Speyer Kamera zeigt nur Grab von Kohl
Die Geschichte von Altkanzler Helmut Kohl und seinem Grab in Speyer geht „elektronisch“ weiter: Seit Freitag, 12.15 Uhr, ist die am Donnerstag installierte Videokamera über der Grabstätte des Ludwigshafeners im Adenauerpark aktiv und zeichnet auf. Die bisherige Dauerpräsenz des privaten Sicherheitsdienstes IBS GmbH ist damit abgelöst. Seit Freitagmittag sind keine IBS-Mitarbeiter mehr im Park vor Ort. Das haben eine Sprecherin des Bewachungsunternehmens und der Stadt gestern auf Anfrage bestätigt.
Die Aufzeichnung wird noch von dem Sicherheitspersonal beobachtet und in einem Ringspeicher aufgezeichnet. Die gespeicherten Daten werden nach zehn Tagen überschrieben. Der von der Witwe beauftragte Sicherheitstechnische Dienst, für Alarm- und Raumschutzanlagen aus Ludwigshafen, habe der Stadt inzwischen dokumentiert, dass die Kamera- und Objektiveinstellungen ausschließlich die Grabstätte erfassten. Damit sei sichergestellt, dass nur Personen gefilmt werden, die sich unbefugt hinter der Einfriedung aufhielten. „Die Besucher der öffentlichen Parkanlage sind von der Videoüberwachung nicht betroffen“, betonte Stadtsprecherin Barbara Fresenius. Da kein öffentlich zugänglicher Raum betroffen ist, bedürfe es auch keiner Genehmigung. Die Stadt Speyer stehe in der Angelegenheit im Austausch mit dem Büro des Landesdatenschutzbeauftragten. Dieser habe am Donnerstag bei der Stadt um Informationen zur Aufzeichnung angefragt. Bildmaterial von Grabanlage, Zaun- und Kameraposition wurden nach Mainz übermittelt. Die Kamera war am Donnerstag installiert worden. „Die Informationen von der Stadt genügen mir. Ich sehe keinen akuten Handlungsbedarf“, bestätigte gestern der Datenschutzbeauftragte des Landes, Dieter Kugelmann (Mainz), auf Anfrage. Es sei eine Übergangslösung, bis das Grabmal errichtet sei. Es dürften vor allem keine Bilder von der Kamera im Netz auftauchen, betonte er. Eine Videokamera auf einem Friedhof sei ungewöhnlich. Formal sei der Datenschutzbeauftragte der Katholischen Kirche zuständig, weil das Grab auf Kirchen-Gelände liege. Gegenwärtig noch nicht bekannt ist, wie das Grab des Politikers endgültig gestaltet werden wird. „In der Frage der Grabgestaltung berät Dombaumeister Mario A. Colletto die Witwe Maike Kohl-Richter auch im Hinblick darauf, was in einer denkmalgeschützten Umgebung möglich ist. Ein Bauantrag für die Grabanlage ist bei der Stadt noch nicht eingegangen“, sagte die Stadtsprecherin. Angesichts der natürlichen Erdverdichtung sei in diese Frage auch keine Eile geboten. Wie bei allen Erdbestattungen wird sich auch bei dem Grab die Erde noch setzten. In der Regel werde mindestens drei Monate abgewartet, bevor ein Fundament gesetzt wird. Seit dem Tag der Bestattung von Kohl sind in der Stadt immer wieder Besucher unterwegs, die nach der Grabstätte suchen. Nicht wenige vermuten sie direkt im oder in unmittelbarer Nähe des Doms. Oberbürgermeister Hansjörg Eger (CDU) hatte auf Anfrage eingeräumt, dass die Stadt über eine Wegeführung für Fußgänger zu der Stätte in der Innenstadt werde nachdenken müssen. „Aktuell liegt noch keine konkrete Planung vor“, sagte Fresenius gestern.