Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Heiraten in Römerberg könnte teurer werden

Angedachte neue Traustätte in Römerberg: das Zehnthaus in Berghausen, das derzeit umgebaut wird und im Januar 2020 wiedereröffne
Angedachte neue Traustätte in Römerberg: das Zehnthaus in Berghausen, das derzeit umgebaut wird und im Januar 2020 wiedereröffnet werden soll. Archivfoto: Lenz

Ab April steht der Trausaal im Rathaus in Heiligenstein nicht mehr zur Verfügung. Darauf wird auf der Internetseite der Verbandsgemeinde hingewiesen. Die CDU befürchtet nun, dass es in Römerberg bald nur noch einen, eher kostspieligen Ort für Hochzeiten gibt.

Den Mitarbeitern der Verbandsgemeindeverwaltung fehlt in den Rathäusern in Dudenhofen und Römerberg Platz. Deshalb soll das Trauzimmer im Heiligensteiner Rathaus ab April für rund 75.000 Euro zu Büroräumen und einem Besprechungszimmer für die Verwaltung umgebaut werden. Trauungen sollen in Römerberg dann im renovierten Zehnthaus stattfinden. Das hat die Verwaltung mit Ortsbürgermeister Matthias Hoffmann (Grüne) abgestimmt.

Die CDU kann dagegen nicht nachvollziehen, dass auf ein Trauzimmer im Heiligensteiner Rathaus verzichtet werden soll. Sie begründet dies damit, dass „der kostenintensive Anbau eines Aufzugs an das Rathausgebäude gerade mit dem Trausaal im ersten Obergeschoss verknüpft worden“ sei. Der Aufzug kostet 100.000 Euro, wird aber von der Verbandsgemeinde bezahlt, weil ihr das Rathaus gehört. Außerdem befürchtet die CDU bis zu zehnfach höhere Kosten für Paare, die in Römerberg heiraten wollen, wenn das Zehnthaus dort der einzige Trausaal ist.

Bislang kostet eine Trauung im Heiligensteiner Rathaus zwischen Montag und Freitag 32 Euro, samstags 96 Euro. In Harthausen und in Hanhofen, wo nur im Tabakschuppen beziehungsweise in der Kulturscheune geheiratet werden kann, werden freitags 326 Euro und samstags 350 Euro verlangt. Laut CDU-Fraktionssprecher Mathias Müller sind diese Gebührensätze auch für das Zehnthaus gedacht. „Ich bin ein Freund des Zehnthauses als Traustätte, weil es ein schöner Rahmen ist und es auch Platz für einen Sektempfang gibt“, sagt Müller. Aber es gebe auch Familien, die keinen Sektempfang brauchen und aufs Geld schauen müssten. Er findet auch, dass Römerberg nun Nachteile bei der Lösung habe, obwohl es bei der Fusion mit der Verbandsgemeinde Dudenhofen geheißen habe, dass in Römerberg nichts wegfalle.

„Raumnot nachvollziehbar“

Müller, der den Raumbedarf der Verwaltung durchaus nachvollziehen kann, wünscht sich nun eine Diskussion, um „die Kuh vom Eis zu bringen“. Deshalb beantragt die CDU-Fraktion in der Ratssitzung am Dienstagabend, dass die Verwaltung ein Konzept entwickele, in dem berücksichtigt werde, dass es in Römerberg weiterhin eine Traustätte in einem Amtsgebäude zu den bisherigen Gebührensätzen gebe. Müller sprach zum Beispiel vom Besprechungsraum des Ortsbürgermeisters im Heiligensteiner Rathaus. Außerdem solle bei der Anzahl der zur Verfügung stehenden Termine Rücksicht darauf genommen werden, dass Römerberg dreimal so viele Einwohner wie Harthausen und Hanhofen habe, wo nur acht beziehungsweise sechs Trautermine im Jahr angeboten werden.

