Speyer Gutachten lässt auf sich warten
In einem Brief an die RHEINPFALZ äußern Inge und Günther Koch aus Westheim ihr Unverständnis darüber, dass noch immer kein abschließendes Gutachten zum Explosionsunglück am 17. Oktober 2016 im Ludwigshafener Nordhafen erstellt wurde. Der Sohn des Ehepaares, Michael Koch, ehemaliger Wehrleiter der Verbandsgemeindefeuerwehr Lingenfeld, war einer der vier Menschen, die bei dem Unglück ums Leben kamen.
Zur Explosion im Ludwigshafener Nordhafen ist es nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Frankenthal gekommen, weil bei Wartungsarbeiten an einer geleerten und gespülten Pipeline eine benachbarte, mit brennbarem Raffinat gefüllte Röhre vom Mitarbeiter einer Fremdfirma mit einer Trennscheibe angeschnitten wurde (wir berichteten am 28. Juli).
„Schadensfall für BASF erledigt“
„Die Versicherung begleicht den wirtschaftlichen Schaden, der durch die Explosion entstanden ist, obwohl noch ein Gutachten fehlt“, schreiben die Kochs und beziehen sich auf den Artikel in der RHEINPFALZ. Darin wurde berichtet, dass die durch das Unglück verursachten Gewinneinbußen durch eine Versicherungszahlung in Höhe von 100 Millionen Euro ausgeglichen worden seien. Sowohl die Kosten des Wiederaufbaus als auch der Schaden durch Betriebsunterbrechungen waren versichert. „Der Schadensfall scheint hiermit für die BASF erledigt“, schreiben die Eltern des getöteten Feuerwehrmanns weiter. „Bedenklich scheint, dass der Sachverständige nicht in der Lage ist, in einem angemessenen Zeitraum sein Gutachten zu erstellen“, heißt es weiter in dem Brief. Dabei seien schon direkt nach dem Unglück Gutachten erstellt worden.
Kein Ermittlungsende in Sicht
Das Ehepaar fragt in seinem Brief, „warum es nicht möglich ist, bei solch einem Unglück mit vier Toten und Schwerverletzten eine Frist zu setzen, damit endlich Anklage gegen den oder die Verursacher erhoben werden kann“. Das Ende der Ermittlungen gegen den Beschuldigten, den Mitarbeiter der Fremdfirma, sei nicht in Sicht, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt in Frankenthal, Hubert Ströber, der RHEINPFALZ. Es gebe für solche Fälle nur sehr wenige Sachverständige.