Speyer
Lyrik im Lockdown
David und Goliath
Über das Tier hat der Mensch sich erhoben,
Die Macht in der Natur zu seinen Gunsten verschoben.
Er fliegt gar zum Mond und zu Mars wohl bald,
Kennt die Herkunft des Planeten ob heiß oder kalt.
Doch trippelt ein rundliches Virus
daher,
Ist er hilflos, erbärmlich, kennt sich selbst nicht mehr,
Befürchtet mit Recht, es wiederholt sich der Streit
Zwischen Goliath und David in der alten Zeit.
Und wir wissen, wer damals den Sieg errang.
Stimmt das nicht bedenklich – und sogar bang?
Nachruf auf einen Virus
Irgendwann geht es
Unvergessen bleibt es
Unsterblich glauben wir
zu sein
Ehe uns der Tod einholt
gleich nebenan.
An Tagen wie diesen
An Tagen wie diesen
Ist niemand erreichbar
Keiner hört Dein Flehen
Nicht mal eine Lerche findet den Ton
An Tagen wie diesen
Ist niemand bei Dir
Keiner hört Dein Lachen
Nicht mal ein Kind springt um den Platz
An Tagen wie diesen
Ist jeder allein
Keiner hört den andern
Nicht mal ein Engel verlässt sein Reich
An Tagen wie diesen
Beginnt eine Reise
Keiner bleibt wo er war
Und ist doch endlich daheim
Killerbombe
Übermächtig fühlten wir uns
mit Bomben gerüstet
zum Kampf
Mensch gegen Mensch
Winziger Virus
kommt uns zuvor
wird zur Killerbombe
macht keinen Unterschied
zeigt wie verletzlich wir sind
zieht uns ins Verderben
nicht ohne Gegenwehr
vereint alle im Widerstand
Gemeinsam schaffen wir es
diesen heimtückischen Feind
zu besiegen
Unter der MaskeWir sitzen im Glashaus
von allen betrachtet,
bewundert oder verspottet.
Wer traut sich zu zeigen
wie er ist?
Tragen wir eine Maske
damit uns niemand durchschaut?
Wann kehrt unser Lächeln zurück?
Erst wenn die Maske fällt
Das Unheil – Corona
In meiner Klause wo alle meine schönen Worte wohnen
befand ich mich und hätte wohl nicht sagen können woher das Unheil kam
man kann gar nicht schnell genug sein
und schon erwischt es einen wohl
Das Unheil wir kapierten’s nicht
Ein kleiner Winzling unsichtbar dem Auge
Er wütete unerreichbar weit
bleckt fürchterlich die Zähne
die Zähne sieht man nicht
spürt nur den Druck im Dunkeln
den Husten der dich packt am Morgen
Das Leben - will es mir entgleiten?
bin nur benebelter Mensch noch halb eine Fieberleiche
Und wenn ihr fragt was mich am meisten drückt
dass ich nicht küssen darf die Liebste
und wer nur weiß was nun als nächstes kommt
Ohne Titel
Frühling
alles blüht
strahlt, erwacht, bezaubert
nur der Mensch fehlt
oder?
Erwachen
der Natur
ganz ohne Menschen
oder eben nur deshalb
Demut
Einsam
der Mensch
unsicher sein Schritt
in all der Blütenpracht
Wohin?
Prachtvoll
der Baum
vor meinem Fenster
und wieder menschenleere Straßen
Angst
Weiß
die Blüten
am kleinen Bäumchen
voll – all die kleinen Äste
Leben
Leer
die Straßen
schon seit Tagen
Natur erwacht – ohne uns
Aufatmen
Frühling 2020
Trotz kalten Asienwindes
glüht in mir
ein Frühling
Mein Atem schwer
in giftgetränkter Luft
welken Knospen
Zurück aus dem Süden
künden Storchenschnäbel
zaghaft Zuversicht
Ein Hauch
von Sommerwärme
schwebt vorbei
An einem Tag wie heute
Sonnenbespielt
beginnt mein Tag
doch in den Wolken
lauert Regengetümmel
in der launigen Luft
haust ein Ungeheuer
besetzt die Welt
mit fiesen Keimen
Ich bleib allein
und harre
hin zum neuen Tag
Der Flug
Schwerelos
der Flug
trotz befiederter
Sicht die Hoffnung
im Schnabel
Öffne die Augen
Sei für kleine Wunder
bereit
Öffne dein Herz
Nimm dir für jede Kleinigkeit
die Zeit
Hier diese Blüte
dort dieses Blatt
hier der Käfer
Schau dich nur satt
Durchleben wir eben
auch eine schreckliche Zeit
macht sich doch
der Sommer
überall breit
Trotz Krise, trotz Corona
lass dir die Muse nicht nehmen
Dafür ist es zu schön
das Leben