtet Benner. Er hat sich nun mit den Folgen herumzuschlagen: „Die Mörschbrücke ist ein Spezialfall, der mir langfristig Gedanken macht.“ Bei der damaligen Erneuerung sei nur der marode Überbau abgetragen worden, die ursprünglichen Fundamente und Stützen seien – in angepasster Form – jedoch beibehalten worden. „Es ist schwierig, da reinzuschauen, aber drei bis vier Meter tief wurde schon gegraben, bis alte Eichenpfähle aufgetaucht sind“, berichtet der Stadt-Mitarbeiter.
Die Mörschbrücke weise momentan keine problematischen Setzungen auf, betont Benner. Dass verbotenerweise immer mal wieder auch zu schwere Laster drüberführen, könne dem Bauwerk aber nicht guttun, ordnet der Tiefbauingenieur ein. „Langfristig fände ich einen Ersatzneubau sinnvoll, nichtsdestotrotz hat die Brücke in der heutigen Form eine Instandhaltung nötig“, so Benner. Entscheidungen dazu seien noch nicht getroffen, würden aber vorbereitet – vor dem gleichen Hintergrund wie vor 50 Jahren: Für die Nonplusultra-Lösung könnte das Geld fehlen.