Speyer Gegen 18 Uhr bricht der Sturm aus
«Ludwigshafen.» Um 17 Uhr brutzelt die erste Wurst. Zehn Fuhren Brötchen sind aufgeschnitten – Ruhe vor dem Sturm. Unten stehen die ersten Fans. Oben genehmigen sich die Helfer die Früchte ihrer Arbeit. Die Würste schmecken. Das Bier fließt. Bevor die Gästefans kommen, rücken die Helfer die Weck in Position, damit’s schneller geht – eine gute Idee. Der Sturm bricht etwa um 18 Uhr aus. Genau lässt sich das nicht sagen. Denn es bleibt keine Zeit, auf die Uhr zu schauen oder sich gar Notizen zu machen. Das Team unter der Bierzeltgarnitur funktioniert wie ein Uhrwerk – heute verdammt wichtig. Wurst um Wurst wird bestellt und herübergereicht. Manchmal dauert es dann doch ein paar Minuten länger. Die Fans haben Verständnis. Es beginnt zu regnen. Auch bei Sauwetter knurrt der Magen – und wie. Kaum zu glauben, wie viel doch 6000 Menschen sein können. Und dabei sind an dem Stand beim Stehblock des FV Dudenhofen nicht einmal die Hälfte der Zuschauer zugeteilt. Aber der Verdacht kommt auf, dass auch aus den anderen Bereichen Besucher dem lockenden Geruch folgen. Etwa eine halbe Stunde vor Spielbeginn sieht das Verkaufsteam vom Rasenplatz schon gar nichts mehr. Kurz vorm Anpfiff drohen die Brötchen auszugehen. Der Nachschub kommt und wird fachgerecht aufgeschnitten. Die Lauterer Fans zünden Pyro-Technik. Auch am Grill geht es heiß her. Der Strom der Hungrigen ebbt nicht ab – gut für die Kasse, schlecht für die Nerven des Teams. Das Spielgeschehen verfolgt die Crew rein übers Gehör. Das gelegentliche Zuschauerraunen gibt Aufschluss darüber, was passiert sein könnte. Parallel zum regen Bratwursthandel macht sich der Zwischenstand aus München breit. Die Bayern liegen 1:2 zurück! Gegen Heidenheim. Wahnsinn. Stark wohl auch die Leistung des FVD gegen den FCK, es steht lange 0:0. Mitte der ersten Hälfte flacht der Bratwurstwunsch ab. Das Spiel wohl auch, kaum ein Zuschauer raunt. Paradox, dass nicht nur die Fans des FCK auf der anderen Stadionseite ihr Team anfeuern, sondern auch aus dem FVD-Block fast nur „Kaiserslautern“-Rufe schallen. Es schlagen halt bei vielen zwei Herzen in der Brust. Das 0:0 bei Dauerregen schlägt den Besuchern aber offenbar nicht auf den Magen. In der Pause wird fleißig konsumiert. Damit hat sich’s aber schnell nach Wiederanpfiff. „Bei eich lafts jo schneller wies Katzebaby kriege“, lobt ein Fan. Ein anderer kommt drei-, viermal an diesem Abend. Und jedes Mal lobt er den FVD für seine gute Leistung. „Ihr könnt stolz sein auf eure Jungs“, meint er zum Abschied. Ein Mitverkäufer wirbt immer wieder mit einem Sonderangebot: „Drei zahlen, eine essen.“ Das zieht nicht. Warum bloß? Plötzlich geht doch ein Raunen durchs Stadion. Tor? „Wohl nicht, dann wär’s lauter gewesen.“ Wenig später der Beweis: So klingt ein Torjubel. Stadionsprecher Florian Kober bestätigt das dann auch schnell, 0:1, gar 0:2. Jetzt droht Übles. Doch im Gegenteil, noch ein bisschen später hallen Buhrufe aus dem Block. Es gibt Elfmeter für den FVD. Kevin Hoffmann verwandelt. Zum Ausgleich reicht es für Dudenhofen nicht. Aber bei ein paar Besuchern reicht das Geld trotz des Konsums einiger Becher Bier noch für eine Heimwegwurst. „Die Weißen sind weg, nur noch Rote“, lässt der Grillmeister wissen. Um 21.39 Uhr geht die letzte Wurst über den Tisch. Sport