Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel In einem Monat mit dem Rad durch Skandinavien

Ganz nah dran an der Natur im hohen Norden Europas: Maximilian Seitz mit seinem Gravelbike auf dem Weg zum Nordkap.
Ganz nah dran an der Natur im hohen Norden Europas: Maximilian Seitz mit seinem Gravelbike auf dem Weg zum Nordkap.

Aus dem Handballer Maximilian Seitz ist während der Corona-Pandemie ein leidenschaftlicher Radfahrer geworden. Nun hat der 30-Jährige seine Liebe zu Skandinavien mit seinem Hobby in einem Projekt vereint: In gut vier Wochen ist der Wahl-Speyerer mit dem Rad rund 3200 Kilometer von Hamburg ans Nordkap gefahren.

So muss man sich einen glücklichen Menschen vorstellen: Maximilian Seitz hat gerade sein erstes großes Rad-Abenteuer gemeistert und sein Lächeln weicht kaum einmal aus seinem Gesicht. Er ist froh, dass er die Strecke von Hamburg bis zum Nordkap ohne körperliche Beschwerden und mit nur einem Defekt am Material (Plattfuß) bewältigt hat. Und vor allem ist Seitz seinem Chef in einem großen Chemieunternehmen dankbar, dass dieser ihm fünf Wochen Urlaub am Stück genehmigt hat.

Im gleichen Atemzug wie seinen Vorgesetzten nennt der 30-Jährige seine Freundin Lena. „Ich bin ihr dankbar, dass sie mich einfach hat machen lassen“, sagt er. Gegen Ende seiner Tour ist sie zu ihm geflogen und hat ihn mit einem Mietwagen auf den letzten Etappen begleitet. Seitz war dabei nicht auf einem Ego-Trip unterwegs. Zwar habe er diese außergewöhnliche Radreise für sich selbst gemacht. Doch sollte die Tour weder auf Kosten anderer gehen, noch diente sie ihm zur Selbstdarstellung.

Blog beschreibt Erlebnisse

„Als vor ein paar Monaten klar war, dass ich diese Strecke fahren werde, haben sich Freunde und Bekannte dafür interessiert und baten mich darum, sie auf dem Laufenden zu halten“, blickt Seitz zurück. So sei die Idee zu einem Blog entstanden, die er schließlich umsetzte. Für eine große Fotoausrüstung hatte der gebürtige Gießener in seinen Fahrradtaschen keinen Platz. Insgesamt 22 Liter Stauraum hatte er an seinem Gravelbike (Querfeldeinrad) für die nötigsten Dinge. Neben seinem Smartphone, gerne von ihm für spontane Selfies genutzt, passte aber auch noch eine Action-Cam, die ihm ein Freund geliehen hatte, ins Gepäck. So entstanden Bilder des vor grandiosen Landschaften vorbeifahrenden Radsportlers.

„Ich habe Chemieingenieurwesen in Kaiserslautern studiert und war für ein Auslandssemester in Trondheim“, berichtet Seitz. Die skandinavische Lebensart und die atemberaubende Landschaft Norwegens haben den 30-Jährigen in ihren Bann gezogen. „Ich wollte wieder dorthin zurück“, stellt er fest. Als der Handballer während der Corona-Pandemie sein Hobby über viele Monate nicht mehr ausüben konnte, setzte er sich öfter aufs Fahrrad. „Ich bin schon immer Rad gefahren, aber mit Touren habe ich erst vor ungefähr zwei Jahren angefangen“, sagt er. Damals kaufte sich der Hesse das Gravelrad mit Alu-Rahmen und 22 Gängen, mit dem er sich nun Mitte Mai zum Nordkap aufmachte.

Tour bis ins Detail geplant

„Ich habe alles genau geplant, jede einzelne Übernachtung“, sagt der Wahl-Speyerer. Im Schnitt fuhr er rund 100 Kilometer am Tag, nach dem Start in Deutschland und der Durchquerung von Dänemark vor allem an der schwedischen Ostküste entlang. „Die Strecke habe ich gewählt, weil sie relativ flach ist“, erklärt Seitz. 29 Tage saß er bis zum Nordkap auf dem Rad, davon zweimal gegen Ende jeweils ungefähr 160 Kilometer binnen 24 Stunden. Auf den letzten Kilometern baute er auch seine einzigen beiden Ruhetage ein, sodass er insgesamt 31 Tage von Hamburg bis zur Nordspitze Norwegens benötigte.

„Ich hatte Sorgen, ob meine Beine, die Handgelenke, der Rücken und der Po das alles mitmachen würden. Doch es war alles okay“, blickt Seitz zurück. Die Belastung für den Kreislauf habe er allerdings gespürt: An einem einzigen Tag sei er sehr müde gewesen und habe sich gefragt, warum er sich das antue. Doch bei dem einen körperlichen Tiefpunkt sei es geblieben. Unterwegs trank er meist Wasser, aß Energieriegel und oftmals ein leichtes Mittagessen in einem Gasthaus. „Einmal habe ich Hamburger gegessen. Danach war ich schlapp“, erwähnt er die Erfahrung, wie wichtig die richtige Ernährung bei einem solchen Unternehmen ist. „Zehn Kilogramm habe ich auf der Tour abgenommen, aber das ist okay“, sagt er.

Am Nordkap angekommen, machte Seitz noch ein paar Tage Urlaub mit seiner Freundin im geliebten Skandinavien. Das Wetter spielte weiterhin mit – und die Freundlichkeit der Menschen dort genossen die beiden ebenfalls. „Als ich mit dem Rad unterwegs war, wurde ich oft von Autofahrern oder Passanten gegrüßt“, erzählt der 30-Jährige, der seit dem Jahreswechsel 2021/22 in Speyer wohnt.

Radeln für Pfälzerwäldler

Über einen Freund, der Seitz im Übrigen an den ersten Tagen seiner Nordkap-Tour per pedales begleitete, hatte er die Tochter von Helmut Back kennengelernt, der Vorsitzender des Pfälzerwald-Vereins (PWV) Speyer und begeisterter Radfahrer ist. „Von meinen 3200 Kilometern habe ich 1500 Kilometer zum Stadtradeln der PWV-Gruppe beigetragen“, sagt der junge Mann. Denn diese Strecke ist in den Zeitraum von Anfang bis Ende Juni gefallen, in dem die Klimaschutzaktion in Speyer gelaufen ist.

Die Nase voll vom Radeln hat Seitz bei Weitem nicht. „Eine Woche nach meiner Rückkehr bin ich den Königstuhl bei Heidelberg hochgefahren – von Speyer aus“, teilt er mit. Bei solchen Ausfahrten genieße er die Eindrücke von Natur und Landschaft wie Vogelgezwitscher und den Geruch des Waldes, wie auch bei der Nordkap-Tour. Auch wenn Seitz derzeit keine konkreten Pläne für eine weitere große Tour hat: Ausgeschlossen sei diese nicht – vorausgesetzt er hätte dann wieder die Unterstützung seines Chefs und seiner besseren Hälfte.

Im Netz

Maximilian Seitz’ Blog zur Nordkap-Tour: https://maxgoesnordkap.blogspot.com.

22 Liter Stauraum reichen: Der Wahl-Speyerer ist mit wenig Gepäck ausgekommen – und ohne einen Motor am Rad.
22 Liter Stauraum reichen: Der Wahl-Speyerer ist mit wenig Gepäck ausgekommen – und ohne einen Motor am Rad.
Selfie mit Freundin.
Selfie mit Freundin.
Am Ziel: Maximilian Seitz hat nach gut vier Wochen das Nordkap erreicht.
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