Speyer Gegen K.O.-Tropfen: Neue Kooperation verteilt Testarmbändchen
Ausgehen, Spaß haben, feiern: Für viele junge Menschen gibt es kaum etwas Schöneres. Doch die Freude kann schnell vorbei sein, wenn Partybesucher Opfer von K.O.-Tropfen werden.
Der Zonta Club Speyer-Germersheim – ein Netzwerk von Frauen für Frauen – hat sich unter anderem dem Kampf gegen Gewalt an Frauen und Mädchen verschrieben. Von K.O.-Tropfen gehe dabei eine immer größere Gefahr aus. „Alle bei uns im Service-Club kennen Frauen, die damit bereits Erfahrungen machen mussten“, sagt Präsidentin Sabina Matter-Seibel. K.O.-Tropfen zu verabreichen „ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat“, ergänzt Hanne Gabel-Monka, die dem Freundeskreis des Zonta-Clubs vorsteht. Die Folgen könnten schrecklich sein, oft stünden Missbrauchsfälle dahinter. Betroffen seien meist, aber nicht ausschließlich Frauen. Oft schämten sie sich, über das Geschehene zu sprechen und würden viele Vorfälle gar nicht erst melden.
Aufklären und sensibilisieren
K.O.-Tropfen umfasst verschiedene Drogen – in der Regel ist allerdings die Rede von Gammahydroxybutyrat (GHB) – auch bekannt als Liquid Ecstasy. „Die Tropfen wirken schnell, denn die Drogen setzen Menschen, die sie einnehmen, rasch außer Gefecht“, schreibt die Krankenkasse AOK. Die Wirkung sei oft individuell, in der Regel seien Opfer aber über mehrere Stunden bewusstseinsgetrübt, benommen oder komatös. „Das heißt, sie haben keine Kontrolle über ihr Verhalten und können sich meist später auch nicht mehr erinnern“, erklärt die AOK. K.O.-Tropfen würden Opfern oft heimlich in Getränke gemischt.
Der Zonta Club will junge Menschen sensibilisieren, über die Gefahren aufklären – und praktischen Schutz vor den Tropfen bieten. Dafür haben die Ehrenamtlerinnen rund 1100 Testarmbändchen besorgt. Jedes Armband verfüge über zwei Testfelder. Schon wenige Tropfen eines Getränks reichen, um mögliche Gefahren nachzuweisen. Verfärbt sich das Armband blau, sei das ein Nachweis für GHB. Die Überlegung: „Wie können wir so viele Menschen wie möglich erreichen?“, fasst Matter-Seibel zusammen. Und da sei die Jugendberufsagentur Plus mit Sitz in der Seekatzstraße ins Spiel gekommen. Das Projekt – gefördert aus den Mitteln des Europäischem Sozialfonds Plus – bietet Jugendlichen vielfältige Beratungen an.
Auch Eltern erreichen
Gemeinsam mit der regionalen Koordinatorin Andrea Schmitzer und der städtischen Sachgebietsleiterin Schul- und Jugendsozialarbeit Bettina Baldauf entwickelten die Zonta-Vertreterinnen ein Konzept zur Prävention gegen K.O.-Tropfen. An jeder der weiterführenden Schulen in der Stadt sollen Schulsozialarbeiter die Armbändchen ausgeben und Aufklärungsarbeit leisten. Nach den Sommerferien soll die Aktion starten und zusätzlich über die schuleigene Plattform Sdui beworben werden. Mit ausgegeben werde auch ein Informationszettel, der die Handhabung der Armbänder erklärt und Tipps gibt für den Fall, dass das Testfeld wirklich blau werden sollte. Dann sollten sich Betroffene dringend an der Bar oder etwa beim Türsteher melden.
Der Ansatz sei ganzheitlich, ergänzt Gabel-Monka. Auch Jungs sollen in die Präventionsarbeit einbezogen werden. Und: „Wir wollen auch die Eltern erreichen.“ Vielen sei das Problem nicht richtig bekannt. Und nicht zuletzt seien Mädchen, die sich mit Testarmbändern schützen wollten, auch auf finanzielle Hilfe angewiesen. Rund zwei Euro kosten die Armbänder. Sie seien beispielsweise in Drogeriemärkten erhältlich.
Die Bändchen könnten ein Einstieg in die Präventionsarbeit sein, sagen die Initiatorinnen. Die Schulsozialarbeiter könnten auch gezielt in die Klassen gehen und gemeinsame Strategien für sichere Partyabende entwickelt. „Zum Beispiel kann man sich ein Getränk teilen und nichts unbeaufsichtigt herumstehen lassen“, sagt Gabel-Monka. Zudem seien spezielle Deckel erhältlich, die verhindern, dass Tropfen unbemerkt in Drinks geschüttet werden können. Auch Bars und Discos reagierten inzwischen und hätten zum Beispiel immer häufiger eigene Test-Kits vorrätig.