Speyer „Irgendwann verliert man die Nerven“

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«WALDSEE.»Nach und nach geriet das Leben von Petra Laforce-Blanz immer mehr aus den Fugen, sie erlebte ein Wechselbad der Gefühle: Mitleid, Trauer, Hilflosigkeit, aber auch Wut und Ärger. Die Waldseerin hat Hilfe gefunden bei von der Alzheimer Gesellschaft organisierten Informationsveranstaltungen und Seminaren und bei Treffen einer Selbsthilfegruppe in Ruchheim. Diese Erfahrungen möchte sie nun weitergeben und einen Stammtisch für Angehörige von an Demenz erkrankten Menschen in Waldsee gründen. Die Treffen sollen jeden zweiten Montag im Monat stattfinden. Auftakt ist eine Informationsveranstaltung am Mittwoch, 26. September. Petra Laforce-Blanz redet ganz offen über ihre Zeit mit dem Schwiegervater. Heute weiß sie, dass sie mit diesen Erfahrungen nicht alleine ist. „Zuerst denkt man, er ist komisch, aber dann doch irgendwie nicht“, erinnert sie sich. Wie schlimm es um ihren Schwiegervater stand, hat die Familie erst bei einer kurzen Reise nach Hamburg erfahren. „Die Zugfahrt war die Hölle. Normale Gespräche waren nicht mehr möglich, mein Schwiegervater stellte nur noch Fragen“, erzählt sie. Die in Hamburg lebende Nichte habe er nicht erkannt, er habe nicht gewusst, in welcher Stadt er war, kam nicht damit klar, dass ein Hotelzimmer keinen Schlüssel hat, fragte direkt nach der Essensbestellung in einem Lokal, wann denn bestellt wird. „Die Rückfahrt war katastrophal. Später haben wir gemerkt, dass er auch sein Zuhause nicht mehr erkannt hat.“ Besonders litt in dieser Zeit neben der Schwiegermutter auch Petra Laforce-Blanz’ Tochter Romy, die bei den Großeltern wohnte. Einer der schlimmsten Momente sei es gewesen, dem Schwiegervater das Autofahren zu verbieten. „Das war hart, aber es wäre unverantwortlich gewesen, ihn weiter fahren zu lassen.“ Es folgten zahlreiche Untersuchungen beim Hausarzt und bei Neurologen. „Das Verrückte ist, dass er für Außenstehende ganz normal wirken konnte. Er hatte auf alles eine plausible Antwort, auch wenn sie grundverkehrt war“, so Laforce-Blanz. Doch die Diagnose war eindeutig: Der Schwiegervater litt an Demenz. „Wir dachten zu dem Zeitpunkt schlimmer geht es nicht, doch es war erst das Anfangsstadium“, erinnert sie sich. Es kam immer mehr dazu, er verwechselte Fernsehsendungen mit der Realität, lebte immer mehr in der Vergangenheit, begann wieder zu rauchen, suchte Kneipen auf, in denen er jahrelang nicht mehr gewesen war und erkannte schließlich seine Frau nicht mehr, weil sie in seiner Welt so aussehen musste, wie zu der Zeit, als er sie kennengelernt hatte. Immer wieder habe es Situationen gegeben, über die man im Nachhinein lachen konnte, die aber zu dem Zeitpunkt pure Verzweiflung auslösten. „Irgendwann verliert man die Nerven, ich wusste, ich muss meine Familie schützen. Wir hatten ja null Ahnung von dem Thema“, erzählt Laforce-Blanz. Sie ging zu Vorträgen der Alzheimer-Gesellschaft, nahm dann auch die Schwiegermutter und die Tochter mit, machte eine Validationsschulung, in der sie beigebracht bekam, wie sie am besten mit dem Schwiegervater umgeht. Außerdem hat sie erfahren, welche Möglichkeiten es gibt, Angehörige zu entlasten. Zwischenzeitlich wurde der Schwiegervater auch handgreiflich und lief weg. Später kamen Halluzinationen dazu. So hat die Familie, gestärkt durch den Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen, schließlich die Entscheidung treffen können, den Schwiegervater erst in die Tagespflege und dann in ein Seniorenheim zu geben. „Wir dachten immer, er sei noch nicht reif dafür, aber in der Selbsthilfegruppe haben wir gelernt, es doch zu tun“, sagt Enkeltochter Romy Blanz. In der neu gegründeten Selbsthilfegruppe Waldsee möchte Petra Laforce-Blanz nun ihre Erfahrungen weitergeben. Sie hat selbst erlebt, wie wichtig der Austausch von betroffenen Angehörigen ist. Manchmal sei einem auch nicht nach reden, aber auch das Kommen und Zuhören helfe. „Eine Selbsthilfegruppe ist keine medizinische oder psychologische Beratung“, stellt sie klar. Aber man erfahre, welche Schulungen und Weiterbildungen es gibt und wie Angehörige entlastet werden können. Auch Experten sollen zu Vorträgen eingeladen werden. Das geschieht in der Auftaktveranstaltung: Dann soll Monika Bechtel, Vorstandsmitglied der Alzheimer-Gesellschaft Rheinland-Pfalz, über die Verlaufsformen einer Demenz und den Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen informieren. Außerdem liest sie aus ihrem Buch über die eigenen Erfahrungen mit ihrer an Demenz erkrankten Mutter. Termine — Stammtisch für Angehörige von an Demenz erkrankten Menschen in Waldsee, jeden zweiten Montag im Monat, 16.30 bis 18.30 Uhr, im Alten Rathaus, Ludwigstraße 17. Gruppenleitung: Petra Laforce-Blanz, Telefon: 06236 53873, E-Mail: pelabla@web.de — Auftaktveranstaltung mit Referentin Monika Bechtel am Mittwoch, 26. September, 19 Uhr, im Alten Rathaus.

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