Speyer Helfende Hände aus ganz Europa
Auf dem Gelände des Vereins Naturspur in Otterstadt gibt es immer etwas zu entdecken. Im Laufe der Jahre ist ständig etwas Neues dazu gekommen, zuletzt ein Bienengarten. In den vergangenen zwei Wochen haben zwölf junge Menschen aus ganz Europa dazu beigetragen, Projekte weiter voranzubringen.
Die jungen Männer und Frauen haben am Baucamp des Internationalen Bauordens teilgenommen. Sie kommen aus verschiedenen Ländern, aus Spanien, Portugal, Aserbaidschan, Estland, der Türkei und Deutschland, aber sie haben eins gemeinsam: die Freude am kreativen, handwerklichem Arbeiten. Ihre Motive sind ganz unterschiedlich. Baran und Selin (beide 22), die gerade Malerarbeiten am Kamin des beheizbaren Badezubers erledigen, kommen aus der Türkei. Sie wollen neue Leute aus allen Ländern treffen, etwas Neues sehen und helfen, wo sie gebraucht werden. Seit zwei Monaten touren sie schon durch Deutschland und haben an mehreren Camps teilgenommen. Das Gelände von Naturspur gefällt ihnen gut, und die Arbeit sei sehr vielseitig und kreativ, versichern sie. Nele (19) hat keinen weiten Anreiseweg, sie studiert Architektur in Darmstadt und muss dafür ein Baustellenpraktikum machen. Das Baucamp findet sie dafür besonders geeignet, weil es keine stupiden Arbeiten sind. „Hier stehe ich nicht nebendran, sondern darf selber etwas machen“, sagt sie. Im Moment baut sie gerade mit Johannes, der Freiwilligendienst bei Naturspur leistet, Stühle. Zweimal pro Jahr findet bei Naturspur ein Baucamp des Internationalen Bauordens statt, berichtet Petra Moser von Naturspur. Im Moment stehen viele kleinere Arbeiten an: Dächer müssen begrünt werden, der Lehmofen, in dem Pizza gebacken werden kann, muss noch einmal verputzt werden, der neu angelegte Bienengarten braucht noch etwas Bepflanzung und der Sitzkreis dort muss auch noch fertiggestellt werden. Außerdem wurde gerade ein Außenwaschbecken gebaut, das noch mit Mosaik verziert werden soll. Einen Tag waren die Mitglieder des Bauordens in Maikammer zur Apfelernte auf Streuobstwiesen und dann zum Apfelsaftpressen in Herxheim. „Wir brauchen rund eine Tonne Äpfel, die geben 600 bis 800 Liter Apfelsaft“, erklärt Moser. Außerdem sollen die jungen Menschen auch noch ein bisschen von der Umgebung mitbekommen. Deswegen haben sie in ihrer Freizeit auch Ausflüge nach Straßburg und Heidelberg gemacht. Die Baucamps sind wichtig für Naturspur. „Wir brauchen viele Helfer, um unser Gelände instand zu halten. Das könnten wir gar nicht zahlen“, sagt Petra Moser. Allerdings ist der Platz für die Helfer doch beengt, sie übernachten in Bauwagen. Der Verein hätte gerne mehr Platz, das Haus müsste dringend ausgebessert und erweitert werden, denn Moser hat sehr viele Anfragen nach Fortbildungen im Bereich Natur- und Erlebnispädagogik. Das Geld für eine Erweiterung könnte Naturspur von Stiftungen ja bekommen, aber nur dann, wenn die Besitzverhältnisse auf dem Gelände auch garantieren, dass die Investitionen Zukunft haben, erklärt Moser. Und genau da liegt das Problem. „Wir zahlen im Moment für das Haus eine Wahnsinnspacht, haben schon 50.000 Euro in das Gebäude und Gelände investiert, kürzlich eine vom Weißschimmel befallene Terrasse neu gebaut“, sagt Moser. „Wir würden das Haus gerne von der Ortsgemeinde Otterstadt zu einem vernünftigen Preis kaufen, unter Berücksichtigung dessen, was wir schon investiert haben. Außerdem hätten wir das Gelände gerne in Erbpacht, kommen aber mit der Gemeinde nicht weiter.“ Seit Jahren führe Naturspur Gespräche mit der Ortsgemeinde, mache Vorschläge, Moser war auch schon bei Fraktionssitzungen zu Gast. Aber statt Antworten würden die Lokalpolitiker immer auf Nebenschauplätze ausweichen. „Ich glaube, wir sind hier nicht erwünscht“, sagt Moser frustriert. „Dabei sind wir ein landesweit anerkannter außerschulischer Lernort und Träger der freien Jugendhilfe“. Rund 7500 Menschen sind nach Aussagen Mosers jedes Jahr auf dem Naturerlebnisgelände zu Gast: unter anderem bei Ferienprogrammen, Kursen und Workshops, Gruppenangeboten, Aktionen mit Schulklassen und bei Fortbildungen im Bereich Natur- und Erlebnispädagogik.