Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Lyrik im Lockdown

Vorsitzende der Autorengruppe Spira: Sonja Viola Senghaus.
Vorsitzende der Autorengruppe Spira: Sonja Viola Senghaus.

Die Autorengruppe Spira der Sektion Speyer des Literarischen Vereins der Pfalz musste in der Zeit des Lockdown alle öffentlichen Lesungen einstellen. Aber es entstanden viele Gedichte und Prosatexte zum Thema Pandemie. Hier eine Auswahl.

David und Goliath

Über das Tier hat der Mensch sich erhoben,

Die Macht in der Natur zu seinen Gunsten verschoben.

Er fliegt gar zum Mond und zu Mars wohl bald,

Kennt die Herkunft des Planeten ob heiß oder kalt.

Doch trippelt ein rundliches Virus

daher,

Ist er hilflos, erbärmlich, kennt sich selbst nicht mehr,

Befürchtet mit Recht, es wiederholt sich der Streit

Zwischen Goliath und David in der alten Zeit.

Und wir wissen, wer damals den Sieg errang.

Stimmt das nicht bedenklich – und sogar bang?

Nachruf auf einen Virus

Irgendwann geht es

Unvergessen bleibt es

Unsterblich glauben wir

zu sein

Ehe uns der Tod einholt

gleich nebenan.

An Tagen wie diesen

An Tagen wie diesen

Ist niemand erreichbar

Keiner hört Dein Flehen

Nicht mal eine Lerche findet den Ton

An Tagen wie diesen

Ist niemand bei Dir

Keiner hört Dein Lachen

Nicht mal ein Kind springt um den Platz

An Tagen wie diesen

Ist jeder allein

Keiner hört den andern

Nicht mal ein Engel verlässt sein Reich

An Tagen wie diesen

Beginnt eine Reise

Keiner bleibt wo er war

Und ist doch endlich daheim

Killerbombe

Übermächtig fühlten wir uns

mit Bomben gerüstet

zum Kampf

Mensch gegen Mensch

Winziger Virus

kommt uns zuvor

wird zur Killerbombe

macht keinen Unterschied

zeigt wie verletzlich wir sind

zieht uns ins Verderben

nicht ohne Gegenwehr

vereint alle im Widerstand

Gemeinsam schaffen wir es

diesen heimtückischen Feind

zu besiegen

Unter der MaskeWir sitzen im Glashaus

von allen betrachtet,

bewundert oder verspottet.

Wer traut sich zu zeigen

wie er ist?

Tragen wir eine Maske

damit uns niemand durchschaut?

Wann kehrt unser Lächeln zurück?

Erst wenn die Maske fällt

Das Unheil – Corona

In meiner Klause wo alle meine schönen Worte wohnen

befand ich mich und hätte wohl nicht sagen können woher das Unheil kam

man kann gar nicht schnell genug sein

und schon erwischt es einen wohl

Das Unheil wir kapierten’s nicht

Ein kleiner Winzling unsichtbar dem Auge

Er wütete unerreichbar weit

bleckt fürchterlich die Zähne

die Zähne sieht man nicht

spürt nur den Druck im Dunkeln

den Husten der dich packt am Morgen

Das Leben - will es mir entgleiten?

bin nur benebelter Mensch noch halb eine Fieberleiche

Und wenn ihr fragt was mich am meisten drückt

dass ich nicht küssen darf die Liebste

und wer nur weiß was nun als nächstes kommt

Ohne Titel

Frühling

alles blüht

strahlt, erwacht, bezaubert

nur der Mensch fehlt

oder?

Erwachen

der Natur

ganz ohne Menschen

oder eben nur deshalb

Demut

Einsam

der Mensch

unsicher sein Schritt

in all der Blütenpracht

Wohin?

Prachtvoll

der Baum

vor meinem Fenster

und wieder menschenleere Straßen

Angst

Weiß

die Blüten

am kleinen Bäumchen

voll – all die kleinen Äste

Leben

Leer

die Straßen

schon seit Tagen

Natur erwacht – ohne uns

Aufatmen

Frühling 2020

Trotz kalten Asienwindes

glüht in mir

ein Frühling

Mein Atem schwer

in giftgetränkter Luft

welken Knospen

Zurück aus dem Süden

künden Storchenschnäbel

zaghaft Zuversicht

Ein Hauch

von Sommerwärme

schwebt vorbei

An einem Tag wie heute

Sonnenbespielt

beginnt mein Tag

doch in den Wolken

lauert Regengetümmel

in der launigen Luft

haust ein Ungeheuer

besetzt die Welt

mit fiesen Keimen

Ich bleib allein

und harre

hin zum neuen Tag

Der Flug

Schwerelos

der Flug

trotz befiederter

Sicht die Hoffnung

im Schnabel

Öffne die Augen

Sei für kleine Wunder

bereit

Öffne dein Herz

Nimm dir für jede Kleinigkeit

die Zeit

Hier diese Blüte

dort dieses Blatt

hier der Käfer

Schau dich nur satt

Durchleben wir eben

auch eine schreckliche Zeit

macht sich doch

der Sommer

überall breit

Trotz Krise, trotz Corona

lass dir die Muse nicht nehmen

Dafür ist es zu schön

das Leben

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