Speyer
Handwerk digital
Seit 2017 gibt es das Projekt „Handnetzwerk“, das kleine und mittlere Betriebe – vor allem Handwerker – zur Digitalisierung berät. Über 100 Unternehmen haben bereits mitgemacht. Bis Jahresende gibt es noch freie Plätze.
„Das Handwerk ist aktuell auch ohne Digitalisierung erfolgreich“, sagt Daniel Roth-Shahshahani vom für die Vorderpfalz zuständigen Dienstleistungszentrum Handwerk. Und genau das ist ein Stück weit das Problem, auf das er als Projektleiter und sein Team mit dem „Handnetzwerk“ reagieren. „Die letzten Jahre waren fett, die Auftragslage sehr gut, sodass der Wille zu Veränderungen immer weiter abgenommen hat“, sagt Roth. Das treffe auf viele kleine und mittlere Unternehmen zu, vor allem auf die im Handwerk. „Die Quittung“ bekämen diese Betriebe nun langsam zu spüren. Mit abschwächender Konjunktur nehme der Wettbewerb zu, man muss sich behaupten – auch digital.
Denn Digitalisierung könne nicht nur helfen, Abläufe zu vereinfachen oder Neues anzubieten – laut Roth ist „Digitalisierung auch eine Riesen-Chance, das Fachkräfteproblem abzumildern“. In einem digital aufgestellten Betrieb arbeiteten Nachwuchskräfte lieber, moderne Technik locke. „Wenn ich mit einem Tablet an der Heizung stehe oder Fernwartung machen kann, ist das für junge Leute attraktiver“, ist Roth überzeugt.
Offen für alle Betriebe
Und weil das mit der Digitalisierung nicht so einfach ist, hat das in Ludwigshafen ansässige Dienstleistungszentrum 2017 das „Handnetzwerk“ ins Leben gerufen. Damals war es ein Pilotprojekt, inzwischen läuft es im dritten Jahr. Laut Roth haben schon „etwas über 100 Betriebe“ mitgemacht. Im Jahr 2019 können 40 kleine und mittlere Unternehmen aus der gesamten Vorderpfalz sowie aus dem Donnersbergkreis, Pirmasens und Zweibrücken teilnehmen. Zehn Plätze sind noch frei. Handwerk ist der Schwerpunkt des Projekts. Laut Roth berät sein Team besonders viele Betriebe aus der Versorgungstechnik, also Heizung, Klima, Sanitär, aber auch Elektro. Grundsätzlich stehe die Beratung aber allen kleinen und mittleren Firmen offen. „Handnetzwerk“ wird vom Landesarbeitsministerium gefördert und aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds finanziert. Daher ist es für Teilnehmer kostenlos.
Zunächst Digital-Check
Die Betriebsanalytiker kommen in die Unternehmen und machen zunächst einen Digital-Check. Mit der Erfahrung der vergangenen Jahre habe man den immer wieder verändert und angepasst, sagt Roth. Es geht darum, den Ist-Zustand zu erfassen: Was macht der Betrieb bereits digital – und was geht noch mehr oder besser? Am Ende des Projekts stehen ganz konkrete Empfehlungen. Digitalisierung fange bei relativ einfachen Dingen an, etwa einer eigenen Homepage. Doch gerade da gebe es aktuell Probleme – ausgelöst durch die Datenschutzgrundverordnung. „Sehr viele Handwerksbetriebe haben ihre Website abgeschaltet“, sagt Roth. Das sei ein Problem. Eins von vielen, die Roth und sein Team gemeinsam mit den Firmen angehen möchten.
Kontakt
Infos zum Projekt im Netz unter www.handnetzwerk.eu oder direkt beim Projektleiter, E-Mail roth@dlz-handwerk.de, Telefon 0621 59114-66.