Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Hanhofen: Waldtag macht Schönheit und Probleme der Natur erfahrbar

Auf Schmusekurs: Ziemlich nah lässt Besucherin Sophie zwei Lamas der Familie Klotz an sich heran.
Auf Schmusekurs: Ziemlich nah lässt Besucherin Sophie zwei Lamas der Familie Klotz an sich heran. Foto: Lenz

Mit jedem Schritt wird die Luft „besser“, strömt mehr Sauerstoff in die Lungen und umwehen erdige Düfte die Nase: Der Weg zur Pipelineschneise in Hanhofen, auf der das Forstamt Pfälzer Rheinauen und die Ortsgemeinde am Samstag den Walderlebnistag veranstaltet haben, lässt die mehreren Hundert Besucher erfahren: Wald tut gut.

Die fast 20 Mitwirkenden bieten den Gästen obendrein geistige und körperliche Nahrung. Das Wissen um Waldgefahren vermittelt zum Beispiel die Rucksackschule des Forstamts auf einem Parcours für Kinder, durch den hindurch es einen Ball zu balancieren gilt. An rund einem Dutzend Holzpfosten hängt jeweils ein Foto, auf dem eine Waldgefahr dargestellt ist: Trockenheit, Klimawandel, Borkenkäfer, Luftverschmutzung und Feuer zählen dazu. Wer den von Förster Jürgen Render ersonnenen Parcours meistert, erfährt einen Buchstaben fürs Waldquiz. Für die älteren Besucher gibt es von der Rucksackschule gedruckte Informationen zu verschiedenen Aspekten des Waldes.

Im Waldbauverein Ganerb haben sich etwa 450 Privatwaldbesitzer aus dem Raum Dudenhofen zu einer Forstbetriebsgemeinschaft zusammengeschlossen. Am Stand des Vereins gilt es, Teile von Baumscheiben zusammenzufügen, sodass die jeweilige Baumart anhand aufgebrachter Buchstaben lesbar wird: Erle, Eiche, Birke, Kiefer, Kirsche und Buche sind darunter. Wer’s richtig macht, kommt beim Waldquiz einen Schritt weiter.

Ungleich schwieriger ist es für die Waldbesitzer, eine Lösung für das Problem großer Schäden, vor allem bei den Kiefern, zu finden. Das berichten die Vorstandsmitglieder Peter Bachmann und Siegfried Zürker. „Wegen der Trockenheit müssen wir andere Baumarten pflanzen. Doch es ist unklar, welche geeignet sind“, sagen sie.

„Wir sind Lebensmittelproduzenten“, sagt Jäger Holger Uhthoff mit Blick aufs Fleisch von Wild

Die Jagdpächter Theo Beck und Jochen Schäfer berichten beim Walderlebnistag über eine starke Vermehrung der Wildschweine. „Es gab eine Eichelmast von August 2018 bis in den vergangenen April hinein“, nennt Schäfer die Hauptursache. Die Trockenheit habe die Bäume zur Eichelbildung angeregt. „Das Schwarzwild kam nicht an unsere Futterstellen, und wir konnten kaum Sauen schießen“, sagt Schäfer.

In den vergangenen Wochen sei der Jagderfolg dann wieder groß gewesen. „Das Wildschweinfleisch ist hochwertig und gesund. Wir sind Lebensmittelproduzenten“, meint Jäger Holger Uhthoff. Ohne Bejagung richteten die Tiere große Schäden auf Wiesen und Äckern an.

Der Spargel- und Gartenbauverein Dudenhofen zeigt 24 Gemüsesorten, zum Beispiel Fenchel und Romanesco, die in der Region angebaut werden. Wenn ein Kind sie alle erkennt, vielleicht auch mit ein bisschen Hilfe von Johann Josef Grill, dem stellvertretenden Vereinsvorsitzenden, und seiner Frau Andrea, gibt es einen weiteren Buchstaben fürs Waldquiz.

Wie Grill berichtet, bietet der Verein Informationen in Theorie und Praxis über den Gemüse- und Obstanbau im heimischen Garten – bei Vorträgen, dem monatlichen Stammtisch und Kursen. Auch Tipps zur Verarbeitung der Erzeugnisse fehlen nicht, wie Andrea Grill betont. Dagegen mangele es an Vereinsnachwuchs, sagt ihr Mann.

Die meisten der präparierten Tiere sind nach Unfällen verendet

Insbesondere um die Naturbildung von Kindern und Jugendlichen kümmert sich Jäger Arthur Ranzenberger aus Speyer, der in Hanhofen mit einem Schauwagen der Erlebnisschule Wald und Wild, einem Kooperationsprojekt von Forstverwaltung und Landesjagdverband, vertreten ist. Anhand zahlreicher Tierpräparate stellt er Bewohner von Feld, Wald und Wiese vor, aber auch von Hausgärten, beispielsweise Steinmarder und Ringeltaube. „Die meisten Präparate sind von Tieren, die bei Unfällen ums Leben kamen“, betont Ranzenberger. Viele der gezeigten Arten dürften nicht bejagt werden.

Hanhofens Beigeordneter Bernhard Steigleider (SPD) und Förster Jürgen Render vergeben am Nachmittag die Preise an die Kinder, die das Waldquiz gemeistert haben und deren Lösungsbogen gezogen wurde: Sachbücher über Natur und Forscherutensilien wie ein Vergrößerungsglas zählen dazu. Der Lösungssatz lautet übrigens: „Der Wald braucht dringend Wasser.“ Beigeordneter Steigleider zeigt sich beeindruckt vom Engagement der Akteure am Walderlebnistag, um „Kindern die Natur nahe zu bringen“.

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