Speyer „Ich verbinde das Körperliche mit der Sprache“
Was ich mache, ist sehr speziell. Ich habe in Essen Pantomime studiert, das ist ja an sich schon etwas sehr Außergewöhnliches. Das mache ich in meinem Programm zum Thema. Ich bin aber auch Schauspielerin. In meinem Kabarett verbinde ich das Körperliche mit der Sprache und spiele Szenen, die kabarettistischen Inhalt haben. Es werden Filme gezeigt, daher ist es ein genreübergreifender Abend. Was lernt man im Pantomimestudium? Das ist ein ganz toller Studiengang, der heute allerdings nicht mehr so angeboten wird. Leider hat Pantomime ein etwas verstaubtes Image. Da denken viele Menschen an die Leute, die in der Fußgängerzone stehen, sich ein bisschen bewegen, und man soll dann einen Euro in den Korb werfen. Ich bin in der Tradition der Commedia dell’Arte. Der Unterschied zum normalen Schauspiel ist dabei, dass der Charakter der Figur in ihrem Körper sichtbar ist und der Mime sich körperlich in eine Handlung verstrickt. Dadurch ist die Komik oft schon vorprogrammiert. Außerdem lernt man zu spielen, ohne dass Requisiten da sein müssen, man lernt das Spiel mit der Fantasie. Das ist durchaus eine physische Herausforderung. Studieninhalte waren auch das Maskenspiel, aber auch Dinge, die klassische Schauspieler lernen, wie beispielsweise Fechten. Ich habe gelesen, Sie können Seiltanzen. Haben Sie das auch während dieses Studiums gelernt? Akrobatik war tatsächlich ganz groß geschrieben – eine Tatsache, die den Pantomimen vom klassischen Schauspieler unterscheidet. Akrobatik bietet zusätzliche Möglichkeiten. Marcel Marceau, aber auch Charlie Chaplin und Buster Keaton waren Akrobaten. Slapstick kann ja durchaus auch akrobatisch sein. Das Seiltanzen habe ich aber bereits auf der Kunstschule Etage in Berlin gelernt. Wirklich außergewöhnlich. Aber lassen Sie uns wieder zu Ihrem Programm zurückkommen. Der Titel „Miss Geschicke“ deutet an, dass es um den Alltagswahnsinn aus weiblicher Sicht geht. Stimmt das? Auf jeden Fall. Meine Geschichten haben alle etwas mit mir zu tun, deshalb ist es logischerweise die weibliche Perspektive. Obwohl mein Thema nicht speziell das der Frau in unserer Gesellschaft ist. Ich habe beispielsweise eine Blind-Date-Nummer, das könnte man genauso gut aus der Sicht des Mannes machen, aber ich spiele natürlich die Frau. In meinem Programm definiere ich auch verschiedene Ärztetypen, da spielt das Geschlecht eine untergeordnete Rolle. Wie sind Sie eigentlich von der Pantomime zum Kabarett gekommen? Das wollte ich schon immer machen. Ich habe die Ausbildung begonnen, weil ich etwas Komödiantisches auf der Bühne machen wollte. Aber zunächst haben Sie als Schauspielerin gearbeitet? Stimmt, aber das Engagement am Staatstheater Wiesbaden war eigentlich nicht geplant. Ich bekam überraschend das Angebot. Eigentlich war es eher ungewöhnlich, dass ich Schauspielerin wurde. Nachdem ich dann knapp zehn Jahre alles Mögliche in Richtung Schauspiel ausprobiert hatte, habe ich mich auf meine Wurzeln besonnen und das Programm geschrieben. Was macht Ihnen mehr Spaß, die Schauspielerei oder das Kabarett? Momentan das Kabarett. Als mein Engagement in Wiesbaden 2009 endete, habe ich an einigen Theatern Gastengagements gehabt. Aber jetzt habe ich zwei Kinder, und da sind Engagements an verschiedenen Theatern in verschiedenen Städten nicht mehr so gut möglich. Ich finde sehr große Erfüllung in meinem Soloprogramm, das passt auch mehr zu mir. Trotzdem gefällt es mir natürlich zu drehen, und das kann ich zeitlich auch gut unterbringen. Aber mein Herzblut-Projekt ist „Miss Geschicke“. Und wer passt auf die Kinder auf, wenn Sie mit Ihrem Programm auf Tournee sind? Da passt der Vater auf. Er ist Kameramann, also auch freischaffend, und wir geben uns praktisch den Staffelstab in die Hand. Wenn ich mit dem Kabarett unterwegs bin, dann sind das immer nur wenige Tage, das funktioniert gut. Wir arbeiten beide und passen beide auf die Kinder auf, das ist unser Konzept. Das erdet aber auch: Wenn ich zurückkomme und eben noch der Star auf der Bühne war, dann erwarten mich zu Hause zwei schreiende Kinder, der Boden muss gewischt und die Windeln müssen gewechselt werden. Das ist anstrengend, aber auch sehr gut. Wann sind Sie mal wieder im Fernsehen zu erleben? Ich spiele in der Sitcom „Leider lustig“ mit, die im Herbst auf „Kika“ ausgestrahlt wird. Also auch wieder etwas Lustiges. Im nächsten Jahr wird eine neue Folge von „Der Staatsanwalt“ ausgestrahlt, in der ich ebenfalls dabei bin. Vorverkauf Eintrittskarten gibt es im „Spei’rer Buchladen“, Korngasse 17, Telefonnummer 06232 72018. (iak)