Speyer Kommt drauf an, was man draus macht
„Ja, ich würde noch mal Lehrer werden wollen.“ Der Satz kommt bei Peter Zimmermann nicht wie aus der Pistole geschossen. Er denkt kurz nach. Dann aber klingt er überzeugt. „Ein vielfältiger Beruf, abwechslungsreich. Man kann gestalten auf allen Ebenen.“ Zimmermann hat gestaltet. Seit 15 Jahren als Leiter des Gymnasiums am Kaiserdom (GaK). Morgen wird er verabschiedet.
war Sprecher der Direktorenvereinigung auf Landes- und Bundesebene. Der aus Pirmasens stammende promovierte Oberstudiendirektor geht mit Schuljahresende in Ruhestand. Morgen Abend wird Zimmermann feierlich in der Stadthalle verabschiedet. „Es kommt darauf an, was man daraus macht“, zitiert der Mathematik-, Physik- und Informatiklehrer im Gespräch über das Rektor-Leben einen alten Werbeslogan der Betonindustrie. Zum Beispiel aus dem „G 8“ mit dem Abitur nach der zwölften Klasse. Das GaK hat es nicht gemacht. Der Chef hat durchaus Sympathien für das Modell. Es hätte Freiräume eröffnet, sagte er. Wäre aber gekoppelt gewesen an den Ganztagsbetrieb. Der sei sinnvoll für die Bedürfnisse des GaK baulich nicht umsetzbar. „Der Zug ist für das GaK abgefahren. Die Schule praktiziert stattdessen G 9 dreiviertel“, wie er formuliert. Der Einstieg sei gelungen mit dem Nachmittagsangebot für die fünfte und sechste Klassen. Der Bedarf wachse. Mehr als 50 Schüler werden im Jahr eins nach Zimmermann dieses Angebot nutzen. Es beinhaltet das Mittagessen im Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus und die Betreuung. „Es war das ungefähr das siebte Modell, das wir geprüft haben und das sich jetzt etabliert.“ Es kommt darauf an, was man daraus macht: aus einem Gymnasium, das altsprachlich und dem humanistischen Ansatz verpflichtet ist, das gleichzeitig modern sein muss. Am GaK gilt ein Mehrsäulen-Modell. Entwickelt vom Schulleiter und Kollegen. Annahme ist, dass im Alter von zehn Jahren noch nicht zu sagen ist, wohin sich die Fähigkeiten des Kindes entwickeln. „Wir müssen eine allgemeine Grundausbildung vermitteln, aber auch Möglichkeit schaffen, in der Zeit des Schulbesuchs seine Stärken zu erkennen und auszubauen.“ Zentraler Ausgangspunkt ist die Sprache. „Latein als erste Fremdsprache ist der exzellente Weg, um Sprachen zu lernen, die Vernetzung über Sprache deutlich zu machen.“ Eine weitere Säule ist der musische Schwerpunkt. Beispiel: früher Start der Streicherklassen. Kunst, Theater, Naturwissenschaften und Sport, europäische Kulturkunde, Berufsorientierung, aber auch Auslandsfahrten kommen dazu. Zimmermann verweist darauf, dass GaK-Schüler bei Wettbewerben in allen Bereichen ganz vorne dabei seien. „Wir sind eine der führenden ,Jugend-forscht’-Schulen im Land“, betont er. Möglichkeiten individueller Förderung mit auf den Schüler zugeschnittenen Instrumenten würden gezielt angeboten. „Uns ist es in den vergangenen 15 Jahren gelungen, dieses Modell auszubauen. Es wurde nichts verordnet, es war eine inhaltliche Schulentwicklung“, fasst der scheidende Rektor zusammen. Zusammengespielt hätten die 700 Schüler, Eltern, die 70 Mitglieder des Kollegiums, aber auch Stadt sowie der Freundeskreis. Die inhaltliche Entwicklung geht einher mit einer baulichen. Der Brandschutz ist auf aktuellem Stand, die Schulbibliothek-Umgestaltung hat begonnen, die komplette Umgestaltung der naturwissenschaftlichen Räume in den nächsten Jahren ist geplant und finanziert. Umsetzen darf es Zimmermanns Nachfolger Hartmut Loos, der aus Neustadt nach Speyer wechselt (wir berichteten). Bleibt noch der Rückblick auf grundsätzliche Fragen: Was hat sich geändert in 30 Jahren Schulpraxis? „Das Gymnasium ist nach wie vor die Schulform, die klassisch zur Studierfähigkeit hin erzieht“, definiert Zimmermann. Sie sei als solche bundesweit nach wie vor bei den Eltern geschätzt. „Hätte man die Schulform nicht, man müsste sie erfinden. Das Gymnasium ist aber auch nicht das allein Seligmachende“, betont der Experte und stimmt sofort ein Loblied auf die Durchlässigkeit des deutschen Schulsystems an. Jede Schulform habe dabei ihre Berechtigung. Zimmermann kennt aber auch Beispiele für Beharrlichkeit des Systems Schule und der Kultuspolitik. Nach vielen Jahren und Sitzungen – allein 34 Rektorenkonferenzen auf Bundesebene – sind Fragen geblieben: das Sicherstellen des problemlosen Übergangs für Schüler in Schulen beim Umzug von einem Bundesland in das andere, die Struktur der Schularten sowie die Vielfalt und Uneinheitlichkeit ihrer Bezeichnungen. „Man nähert sich da an“, sagt der Schulleiter. Auch da wird es darauf ankommen, was seine Nachfolger daraus machen. Und was will er jetzt machen? „Mein Plan ist erst mal, dass ich keinen Plan habe.“ Okay, er hat im September ein Ferienhäuschen gemietet. Dann wird Zimmermann 65 und kann schauen, was er aus dem Ruhestand sonst noch so macht.