HARTHAUSEN
Fußball: Wie ein Trainer das Spiel sieht
Dass Jardot nach einer Saison als Spielertrainer beim ASV aufhört, hat eher private Gründe. Denn seit Januar ist der in Dudenhofen wohnende Mitarbeiter einer Bank Familienvater.
Drei Euro ins Phrasenschwein müsste er schon mit seiner Antwort auf die Frage „Wann beginnt Ihre Spielvorbereitung“ zahlen.
Denn der Harthäuser kommt mit der Fußballweisheit schlechthin von Sepp Herberger: „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.“ Die Vorbereitung macht Jardot abhängig vom Gegner. „Wenn wir gegen eine Spitzenmannschaft spielen, gibt es natürlich ganz andere Schwerpunkte“, erzählt er und verweist auf möglich defensive Spieltaktiken.
Am unmittelbaren Spieltag sind Jardot und sein ASV, den er in seiner Karriere wegen Spielerengagements in Mutterstadt und beim SV Südwest Ludwigshafen verließ, doch äußerst durchstrukturiert. „Wir treffen uns immer 75 Minuten vor Spielbeginn am Spielort“, sagt er: „Manchmal schauen wir vorher noch die erste Halbzeit unserer zweiten Mannschaft.“
Heiß machen
Jardot stammt aus der Jugend des FV Dudenhofen und kam dort in seinen ersten Aktivenjahren auch mal in der Landes- und Verbandsliga zum Kurzeinsatz. Etwa eine Stunde vor dem Anpfiff geht es dann in den Besprechungsraum: „Ab der Ansprache soll dann die Konzentration da sein.“
Abgelenkte Kicker müsse er ab und zu ermahnen. Beim Warmmachen, das Kapitän Nico Eisensteck für die Feldspieler übernimmt, führt er mit manchen Akteuren Einzelgespräche. „Ich weise dann noch mal auf bestimmte Stärken von Spielern hin“, erklärt der ASV-Trainer.
In den Minuten vor dem Anstoß machen Jardot und Eisensteck ihr Team heiß. „Wir bilden dann einen Kreis, hören unsere Kabinenmusik, und Nico und ich sagen noch ein paar Worte.“
Diebische Freude
Rollt der Ball beim A-Klassisten, sieht sich Jardot durch die Maßnahmen des gegnerischen Trainers nur wenig beeinträchtigt: „Ich habe als Spielertrainer schon genug Aufgaben auf dem Feld. Ich frage mich eher, wie ich selbst das Spiel beeinflussen kann“, erklärt er.
Nur zwei Partien in dieser Saison erlebte er ausschließlich von der Seitenauslinie. Das stimmt ihn nicht ganz zufrieden. Denn eigentlich habe er lieber von außen coachen wollen.
Eines bereitet Jardot besondere Freude. Das Auscoachen des Trainerkonkurrenten. „Was kann es Besseres geben, wenn man die Stärken des Gegners verhindert, oder wenn man merkt, dass die Maßnahmen greifen?“, meint er lachend.
Keine Angst
Die Ängste, den Druck, die Trainer im sensiblen Fußballgeschäft, samt Entlassungen und Zuschauerimpulsen ausgesetzt sind, kennt Jardot nicht. „Bei anderen Vereinen ist das vielleicht der Fall. Wir organisieren uns selbst. Ich hatte trotz weniger Punkte nicht die Angst, rausgeworfen zu werden. Ich hatte volle Rückendeckung“, sagt der Trainer des Drittletzten.
Coach oder Spieler, Jardot sieht eine Situation genau gleich. „Die letzten Sekunden, wenn du führst oder hinten liegst, sind nicht anders. Da sind Freud’ und Leid ganz nah beisammen.“