Speyer
Fußball: Oberligavereine fürchten um Zuschauer
Was halten Sie von der Einführung einer Europäischen Superliga?
Dieter Demmerle (Sportdirektor TuS Mechtersheim): Die Idee ist katastrophal und eine klare Herabstufung der nationalen Ligen. Ich sehe keinen richtigen Wettbewerb. Nach welchen Kriterien werden die Vereine ausgewählt, die da rein dürfen? Das ist willkürlich und immer nur eine Momentaufnahme. Die Stellungnahme des FC Bayern München war richtig gut. Sie sind wirtschaftlich sowieso ein Vorbild.
Florian Kober (Sportlicher Leiter FV Dudenhofen): Ich glaube, dass es kurzzeitig für viele interessant scheint, wenn nur die Top-Teams der Welt zusammen in einer Liga spielen. Allerdings denke ich, dass dieser Hype relativ schnell vorbeigeht. Alle anderen Wettbewerbe, ob die Liga oder die Champions League, verlieren an Attraktivität. Ich fand es überragend, dass die deutschen Vereine Flagge zeigten und dagegen waren. Am Ende geht es wieder mal nur um die Kohle. Diese Entwicklung wird jährlich schlimmer im Fußball.
Dennis Will (Cheftrainer FC Speyer 09): Wenn man sich als Verein nicht mal dafür qualifizieren kann, verliert das Ganze seinen sportlichen Gedanken. Für mich stellt sich auch die Frage nach der Organisation, wenn FIFA und UEFA komplett dagegen sind. Die Champions League würde dadurch abgewertet werden. Irgendwie ist es langweilig, Jahr für Jahr immer die gleichen Spiele zu sehen. Dass ein weiteres Abonnement für diese Spiele nötig wäre, ist sicherlich auch nicht verbraucherfreundlich.
Inwiefern befürchten Sie noch größeren Zuschauerschwund durch zusätzliche Wettbewerbe oder die Vergrößerung der Champions League?
Demmerle: Jedes hochklassige Spiel, was zeitgleich mit der Oberliga stattfindet, hat Auswirkungen auf die Zuschauerzahl, klar. Wir müssen versuchen, losgelöst davon zu spielen, was natürlich schwer ist. Der Zeitraum für die Oberliga wird immer enger. Wir sollten aber beachten, dass im Amateurfußball die Profis der Zukunft entwickelt werden, und müssen schauen, dass wir es in Einklang bringen. Jeder Zuschauer sollte wissen, was er von einem guten Oberliga-Spiel hat. Es ist oft interessanter als ein Profi-Spiel.
Kober: Ich denke auf den ersten Blick nicht, dass es uns Zuschauer kosten wird. Ich bin der Meinung, dass sich die Mehrheit der Deutschen diesen Wettbewerb nicht angeschaut hätte. Ich denke eher, dass die Pandemie bei einem Re-Start Zuschauer kosten wird. Viele haben den Reiz am Fußball durch die lange Pause verloren. Dies wurde in vielen Gesprächen in den letzten Wochen und Monaten klar. Warten wir es ab.
Will: Ich denke, es ist abhängig vom Spiel. Man sollte es differenziert betrachten, ob der FC Speyer ein Derby in der Oberliga spielt oder ob es ein Verein mit zweistündiger Anreise ist. Klar ist: Es wird Auswirkungen haben. Es laufen einfach zu viele Profispiele parallel zu Amateurspielzeiten.
Zur Sache: Internationale Wettbewerbe
In der Nacht zum Montag schlug die Meldung über eine geplante Super League im europäischen Fußball hohe Wellen. Es sollte eine Liga mit 20 Top-Mannschaften entstehen, die ohne Auf- und Abstieg in Konkurrenz stehen. Diese Liga wird nicht kommen, stattdessen hat der Europäische Fußballverband (UEFA) eine Reform der Champions League beschlossen. Statt 125 werden dort jetzt 225 Spiele ausgetragen. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen, befürchten Vertreter der Amateursportvereine und Fans.