Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Klavierduo Clara und Marie Becker spielt in der Gedächtniskirche

Am 21. November sind sie in der Speyerer Gedächtniskirche zu erleben: Marie (links) und Clara Becker aus Kirchheimbolanden. Sie
Am 21. November sind sie in der Speyerer Gedächtniskirche zu erleben: Marie (links) und Clara Becker aus Kirchheimbolanden. Sie treten als Klavierduo auf.

Zwillingen sagt man nach, dass sie zueinander in einer ganz besonderen Verbindung stehen, fast wie zwei Seiten eines gemeinsamen Ganzen, die eine nicht denkbar ohne die andere. Clara und Marie Becker sind ein Klavierduo. Sie treten in Speyer auf.

Es ist kein ganz einfacher Weg, den sich Clara und Marie Becker vorgenommen haben, denn ein Musikstudium speziell für ihre Konstellation gibt es eigentlich nicht, allenfalls später als Masterstudiengang, wie die beiden berichten. Und sich zunächst getrennt zu Solo-Konzertpianistinnen ausbilden zu lassen, das wollen sie nicht. Insofern ist die Ausbildung der beiden hochtalentierten Pianistinnen aus Kirchheimbolanden kompliziert und mit weiten Reisen verbunden, Reisen in Orte mit gutem Klang: Den musikalischen Feinschliff für ihre Spezialisierung holen sie sich in der Toscana, in Paris und in Hamburg.

Wichtigster Ausbildungsstützpunkt ist da die Kammermusikklasse von Bruno Canino in Florenz, der mittlerweile 85-Jährige ist Pianist und Komponist, arbeitet mit unterschiedlichsten kammermusikalischen Besetzungen und gilt dabei als Spezialist für Klavierduo. „Da sind wir sieben, acht Mal im Jahr für jeweils drei Tage“, erzählt Marie Becker.

In Florenz, Paris und Hamburg

„Dazu haben wir einen engen künstlerischen Austausch mit Isabelle und Florence Lafitte in Paris“, fügt sie den zweiten Bezugspunkt an, der mit ihnen viel gemeinsam hat: Die beiden Französinnen sind ein etabliertes Klavierduo, und auch sie sind Zwillinge.

Und dann gibt es für die beiden noch die Zusammenarbeit mit einem Komponisten aus Hamburg und damit die Einbindung in lebendiges Musikgeschehen, das auch neue Musik hervorbringt. Mathias Christian Kosel habe sie bei einem Festival gehört und sei auf sie zugekommen. „Er hat unseren Weg sehr unterstützt, künstlerisch hat das sofort gepasst“, erzählt Clara Becker. Kosel, selbst auch Pianist, Dirigent, Festival-Intendant und zudem Autor von Lyrik und Bühnenwerken, hat für die beiden 23-jährigen Virtuosinnen etwas ganz Besonderes geschaffen: Er hat für sie ein Konzert geschrieben für zwei Klaviere und Orchester. Eine Ehre und eine wertvolle Erfahrung, gemeinsam mit einem Komponisten an einem Stück Musik arbeiten zu können, ohne dass es schon Vorbilder gegeben hat oder eine Rezeptionsgeschichte.

Gemeinsames und Unterschiede

„Das ist ein großer Unterschied zur Arbeit an Werken aus der Vergangenheit, bei denen man versucht, durch Quellen oder die Tradition möglichst nah an eine authentische Interpretation zu kommen“, erläutert Marie. Marie und Clara haben gemeinsam mit Kosel erarbeitet. Über ihre Internetseite https://claramariebecker.com ist ein sehr spannendes Video über diese Arbeit zu sehen.

Klar, dass der Auftritt von Zwillingen Fragen nach dem Miteinander, nach den Gemeinsamkeiten und Unterschieden nach sich zieht. An diesem Tag in der Redaktion machen es die beiden ihrem Gesprächspartner leicht, denn Marie trägt die Haare offen, Clara hat sich Zöpfe geflochten. Ansonsten ist es nicht so einfach, sie auseinanderzuhalten. „Wer uns aber kennt, weiß, dass unsere Charaktere sehr unterschiedlich sind“, sagt Marie, und das spiegele sich auch am Instrument wieder in der Rollenverteilung. Clara sei die Ausgeglichenere, Ruhigere, Reflektiertere, während Marie, die auch eher das Wort führt, sich selbst intuitiver, emotionaler, risikofreudiger, auch stressanfälliger wahrnimmt. So sei es am Klavier Claras Part, im Bass für das Grundgerüst, die Stabilität, die Architektur der Musik zu sorgen, während sich Marie eher in den Melodien, in den freieren, solistischeren Partien auslebe. Die Unterschiede habe auch Kosel wahrgenommen. „Manchmal würde ich Euch beide gerne etwas durchmischen“, habe er mal gesagt, erzählt Marie schmunzelnd.

Schon in New York gespielt

Marie und Clara Becker, die ihr Abitur im Nordpfalzgymnasium abgelegt haben und viele Jahre von der Konzertpianistin Brigitta Lutz in Kirchheim unterrichtet wurden, sind schon gut unterwegs auf den Konzertbühnen in Deutschland und auch darüber hinaus – sie haben auch schon in New York ein Konzert gegeben. Auch für sie fielen viele Termine in der Corona-Zeit aus, auch eine Tournee nach Kalifornien. Diese soll nun im kommenden Mai nachgeholt werden.

Vor einer Woche schon spielten beide aus Olivier Messiaens Zyklus „Visions de l’amen“ beim Festival Neuer Musik in Rockenhausen, wo sie ein Konzert gaben. Dieser Zyklus, aus dem sie auch am Sonntag in Speyer spielen werden, sei ein „gewaltiges Werk“, so Marie, das der französische Komponist für sich und seine Frau Yvonne Loriod geschrieben hat, und das mit der Verteilung von Klavier eins und zwei gut auf sie beide passe. „Für uns ist das ein ganz großes, wichtiges Projekt“, sagt Clara.

Vielseitiges Repertoire

Seit Beginn des Jahres widmet sich das Klavierduo auch der Programmgestaltung der Kammerkonzertreihe „Musiken“ in ihrer Heimatstadt Kirchheimbolanden.

Die beiden jungen Künstlerinnen erarbeiten ein vielseitiges Repertoire, das Werke der Barockzeit bis hin zur zeitgenössischen Musik umfasst und setzen sich für die Neuentstehung von Werken für Klavierduo ein.

Die Pianistinnen gingen in diesem Sommer als Preisträger der renommierten Académie Ravel (St-Jean-de-Luz, Frankreich) hervor.

Termin

Am Totensonntag, 21. November, 18 Uhr, singt die Speyerer Kantorei in der Gedächtniskirche „Ein deutsches Requiem“ von Brahms. Als Solisten beim Requiem singen die Sopranistin Angelika Lenter sowie der Bariton sowie der Bariton Timothy Sharp, der kurzfristig eingesprungen ist. Der Vorverkauf zu 15 beziehungsweise zehn Euro pro Karte läuft ab sofort beim Capella-Verlag in der Roßmarktstraße sowie bei der Einhorn-Apotheke in der Fußgängerzone, es gibt eine Abendkasse. Es gilt die 2G-Regel.

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