Speyer
Hotel-Pläne für Heinkelstraße gekippt
Akt 1, Einleitung
Eine Grünfläche zwischen Heinkelstraße und Flugplatz, der Wunsch aus der Stadtverwaltung des damaligen Oberbürgermeisters Hansjörg Eger (CDU) nach mehr Hotels, wie es Gutachter forderten – da muss doch was gehen. Der Flugsportverein Speyer, dessen Mitglieder einst auf der Fläche gecampt hatten, zeigt Interesse am Kauf für seine Zwecke. Es ist aber noch ein anderer Bieter da.
Akt 2, Aufsteigende Handlung
Investor Thomas Pfirrmann aus Karlsruhe, in Speyer schon mit dem Gewerbehof engagiert, setzt sich Mitte 2017 durch. Er erhält von der Stadt Zugriff auf die rund 1600 Quadratmeter und plant das „Airport Hotel Speyer“. Mit Jörn Gatermann nimmt er einen in der Branche erfahrenden Geschäftspartner an Bord, und auch erste mögliche Hotelbetreiber klopfen an: Die Nähe zu Dom, Rhein, Technik-Museum, der auch vom Flugplatz betonte Bedarf – wie gesagt, da muss doch was gehen.
Akt 3, Wendepunkt
Die Planung steht, die Baugenehmigung kommt 2018. Das Investitionsvolumen wird auf 4 bis 5 Millionen Euro beziffert. Pfirrmann ist optimistisch, dass sich das Ganze rentiert, auch wenn ihm der Stadtrat nur einen Bau mit drei Stockwerken und 50 Zimmern zugestanden hat. Das heißt: Nur zehn Meter Höhe statt die aus luftfahrtrechtlicher Sicht denkbaren 18. Meter. Für Pfirrmann wären zumindest 20 bis 30 Zimmer mehr wünschenswert gewesen. Das Hotel soll in Fertigbauweise aus 36 in Polen hergestellten Modulen errichtet werden – das ist günstiger als Massivbau.
Akt 4, Abfallende Handlung
Ein Hotel-Betreiber wird nicht gefunden. Die Investoren wollen das Haus jetzt selbst betreiben. Erneute Verzögerung Mitte 2019: Das aus Polen gelieferte Probe-Modul in Holzbauweise hat sich verzogen. Ein neuer Lieferant wird ausgewählt, der Preis steigt. Der ehemalige Wunschtermin für die Eröffnung – Frühjahr 2019 – ist schon lange nicht mehr zu halten. Im Dezember 2019 gibt sich Pfirrmann nach außen hin noch optimistisch, erwähnt Umplanungen und spricht von Sommer 2020.
Akt 5, Katastrophe
„Wir werden nicht bauen“, berichtet Pfirrmann am 20. Mai auf RHEINPFALZ-Anfrage. In Kürze stehe der Notartermin für die Rückgabe des Grundstücks an die Stadt an. Er habe feststellen müssen: „Mit 50 Zimmern ist es nicht wirtschaftlich.“ Als diese Erkenntnis da gewesen sei, habe er die Stadt nochmals gebeten, die Anzahl zu erhöhen. Die habe sich aber nicht darauf eingelassen. „Ich hätte lieber damals schon gesagt, ich lasse es“, bedauert Pfirrmann die 50-Zimmer-Vorgabe. Mit 70 hätte er keine höheren Personalkosten als mit 50 gehabt – und das Vorhaben wäre wirtschaftlich gewesen, rechnet er vor. Katastrophe? Eine kleine vielleicht für den Investor. „Es hat mich drei Jahre beschäftigt und genug gekostet“, sagt Pfirrmann, der in anderen Projekten erfolgreich ist. Zu den Kosten gehöre, dass er das Grundstück baufertig gemacht und entrümpelt habe. Er sagt: „Ich vermute, dass jetzt die nächsten Jahre nichts auf dieser Fläche passieren wird.“
Bei der Stadt hält sich das Bedauern in Grenzen: „Ein Hotel an dieser Stelle ist aus Sicht der Stadt nicht zwingend erforderlich. Es wäre eine Ergänzung der bestehenden Infrastruktur gewesen“, ordnet auf Anfrage Jennifer Braun ein, die Persönliche Referentin von Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD). Dem Interessenten seien die Rahmenbedingungen bewusst gewesen, eine zweite Befassung des Stadtrats mit dem Thema sei „nicht angezeigt“. Das Projekt sei wohl nicht nur an der zu geringen Zimmeranzahl, sondern auch an bautechnischen Problemen gescheitert. Die politisch festgelegte Dimension habe damit zu tun, dass das Grundstück zu klein sei, um mehr Stellplätze und damit mehr Zimmer verkraften zu können. Wie jetzt mit der neuen alten Fläche in Stadt-Besitz verfahren werde, sei noch offen. Aus Sicht der Stadt kämen „vorrangig flugplatzaffine gewerbliche Nutzungen in Frage“.
RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler
Wind gedreht
Beim Thema Hotels hat sich im Rathaus der Wind gedreht, als im Vorjahr Stefanie Seiler von Hansjörg Eger übernommen hat. In der Waldstraße sind Mietwohnungen wahrscheinlich die bessere Alternative als ein Beherbergungsbetrieb, am Flugplatz darf man gespannt sein, ob und wann ein anderes Gewerbeprojekt angepackt wird. Dabei ist festzuhalten, dass Verwaltung und Politik schon 2017, lange vor Seilers Zeit als OB, die Hürden erhöht haben für das Airport-Projekt. Es hatte immer kritischere Stimmen aus der Speyerer Wirtschaft gegeben. Ein neues Hotel in der Waldstraße, eins am Flugplatz und eins in der Postgalerie wären zu viel gewesen. Jetzt ist nur noch der Plan für die Postgalerie aktuell.