Speyer
Gemeinschaftswohnen: Speyerer Verein nach Absage auf Immobiliensuche
Carmen Zurheide, Luise Sobetzko und ihre Mitstreiter geben nicht auf. Sie sehen sich gerüstet für ein gemeinschaftliches Wohnprojekt, das sie zusammen mit dem Mietshäuser-Syndikat als Geldgeber umsetzen möchten. Die Grundidee: Mehrgenerationenwohnen in Speyer. Dafür fehlt jedoch weiterhin die passende Immobilie. „Drei Besichtigungen privater Objekte im Speyerer Zentrum entsprachen leider nicht unseren Vorstellungen. Unter anderem, weil der Sanierungsbedarf nicht in Relation mit dem Kaufpreis stand“, berichten die beiden Sprecherinnen.
Eine Immobilie gebe es jedoch, die ihren Vorstellungen voll entsprechen würde: das Schererstift der Diakonissen in der Bartholomäus-Weltz-Straße, das seit Jahren ungenutzt ist. „Nach der Begehung mit professioneller Begleitung konnten wir einschätzen, wie und in welchem Umfang wir in Eigenleistung Umbauarbeiten vornehmen könnten. Wir bekundeten unser Interesse und führten zwei Gespräche mit den Verantwortlichen“, so Sobetzko und Zurheide. Es habe jedoch keinen Zuschlag gegeben, und das Gebäude stehe weiter leer.
So planen die Diakonissen
Die Diakonissen haben im Februar die Schifferstadter Baufirma Heberger als Investor für das angrenzende, ebenfalls leerstehende Kita-Gelände vorgestellt. Dieses soll abgerissen und durch ein Mehrfamilienhaus mit sechs bis acht Wohnungen ersetzt werden. Zum denkmalgeschützten Schererstift wurde damals mitgeteilt, dass die Zukunft offen sei. Das konkretisiert nun auf Anfrage Diakonissen-Sprecherin Barbara Fresenius: Man verhandle nicht mit anderen Kaufinteressenten, weil auch das Schererstift Heberger zugesagt sei.
Das Bestreben sei weiterhin, sowohl das Grundstück der ehemaligen Kita als auch das Schererstift zusammen an einen Anleger zu verkaufen, der die Grundstücke weiterentwickelt. „Mit dem Investor, mit dem wir bereits seit über sieben Jahren in Gesprächen mit der Stadtverwaltung sind, wurde eine Absprache getroffen, dass beide Grundstücke an ihn veräußert werden, wenn auf dem Grundstück der ehemaligen Kita eine wohnwirtschaftliche Nutzung möglich ist“, so Fresenius. Heißt im Klartext: Wenn die jetzt vorgestellten Neubau-Pläne genehmigt werden, wird auch der Altbau mitverkauft.
Das Schererstift ist von Architekt Heinrich Jester 1882 fertiggestellt worden und besticht mit seinen neugotischen und klassizistischen Motiven. Sein Name erinnert an Carl Anton Scherer, den ersten hauptamtlichen Hausgeistlichen der Diakonissen, der darin mit seiner Familie lebte. Der Heberger-Vorrang auch für dieses Gebäude sei „allen anderen Kaufinteressenten in den vergangenen Jahren stets klar kommuniziert“ worden, so Fresenius. Die Diakonissen wollen demnach mit dem zu erwartenden Verkaufserlös „den bereits im Oktober 2019 bezogenen Neubau der Kinder- und Jugendhilfe mit einem Investitionsvolumen von 10 Millionen Euro refinanzieren“.
Suche geht weiter
Für „Schöner Wohnsinn“ ist das eine schlechte Nachricht. Das Schererstift wäre für sie optimal gewesen, so Sobetzko und Zurheide: „Zentrumsnah, groß genug für Wohnbereich mit Gemeinschaftsräumen und zusätzlich als öffentliche Begegnungsstätte nutzbar.“ Nun gehe die Suche nach einer Alternative weiter. Circa 500 Quadratmeter Wohnfläche, ein Außenbereich und eben die Lage wären entscheidend, um das schon entworfene Nutzungskonzept umsetzen zu können. Hinweise seien über den Instagram-Kanal der Gruppe oder über die Website unserhausinspeyer.de möglich.
Dort können sich auch mögliche Mitstreiter melden, denn die Gruppe sucht noch Zuwachs. Hatte sie 2024 aus zehn Erwachsenen und fünf Kindern bestanden, die einziehen wollten, ist jetzt von sechs Erwachsenen und vier Kindern die Rede. Für Interessierte bestehe jeden ersten Donnerstag im Monat bei einem Stammtisch die Möglichkeit zum gemeinsamen Austausch. Die Grundprinzipien seien unverändert: Angestrebt seien ressourcenschonendes Wohnen, ein hierarchiefreier, respektvoller Umgang miteinander und die Zusammenarbeit mit gemeinnützigen Organisationen.
Sobetzko und Zurheide berichten, dass die Gruppe in den vergangenen Monaten alles andere als untätig gewesen sei. Sie habe sich auf unterschiedliche Weise mit dem Thema Mehrgenerationenwohnen näher befasst. Sie habe an Veranstaltungen der Landesbeauftragten für gemeinschaftliches Wohnen teilgenommen, andere Projekte in Bad Dürkheim, Mannheim und Heidelberg besucht sowie viele Gespräche geführt. Sie skizziere in Arbeitskreisen eine Wohnwende in Speyer und lade zusammen mit dem Verein Inspeyered zu Veranstaltungen ein. Zum Thema Leerstand gab es schon einen Termin im Media-Tor, dem nun noch ein Stadtspaziergang folgen soll: Dieser ist am Dienstag, 28. April, geplant und werde zu gegebener Zeit unter inspeyered.de detaillierter angekündigt.