Speyer
Große Schulranzen-Spende: Tränen der Freude in der Kita
In der Kita St. Hedwig wurde der Mittwochnachmittag zum Feiertag. Erzieherin und Elternbegleiterin Samantha Krück konnte schon den ersten von acht Schulranzen weiterreichen, den sie kurz zuvor bei der Benefizaktion des Speyerer Kiwanis-Clubs entgegengenommen hatte. „Das Kind hat ihn umarmt“, berichtet sie gerührt.
Speyerer Kitas melden den Kiwanis jeweils im Vorfeld, wie viele ihrer kommenden Schulanfänger aus bedürftigen Familien stammen, und der Serviceclub übernimmt dann mithilfe von Sponsoren die Anschaffung der passenden Schultaschen. 100 Ranzen für Erstklässler, fünf für Dritt- und Viertklässler sowie 20 Rucksäcke für Teenager aus weiterführenden Schulen haben die Kiwanis jetzt an 23 Speyerer Einrichtungen übergeben.
Individuell und diskret
Elternbegleiterin Krück in Speyer-West hatte im Vorfeld den Kontakt zu den Familien gesucht. „Wir gehen ins Gespräch und fragen, ob Hilfe nötig ist.“ Viele Kita-Eltern seien auf staatliche Leistungen angewiesen, die Probleme seien in der Einrichtung teilweise bekannt. Das Ganze laufe aber stets individuell und diskret ab. Die Ranzen würden jeweils in einem ruhigen Moment übergeben, wenn die Kinder es nicht mitbekommen. Die Eltern müssten ihren Nachwuchs auch nicht auf die Hilfe von dritter Seite hinweisen, betont Krück. So habe es die Mutter des ersten Beschenkten gemacht – ein voller Erfolg der Aktion.
Die Kiwanis, zu denen auch Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Monika Kabs (CDU) gehört, stemmen das Hilfsprojekt seit zehn Jahren, weil sie die traurige Alternative kennen: „Die betroffenen Kinder kämen ansonsten mit Plastiktüten“, berichtet Mitglied Tina Krauß, die viel Mühe in die Beschaffung der ganz unterschiedlichen, stets fabrikneuen und topmodischen Ranzen gesteckt hat. Politikerin Kabs stimmt zu. Ohne die Hilfe würde eine Ausgrenzung im Klassensaal schon ab dem ersten Tag drohen. Die Leistungen aus dem sogenannten Bildungs- und Teilhabepaket für Empfänger von Grundsicherung reichten „vorne und hinten nicht“, um den Kindern die Tornister mit Preisen von regulär um die 300 Euro zu kaufen. Schon bei der Kleidung schauten viele Kinder ganz genau hin. „So wird auch das Selbstwertgefühl geprägt.“
Anzahl wächst alljährlich
Auch Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD, „super Aktion“), Kiwanis-Präsidentin Eva-Constanze Kröger und Mitglied Marc-André de Zordo unterstützten am Mittwoch die Ranzen-Übergabe an die 23 von 30 Einrichtungen, die teilgenommen haben. Darunter waren der Großteil der städtischen Kitas, die Horte, das Frauenhaus und die Familienhilfe der Diakonissen. „In den Anfangsjahren haben wir jährlich 20, 30 Ranzen ausgegeben, heute sind es mehr als 100“, berichtet Krauß. Das habe aber wohl weniger mit einer Zunahme der Armut im gleichen Maß, als mit der zunehmenden Bekanntheit der Hilfsaktion zu tun.
Gut 18.000 Euro wenden die Kiwanis unter anderem mit dem Erlös ihrer Adventskalender- sowie Literatur-und-Genuss-Aktionen, weiterer Spenden und einer Ausschüttung der Bauchhenß-Spies-Stiftung 2025 dafür auf. Dass die Ranzen nicht leer übergeben werden, sondern unter anderem mit Mäppchen, Sportbeutel, Brotdosen und Warnwesten ausgestattet, ist dabei Ehrensache.