Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Gleichstellung: Wo es Fortschritte gibt und wo nicht

Katharina Disch
Katharina Disch

Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Auch weil es dabei in der Praxis hapert, gibt es kommunale Gleichstellungsbeauftragte. „Eine wichtige Aufgabe“, sagt Katharina Disch.

Katharina Disch ist neu im Amt der städtischen Gleichstellungsbeauftragten in Speyer. Dennoch hat sie schon Erfahrung mit der Aufgabe, denn zuvor war sie fünf Jahre in Verantwortung bei der Stadtverwaltung Kaiserslautern. „Eine wichtige Aufgabe, die mir viel Freude bereitet“, sagt sie. Für den Wechsel habe sie sich entscheiden, um Privat- und Berufsleben besser vereinbaren zu können, berichtet die 39-jährige Sozialwissenschaftlerin: Sie wohne mit ihrem Lebensgefährten im Landkreis Südliche Weinstraße und habe jetzt einen deutlich kürzeren Arbeitsweg. „Ich möchte jetzt das Gelernte auf neuem Boden anwenden“, sagt sie.

In Speyer ist Disch auf Lena Dunio-Özkan gefolgt, die die Stadtverwaltung nach sieben Jahren verlassen hat. Die beiden Frauen kannten sich schon länger aus der Landesarbeitsgemeinschaft der Gleichstellungsbeauftragten, deren Vorsitz sie sich eine Zeit lang geteilt haben. In Speyer gehe es für sie in den ersten Wochen vor allem darum, Personen, Probleme und Potenziale kennenzulernen, betont Disch: „Jede Kommune hat eigene Voraussetzungen aufgrund der Bevölkerungsstruktur.“ Erster Eindruck: Die Gleichstellungsarbeit laufe gut, auch dank ihrer Stellvertreterin Julia Kratz und Mitarbeiterin Monika Nagels. „Ich werde bereits in viele Prozesse eingebunden“, sagt Disch, die überzeugt ist, dass auch eine weibliche Verwaltungsspitze – wie im Speyerer und Kaiserslauterer Fall – das Bewusstsein für ihre Themen erhöht.

Es hat sich einiges getan

Kommunale Gleichstellungsbeauftragte haben zum einen Aufgaben innerhalb der Verwaltung, die in Speyer mehr als 1300 Mitarbeiter zählt, aber auch auf das komplette Gemeinwesen bezogen. Da gehe die Arbeit nicht aus, weiß Disch. Natürlich habe sich einiges bewegt in der Gleichstellung der Geschlechter, seit vor fast vier Jahrzehnten die spätere Landtagsabgeordnete Friederike Ebli Speyers erste Verantwortliche in diesem Bereich geworden sei. „Es wäre auch demotivierend, wenn es gar keine Fortschritte gäbe“, sagt sie und nennt die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder die größere Bereitschaft von Vätern, in Elternzeit zu gehen, als Errungenschaften.

Vieles liege aber noch im Argen. „Wir kommen bei Themen wie Gewalt nicht so einfach voran.“ Gewalt gegen Frauen werde in vielen Formen ausgeübt. „Es gibt leider keinen Knopf, den man für einen großen gesellschaftlichen Wandel in diesem Bereich drücken könnte“, so Disch. Sie beklagt einen Rückfall in patriarchalische Zeiten, wenn etwa ein „Tradwife“-Modell mit konservativem Rollenbild als Ideal dargestellt werde. Es gebe weiterhin bei vielen Männern ein verfestigtes antifeministisches Weltbild. Und es würden auch immer noch Zweifel artikuliert, ob es Gleichstellungsbeauftragte überhaupt brauche. Sie wisse es besser und besinne sich in solchen Fällen auf das, was gut laufe, um nicht im Frust zu verharren, betont Disch.

„Ich arbeite mich stetig voran“, sagt sie über ihren Anfang in Speyer. Derzeit stünden viele Antrittsbesuche bei Netzwerk-Partnern an, im Hintergrund liefen aber auch schon Vorbereitungen etwa für den Weltfrauentag am 8. März. Wichtige Grundlagen ihrer Arbeit auf höherer politischer Ebene seien die Umsetzung der Istanbul-Konvention zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und das Gewalthilfegesetz, bei dem es aktuell um die Auslegung auf rheinland-pfälzischer Ebene gehe. Davon hänge auch ab, welche Ressourcen etwa für Gewalthilfe und Gewaltschutz in Speyer zur Verfügung stünden, wie das Frauenhaus ausgestattet werden könne und ob in einem chronisch unterfinanzierten Bereich auch Bedarfe über die reinen Pflichtaufgaben hinaus abgedeckt seien.

Arbeit mit vielen Dimensionen

Disch ist über Jobs in einem Forschungsinstitut, bei einem freien Träger in der Geflüchtetenarbeit sowie in Stabsstellen für Asyl und Bildung der Stadt Kaiserslautern zur Gleichstellungsstelle gekommen. Das Wissen um die Bedeutung ihrer Aufgabe trage dabei zu ihrer „starken intrinsischen Motivation“ bei, betont sie. Bei ihrer Arbeit wolle sie stets auch ein Augenmerk darauf haben, dass Gleichstellung viele Dimensionen hat. Dazu gehöre etwa der barrierefreie Zugang von Personen mit Beeinträchtigungen zu Veranstaltungen.

Gerne erzählt die neue Gleichstellungsbeauftragte von ihrer liebsten Beschäftigung in der Freizeit: „Ich bin passionierte Reiterin.“ Sie sei schon immer ein Pferde-Fan und habe mit fünf Jahren Reiten gelernt. Ihr eigenes Pferd habe schon einige Jahre auf dem Buckel und sei inzwischen eher an gemeinsamen Spaziergängen als an Ausritten interessiert. Auch diese passten zu ihrer Tier- und Natur-Begeisterung, so die gebürtige Neustadterin.

One Billion Rising: Tanzkundgebung gegen Gewalt an Frauen, in Speyer in der Vergangenheit auch schon mit Beteiligung der städtis
One Billion Rising: Tanzkundgebung gegen Gewalt an Frauen, in Speyer in der Vergangenheit auch schon mit Beteiligung der städtischen Gleichstellungsbeauftragten.
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