Speyer „Grenzen werden überschritten“

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Mit der Uraufführung des Crossover-Werkes „Klang:Raum:Dom“ enden die „Internationalen Musiktage Dom zu Speyer“ am Samstag, 17. Oktober, 20 Uhr. Dabei präsentieren das Duo Moving Sounds aus Trompeter Markus Stockhausen und Klarinettistin Tara Bouman sowie der Speyerer Domchor unter der Leitung von Domkapellmeister Markus Melchiori intuitive Musik. Unsere Mitarbeiterin Anne Kirchberg hat vorab mit Stockhausen gesprochen.

Sie haben lange mit Ihrem Vater, dem Komponisten Karl-Heinz Stockhausen, zusammengearbeitet. Wie ist der Wunsch entstanden, in eine eigene Richtung zu gehen?

Er war wohl schon eine ganze Zeit präsent, und ich spielte ja seit meiner Jugend alle Arten von Musik und liebte es immer zu improvisieren. 2001 wurde mir jedoch klar: Jetzt möchte ich mehr Raum für das Eigene haben. Ich hatte das Bedürfnis, mich von meinem Vater abzugrenzen, sowohl von seiner Musik als auch von seiner Persönlichkeit. Warum ist Ihnen dabei die Verbindung von Raum und Klang so wichtig? Mit meiner Ehefrau, der Klarinettistin Tara Bouman, spiele ich zum Großteil in Kirchen, unter anderem gaben wir 118 Konzerte in der St. Maternus Kirche in Köln und probierten in diesem Raum, der sieben Sekunden Nachhall hat, vieles mit intuitiver Musik und Raummusik aus. Man kann sich das so vorstellen, dass sich die Musiker die Töne manchmal von verschiedenen Stellen im Raum zurufen und das Publikum diese Klänge anders wahrnimmt, je nach dem, wo sie gerade sitzen. Das ist vor allem in großen sakralen Bauten ein Faszinosum – sowohl für das Publikum als auch für uns. Wie spielt man mit dem Raum, wie geht man damit um, wie bleiben Klänge im Hall stehen, welche anderen Töne passen dazu und wie wirkt das? Wie bereiten Sie sich auf solch einen Klang-Raum-Auftritt vor – schließlich ist ja jede Kirche anders, oder? Das ist extrem spannend, und deshalb wünsche ich mir schon seit Jahren, im Speyerer Dom zu spielen. Ich habe immer von ihm gehört, bin aber noch nie dort aufgetreten. Mit Tara Bouman führe ich intuitive Musik auf, das bedeutet, sie entsteht in diesem Moment. Es bestehen keine festen Kompositionen, nur manchmal flechten wir kleine Themen ein und so können wir auf die jeweilige Situation der Kirche eingehen und den Tönen entsprechend Zeit geben. Macht diese Spontanität das Zusammenspiel nicht außerordentlich schwierig? Nein, wir spielen seit vielen Jahren intuitive Musik und wissen genau, wie wir dabei interagieren. Und manchmal beginnt einer von uns mit einer komponierten Phrase, dann antwortet der andere mit dem entsprechenden Gegenstück. Bei einigen Konzerten sind wir allerdings komplett offen ohne jegliches Thema und entwickeln die Musik tatsächlich ausschließlich im Moment. Diese Lebendigkeit der intuitiven Musik fasziniert mich momentan sehr. Ist das auch für das Publikum spannend, wenn keiner weiß, was passiert? Auf jeden Fall. Vor einigen Wochen betitelte ein Veranstalter unser Konzert mit „Jedes Konzert ist eine Uraufführung!“, und genau das stimmt. Ich bin fest davon überzeugt, dass die intuitive Musik eine neue Richtung ist, die es vorher nicht gab und die sich parallel zu den anderen Musikstilen immer weiter entwickeln wird. Mein Vater gab in den 60er Jahren den Anstoß dazu und prägte den Begriff, aber ich fasse ihn nun noch weiter. Bei der Interpretation von Kompositionen oder bei Improvisation dreht sich stets alles um bekanntes Material, ein gewähltes Thema oder einen bestimmten Stil. Die Musik ist bereits vorher in gewisser Weise definiert. Die intuitive Musik ermöglicht es, dass Grenzen überschritten werden und wirklich Neues passieren kann – auch bei dem Konzert in Speyer. Es könnte auch noch Überraschungsmomente geben, wenn wir etwas mit dem Chor gemeinsam gestalten. Vorverkauf Eintrittskarten gibt es bei den RHEINPFALZ-Servicepunkten und beim RHEINPFALZ-Ticketservice unter der Telefonnummer 0631 37016618. (akk)

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