Speyer „Ich bin Deutscher und ein Stück Bosnier“

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Handballer Denni Djozic (24) hat eine durchwachsene Vorrunde hinter sich, obwohl er mit dem HC Erlangen die Zweite Liga anführt. Im Interview mit Thorsten Eisenhofer spricht der Lingenfelder über schwarze Tage, dumme Fehler und lehrreiche Videos.

Sie haben einen respektablen Vorsprung auf den ersten Nicht-Aufstiegsplatz. Die direkte Rückkehr in die Bundesliga ist da ja nur noch Formsache, oder?

Wir sind verdient Erster. Wenn wir so weiterspielen, dürfte nichts mehr passieren. Ich schätze unsere Leistung als sehr stabil ein. Wir sind zu Hause eine Macht, haben da noch keinen Punkt abgegeben. Man kann schon sagen, dass es in der Vorrunde hervorragend lief. Bei Ihnen hingegen lief es nach einer sehr starken Vorbereitung nicht so gut. Ich war Top-Torschütze in der Vorbereitung. Die Erwartungen an mich waren sehr hoch. Doch dann habe ich im ersten Saisonspiel gegen Rostock einen schwarzen Tag erwischt. Trotzdem habe ich anschließend ein paar gute Spiele gemacht, bevor ich mich am Oberschenkel verletzt habe. Danach habe ich ein paar schwächere Auftritte gehabt und seitdem keine Chance mehr bekommen. Wie schwierig ist es, aus so einem Formtief herauszukommen? Es ist nicht so einfach. Man kann sich im Training anbieten. Ansonsten muss man immer bereit sein, auf seine Chance warten und dann überzeugen. Aber ein Formtief dauert keine Saison. Daher war es gut, dass jetzt eine längere Pause war und ich nun wieder angreifen kann, versuchen kann, wieder meine Leistung aus der Vorbereitung zu zeigen. Stichwort Leistung, an was messen Sie diese? Die Einschätzung des Trainers ist mir wichtig. Aber man merkt auch selbst, ob man ein gutes Spiel gemacht hat oder nicht. An was machen Sie das fest? Habe ich in der Abwehr keine dummen Fehler gemacht? Habe ich die Tempogegenstöße verwertet? Habe ich eine gute Quote bei den Siebenmetern? Man schaut auch mal auf den Statistikbogen. Aber meistens hat man ein Gefühl dafür, ob man ein gutes oder ein weniger gutes Spiel abgeliefert hat. Sie sind jetzt 24 Jahre alt, haben schon in der Bundesliga für die Rhein-Neckar-Löwen und HBW Balingen-Weilstetten gespielt. Sehen Sie sich noch mehr als Talent oder schon als einen gestandenen Spieler? Als ein Mittelding, ein gestandener Bundesligaspieler ist man eigentlich, bis auf wenige Ausnahmen, erst so im Alter von 30 Jahren. Ich habe vergangene Saison in der Bundesliga gezeigt, dass ich schon mithalten kann, habe aber auch noch viel Potenzial nach oben. Deshalb habe ich auch versucht, in Erlangen einen neuen Anlauf über den Umweg Zweite Liga zu nehmen, um mich durch noch mehr Spielzeit weiter zu verbessern. Das Ziel ist es natürlich, irgendwann mal langfristig in der Bundesliga zu spielen. Was kann man als ein noch nicht gestandener Bundesligaspieler tun, um sich weiter zu verbessern? Ich schaue mir viele Videos von Weltklassespielern auf meiner Position an, beispielsweise von Uwe Gensheimer, der für mich einer der weltbesten Spieler auf Linksaußen ist. Ich versuche dann, die Würfe von diesen Akteuren zu kopieren. Glücklicherweise habe ich da eine gute Auffassungsgabe, muss mir die Würfe meistens nur einmal ansehen, dann kann ich sie nachmachen. Die probiert man dann aber sicherlich nicht erstmals beim Stand von 30:30 ein paar Sekunden vor Schluss aus … Ich übe die solange im Training, bis ich mich dabei sicher fühle, Vertrauen in den Wurf habe. Sie haben auch die bosnische Staatsbürgerschaft, waren schon für Länderspiele nominiert, ohne zum Einsatz kommen. Laufen Sie demnächst erstmals für Bosnien-Herzegowina auf? Momentan gibt es ein paar Komplikationen im Verband. Da müssen sich erst ein paar Dinge ändern. Wenn das geschehen ist, wäre das eine interessante Geschichte für mich. Sie könnten auch für Deutschland spielen. Haben Sie eine Vorliebe? Ich bin Deutscher, durch die Erziehung aber auch ein Stück Bosnier. Beide Länder sind mir eine Herzensangelegenheit. Am liebsten würde ich für beide spielen, was aber leider nicht geht.

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