Standesbeamtin erklärt Gebühren

Sandra Sterner, für das Standesamt zuständige Mitarbeiterin der Verbandsgemeindeverwaltung, sagte auf Anfrage, dass noch nicht feststehe, was letztendlich für eine Trauung im Zehnthaus bezahlt werden müsse. Es sei aber möglich, dass sich die Gebühren an denen in Harthausen und Hanhofen orientieren. Laut Sterner setzen sich die Gebühren in Harthausen und Hanhofen aus den Gebührensätzen für standesamtliche Trauungen, die landesweit gleich sind, und aus der Miete für das Gebäude zusammen. Die Miete wird laut Sterner damit begründet, dass die örtlichen Bauhöfe die Kulturscheune beziehungsweise den Tabakschuppen erst für eine Trauung herrichten müssten.

Stefan Schall, Büroleiter der Verbandsgemeindeverwaltung, machte deutlich, dass das Standesamt Sache der Verbandsgemeinde und nicht der Ortsgemeinde sei und es Römerbergern auch weiterhin möglich sei, für weniger Geld zu heiraten – im Trausaal der Verbandsgemeinde im Rathaus in Dudenhofen, der zwischen Montag und Freitag 32 Euro und samstags 96 Euro kostet. Außerdem sagt Schall, dass der Anbau des Aufzugs am Römerberger Rathaus nicht mit dem Trausaal zusammenhänge, sondern damit, dass alle öffentlichen Gebäude, zu denen auch ein Rathaus zähle, behindertengerecht sein müssten.

Ortsbürgermeister Hoffmann sagte zur Forderung der CDU nach einem weiteren Trausaal in Römerberg außer dem Zehnthaus, dass dies nicht möglich sei, weil der Trausaal immer am Dienstsitz der Verbandsgemeinde sei. Dieser ist Dudenhofen.

Termin

Öffentliche Sitzung des Ortsgemeinderats Römerberg am Dienstag, 10. Dezember, ab 18 Uhr im Haus am Lindenplatz. Weitere Themen: Einführung wiederkehrende Beiträge, Vorstellung und Einbringung des Haushaltsplans 2020.

Zur Sache: Diplomatisch Kritik geübt

Die CDU-Fraktion hat bezüglich der künftigen Trau-Situation in Römerberg auch sehr diplomatisch Kritik an Ortsbürgermeister Matthias Hoffmann (Grüne) wegen fehlender Einbeziehung des Ortsgemeinderats geübt. CDU-Fraktionssprecher Mathias Müller sagte, dass es ihm dabei aber nicht um Schuldzuweisungen gehe. Er sehe das Ganze konstruktiv. Hätte der Rat jedoch vorher über das Thema Bescheid gewusst, hätte bereits darüber diskutiert werden können. Dafür sei es jetzt aber auch noch nicht zu spät, machte Müller deutlich.

Matthias Hoffmann verteidigte sich auf Anfrage und sagte, dass er von der Verbandsgemeinde lediglich darüber in Kenntnis gesetzt worden sei, dass der Römerberger Trausaal für Büros gebraucht werde. Sein Einverständnis zur Zehnthaus-Lösung habe er gegeben, weil er auch wolle, dass in Römerberg noch geheiratet werden könne. Zudem habe er den Ortsgemeinderat informiert, sagte der Ortsbürgermeister. Das bestätigt das Protokoll der fast vierstündigen Sitzung Anfang September, in der Hoffmann das Thema am Ende auf Nachfrage von CDU-Ratsmitglied German Reichling angesprochen hatte.

Kommentar: Konfliktpotenzial

Es ist nicht das erste Mal, dass Römerbergs neuer Ortsbürgermeister Matthias Hoffmann (Grüne) für seine Kommunikation kritisiert wurde. Im Wahlkampf hatte er für mehr Transparenz geworben, die er zum Beispiel durch Kommunikation im sozialen Netzwerk Facebook auch umsetzt. Transparenz wird aber nicht nur im Internet, sondern zum Beispiel auch im Rat gewünscht. Es sind nicht nur CDU-Mitglieder, die Hoffmann für seine Art der Kommunikation kritisieren. Hier gibt es anscheinend Konfliktpotenzial.

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