Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Frische Ideen für Städtepartnerschaften gesucht

2024: Stadt-Mitarbeiter sorgen für neuen Glanz am Platz mit den Wappen der Städtepartnerschaften. Damit sei es jedoch nicht geta
2024: Stadt-Mitarbeiter sorgen für neuen Glanz am Platz mit den Wappen der Städtepartnerschaften. Damit sei es jedoch nicht getan, betonen Freundeskreise.

Ist es wirklich so schlimm um Speyers Städtepartnerschaften bestellt? „Der Motor stottert nicht, er stirbt ab“, sagt ein Aktiver.

Mit einem Empfang haben die Freundeskreise der Speyerer Partnerstädte den Auftakt zu zahlreichen geplanten Veranstaltungen und Projekten im Jahr 2025 gemacht. Dazu zählen Bürgerreisen, Schüleraustausche, Konzerte, Filmvorführungen und Vorträge. Als Glanzlichter angekündigt wurden das Fest der Kulturen im Mai sowie Bürgerreisen nach Ravenna (21. bis 27. April), Chartres (noch nicht fest terminiert), Gniezno (20. bis 27. Juli) und Chichester (21. bis 28. August).

Bürgermeisterin Monika Kabs (CDU) hob die herausragende Bedeutung und das große ehrenamtliche Engagement der Freundeskreise hervor. Aber es gab auch nachdenkliche und kritische Töne zu hören. Manfred Fahrner, Vorsitzender der Chartres-Freunde in Speyer, sprach davon, dass der deutsch-französische Motor im Großen seit vielen Jahren stottere, „die Regierenden nicht mehr denselben Draht zueinander hätten, wie zu Zeiten von Präsident de Gaulle oder bis hin zu Bundeskanzler Kohl“.

„Der falsche Reflex“

Das sei längst auch auf der lokalen Ebene zu spüren, so Fahrner, was sich in der rückläufigen Beteiligung an Projekten, Bürgerreisen und gegenseitigen Besuchen zeige. Fahrner kritisierte die mit personellen Engpässen im Kulturbüro begründete städtische Absage des Weihnachtsmarkts der Partnerstädte 2024, die nur durch zusätzliches Engagement der Freundeskreise abgewendet werden konnte. Das sei der „falsche Reflex“ auf Seiten des Kulturbüros gewesen.

Aber es gibt auch personelle Probleme innerhalb des Freundeskreises. „Wir leiden heute unter Überalterung, viele Mitglieder aus den erfolgreichen Jahren können nicht mehr. Eine Verjüngung ist bisher nicht ausreichend gelungen. Der Motor stottert nicht, er stirbt ab“, warnte Fahrner. Was fehlt, seien Menschen, die sich weiter für die Städtepartnerschaftsidee engagieren, wobei es ihm nicht um Helfer für verschiedene Aktionen ging, sondern um „Leute mit Ideen, die Projekte kreativ gestalten, planen und organisieren, also Verantwortung übernehmen“. Mit Blick auf die anstehende Mitgliederversammlung des Freundeskreises Chartres am 26. Februar bat er eindringlich um Beteiligung und Engagement, um den Fortbestand des Freundeskreises zu sichern: „Benötigt werden frische Ideen und neue Leute mit Begeisterung für die Partnerschaftsidee.“

Chartres- und Gniezno-Freunde laden ein

Deutlich wurde durch Fahrners Beitrag, dass die Partnerschaftsarbeit insgesamt eine nachhaltige Erneuerung braucht. Das betrifft die städtische Unterstützung von Projekten genauso wie das nachlassende bürgerschaftliche Engagement in Speyer. Denn gerade in Zeiten von weltweit aufkeimenden Nationalismen könnte dem Städtepartnerschaftsgedanken wieder eine wichtigere Rolle zukommen. Die zur Selbstverständlichkeit gewordenen Beziehungen müssten neu gedacht und befeuert werden.

Die komplett anwesende Stadtspitze vernahm die Appelle, und auch etliche Repräsentanten der im Stadtrat vertretenen Fraktionen zeigten Flagge für Europa und für die internationale Partnerschaftsarbeit. Stellvertretend für alle Freundeskreise hatten in diesem Jahr die Chartres- und Gniezno-Freunde zum Empfang ins Historische Rathaus geladen. Großen Beifall erntete der musikalische Beitrag der erst 17-jährigen Anna Mathilda aus der städtischen Musikschule. Sie glänzte am Flügel mit einer frischen, unverbrauchten Stimme und einfühlsam interpretierten Pop-Balladen.

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