Speyer Frieren in Irland, träumen von Bhutan

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Speyer. Mit 17 Jahren hatte Silke Schütt noch Angst vorm Fünf-Kilometer-Lauf. Heute scheut sie weder Marathon noch Ultra-Distanzen. Die Römerbergerin liebt die Länge, bei der sie ihre Ausdauerfähigkeit einsetzen kann. Und sie bezwingt die eigenen Grenzen, selbst wenn die Hände nahezu eingefroren sind wie beim Marathon in Irland.

„Das war einer der wenigen Momente, in denen ich ans Aufhören gedacht habe“, berichtet Schütt im Gespräch mit der RHEINPFALZ vom Jahresanfang 2016. Stürmisch sei es gewesen. Eine andere Frau sei zusammengebrochen. Schütt aber lief weiter. Am Ende ließ sie sich die Jacke von jemand anderem öffnen, weil die eigenen Hände nicht mehr wollten. Situationen wie diese erlebt die Sportlerin des RC Vorwärts Speyer nicht oft, dafür etliche Herausforderungen, die den Körper auf die Probe stellten. In Marokko startete Schütt beim Tafraout Atlas Trail über 72 Kilometer. Platz vier belegte die 42-Jährige als beste Nicht-Marokkanerin in der Altersklasse W40. Drei Wochen später folgte beim Marathon in Portugals Norden Rang drei – keine Spur von Ermüdungserscheinungen. Dass es einmal soweit kommt, hätte Schütt selbst nicht gedacht, als sie – 1992/93 als Austauschschülerin in den USA – in einem Crosslauf-Team mit ihren Gastschwestern startete. „Ich hatte Angst, dass ich die fünf Kilometer nicht schaffe“, erinnert sich Schütt. Sie schaffte sie. Schwieriger wurde es beim ersten Marathon 2001. „Da habe ich mich nur gequält“, berichtet die Läuferin. Im Fitnessstudio traf sie auf einen Mann, der ihr einige sportliche Tricks und Kniffe beibrachte. Ein Laufseminar hatte Schütt schon zuvor besucht. Die Kombination zeigte Wirkung. „2015 habe ich gedacht, ich probiere was Neues und gehe auf Ultra-Distanzen“, erzählt die Sportlerin von den Läufen weit über den 42,195 Kilometern. Der Grund dafür: „Die Leute laufen nicht nur auf Zeit, sondern tauschen sich aus und sind wie eine große Familie.“ Abgesehen davon punktet Schütt mit ihrer Ausdauer, die manch anderen bei den enormen Strecken Probleme bereitet. Schütt: „Wenn man Ultras macht, wird man auch in Marathons besser.“ Sieben Ultras und ebenso viele Marathons brachte Schütt im vergangenen Jahr hinter sich. Die Halb-Marathons und Zehn-Kilometer-Läufe zählt sie schon gar nicht mehr. „Alle zwei bis drei Wochen ist irgendwas“, erklärt sie, selbst an Heiligabend. Da nahm die Römerbergerin die zweite Position beim Saar-Hunsrück-Marathon am Bärenfels ein. Den Silvesterlauf in Schifferstadt, einen Zehner, nahm sie ebenfalls zum Jahresende mit. Während des Winters trainiert Schütt in der Dudenhofener Gesundheitswerkstatt auf dem Spinning-Rad. Fit halten muss sie sich, um die rund 3000 Kilometer, die sie im Jahr auf ihren Beinen unterwegs ist, gut zu schaffen. Für Schütt ist das Laufen ihr Leben. „Ich habe nie eine Familie gegründet und bin daher gerne mit anderen unterwegs“, sagt sie. Dazu lernt sie viele neue Länder kennen. Die sportliche Herausforderung in der schönen Natur steht bei ihr weit über den Straßenläufen. Dass ein Läufer auf seinen Körper hören muss, erlebte Schütt auch 2016. Ein Eisenmangel sorgte für einen Leistungsabfall. Den bekam die motivierte Frau wieder in den Griff. Und sie hat ein vages Ziel vor Augen: „In Marokko habe ich einen getroffen, der von einem 200-Kilometer-Lauf in Bhutan erzählt hat. Sowas würde mir auch gefallen.“ Bhutan ist ein Königreich im Himalaya.

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