Speyer Gräber, Kirchen, hübsche Weiber

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In Speyer gewesen sein muss jeder, der es selbst zu etwas gebracht hat. Diese These hat Alt-OB Werner Schineller eindrucksvoll bestätigt – anhand von Literaturzitaten, Anekdoten und persönlichen Erlebnissen. Im Erzählcafé hat er am Mittwoch von den mehr oder weniger bis heute berühmten Gästen gesprochen, die Speyer über die Jahrhunderte hinweg besucht und - meist begeistert - davon berichtet haben.

Die Reihe derer ist wahrlich lang. Schon in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts lobten der Straßburger Sebastian Brant (Verfasser des „Narrenschiff“) und der Humanist Ulrich von Hutten die Freie Reichsstadt Speyer, während einige Jahrzehnte später der Nürnberger Künstler Jost Amman besonders die „hübschen Weiber“ pries. Der Engländer Thomas Coryate unternahm 1608 eine Fußreise durch Europa. Am 8. September wanderte er von Heidelberg nach Speyer. Seine ausführliche, genaue und begeisterte Beschreibung der Stadt mit ihren starken Mauern, schönen und breiten Straßen, 16 Kirchen samt dem Dom mit „mehr Gräbern, als irgendwo anders angetroffen“ bietet ein sehr lebendiges Bild der Stadt vor dem großen Brand von 1689. Goethe, der die Stadt erst nach der Zerstörung 1775 sah, berichtete brieflich Charlotte von Stein. Sophie de la Roche wohnte ab 1780 in Speyer und empfing in ihrem Haus an der Maximilianstraße berühmte Besucher, darunter etwa Friedrich Schiller. Dieser schrieb in einem Brief vom 13. November 1783 über die „sanfte, gute, geistvolle Frau zwischen 50 und 60 mit dem Herzen eines neunzehnjährigen Mädchens“. Die konnte aber sehr handfest sein und einem gelehrten Gast hinterher schreiben, sie habe vernommen, dass er in Speyer viele Heiratsanträge gemacht habe. Müsse es denn unbedingt ein Mädchen mit Vermögen sein? Und ihm unverzüglich eine 23-Jährige aus ihrem Freundeskreis anpries. Im 19. Jahrhundert war Speyer bedeutendes Ziel auf den in Mode gekommenen Rheinreisen – Victor Hugo beschreibt die Stadt in seiner „Rheinreise“ – oder Durchgangsstation auf dem Weg nach Süden. Jules Verne beschreibt die Stadt im Roman „Ein Drama in den Lüften“, gesehen vom Heißluftballon durch die aufreißende Wolkendecke. Dichter und Maler des 19. und 20. Jahrhunderts haben ihre Geburtsstadt oder zeitweilige Heimatstadt freundlich oder mit großem Heimweh beschrieben und bedichtet. Beispiele lieferte Schineller etwa von Hans Purrmann, Martin Greif, Lina Sommer, Alexander von Bernus. Während Helmut Kohls Kanzlerschaft kam die internationale Polit-Prominenz. Das Goldene Buch der Stadt gibt Zeugnis davon. Besonders Michail Gorbatschows Besuch 1990 ist noch gut im Gedächtnis – ihm selbst auch, wie er in seinen Lebenserinnerungen schreibt. (adö/Fotos: AGK, Keystone)

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