Speyer Jagd nach Geschwindigkeit

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Drag Racing ist eine Faszination aus Spektakel, Motorengebrüll und verbranntem Gummi – und zudem der schnellste Motorsport auf der Welt. Die Nitrolympx, das Kräftemessen dieser Asphalt-Gladiatoren auf deutschem Boden, finden von heute bis Sonntag auf dem Hockenheimring statt. Mit über 300 gemeldeten Rennteams ist es eine der größten Dragster-Veranstaltungen außerhalb der Vereinigten Staaten von Amerika.

Das Formel-1-Rennen vor wenigen Wochen auf dem Hockenheimring war guter und spannender Motorsport. Aber eines war weder für den Grand-Prix-Sieger Nico Rosberg noch für die Fernsehzuschauer zu übersehen: Die halb leeren Tribünen entlang der Rennstrecke. Seit Jahren verzeichnet die Königsklasse des Motorsport auf der badischen Traditionsrennstrecke einen Besucherrückgang. Ein Problem, das der Dragster-Sport nicht kennt – im Gegenteil: Noch nie wurden so viele Tickets im Vorverkauf geordert wie in diesem Jahr. Laut Hockenheim-Ring GmbH liegen die Zahlen 20 Prozent über dem Vorjahr. Und da kamen über das gesamte Wochenende 40.000 Menschen ins Motodrom. Das Fahrerlager ist geöffnet, die Zuschauer können sich die Fahrzeuge, wahre Höllenmaschinen, ganz genau anschauen. Seit 1986, dem Jahr der ersten Dragster-Rennen auf dem Hockenheimring, ist die Anzahl der Anhänger stetig gewachsen. In den ersten Jahren, die Rennen fand noch auf der Start- und Zielgerade statt, kamen in der Hauptsache in Deutschland lebende US-Amerikaner, um sich über ein Stück heimatlicher Kultur zu freuen. 1989 bekam der Ring eine eigene Quartermile, das sind 402,33 schwarzer Asphalt, kerzengerade. Dort wurden schon zahlreiche Rekorde aufgestellt, die Nitrolympx genießen in der Drag-Szene hohe Anerkennung. In verschiedenen Fahrzeug- und Motorradklassen fahren die Piloten um die Wette. Es geht um die Reaktionszeit, um Beschleunigung und Grip. Die beiden Fahrbahnen verlaufen parallel, und wer zuerst das Ziel erreicht, gewinnt. Pro Paarung stehen bis zu 16.000 PS an der Startampel. In der Königsklasse Top Fuel treten die Piloten aus Sicherheitsgründen nur auf einer Strecke von 1000 Fuß an. Dennoch erreichen sie Geschwindigkeiten von über 490 Stundenkilometer und legen die 304,80 Meter in etwa vier Sekunden zurück. Unter den acht Startern ist auch Publikumsliebling Urs Erbacher aus der Schweiz. Er möchte in Hockenheim Punkte sammeln, denn die Nitrolympx zählen zu den offiziellen Europameisterschaften der Motorsportweltverbände FIA und FIM (Motorräder). Auch die Zweiräder sind absolute PS-Monster. Bei den Top Fuel Bikes und den Super Twin Top Fuel Bikes liegen die Piloten förmlich auf ihren, mit flüssigem Sprengstoff betankten Zweirädern. Dabei werden bis zu 1000 PS an die 40 Zentimeter breiten Hinterräder übertragen. Und ein Deutscher macht sich Hoffnungen auf den EM-Titel: Christian Jäger führt mit 19 Punkten, rein rechnerisch wäre es möglich, dass der Pilot aus Kredenbach den Titel schon in Hockenheim perfekt macht. Neben der starken Zuschauernachfrage durchbrechen die Nitrolympx in diesem Jahr mit über 300 angemeldeten Teams laut Hockenheimring GmbH eine weitere „Schallmauer“. Bei einem derart großen Starterfeld bleibt den Zuschauern kaum Zeit zum Durchatmen. Für Qualifikation und Finalläufe ist im dicht gedrängten Zeitplan jede Minute verplant. An drei Tagen verspricht der Veranstalter härteste Duelle fast non-stop. Ein weiterer Höhepunkt ist die Show am Samstagabend. Wenn die Sonne untergeht, tauchen Scheinwerfer die Fahrbahn in ein ganz besonderes Licht, wenn die Piloten in die beginnende Nacht starten. Angekündigt hat sich auch der Brite Martin Hill mit seinem Jet Funny Car, das den Namen „Fire Force 3“ hat. Es wird von einem 10.000 PS starken Triebwerk angetrieben. Hill brach den Weltrekord mit einer Zeit von 5,793 Sekunden auf die Viertelmeile und einer Geschwindigkeit von 540,74 Sachen. Jetzt muss nur noch das Wetter passen. Sonnenschein ist gut, eine trockene Viertelmeile Voraussetzung für diesen Sport. Egal, wie gut der Ticket-Vorverkauf war – Restkarten gibt es an der Tageskasse. (svw)

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