Speyer Freistoss:
Sportler im Allgemeinen und Fußballer im Besonderen sind abergläubisch. Da gibt es seriöse, Glück bringende Methoden, wie immer den linken Schuh zuerst anziehen, stets als Letzter den Rasen betreten, oder zweifelhafte Marotten, wie die Socken nicht waschen und Insekten im Strafraum der Gegner vergraben. Und dann existieren sogar illegale Vorgehensweisen. So ertappten wir dieser Tage, sagen wir, einen Spieler aus einem Verein aus dem näheren Speyerer Umland. Der Ort, in dem er kickt, beginnt nicht mit dem Buchstaben H. Bog besagter Akteur doch tatsächlich mit einem, sagen wir, roten Kleinwagen und schwarzer Werbeaufschrift aus der Oberen Langgasse in Speyer kommend nach rechts in die Dudenhofer Straße ein – ohne zu blinken! „Blinkmuffel und Spontanabbieger – Gefahr für sich selbst und andere“, titelte fast parallel dazu ein Kraftfahrzeugversicherer in einer Pressemitteilung an die Redaktion. Doch zurück zu unserem Fußballer. „Dem jag ich mal ’nen gehörigen Schrecken ein“, dachte sich ein Witzbold, der die Abbiege-Frevelei natürlich ordnungsgemäß an der Rot zeigenden Fußgängerampel beobachtet hatte und verfasste folgende selbstverständlich nicht ernst gemeinte „Anzeige“: „Sehr geehrter Straßenverkehrsteilnehmer, Sie wurden am Montagnachmittag dabei beobachtet, wie Sie ohne zu Blinken von der Oberen Langgasse in die Dudenhofer Straße eingebogen sind. Eine entsprechende Zeugenaussage liegt uns vor. Die zuständige Ordnungsbehörde ahndet dies mit dem Abzug von sechs Punkten, aber nicht in der Sünderkartei in Flensburg, sondern in der Tabelle.“ Per E-Mail machte sich diese Botschaft auf Reisen zum Verkehrssünder. Der Beschuldigte nahm die Vorwürfe mit Humor. Seine Antwort ließ nur ein paar Minuten auf sich warten und lautete: „Wenn wir weiter gewinnen, blinke ich den Rest der Saison nicht mehr an dieser Stelle.“ Auch in der neuen Saison schauen wir auf dem ein oder anderen Sportplatz in der Region vorbei. Diesmal gelangen wir zum Fußballclub Speyer 09 beim zweiten Heimspiel der Verbandsligasaison gegen Alemannia Waldalgesheim. Der Sportpark füllt sich. Besonders die Plätze hinter der Trainerbank von Ralf Gimmy erfreuen sich heute Beliebtheit und sind schwer zu ergattern. Obwohl das Match schon läuft, kicken auf dem kleinen Kunstrasen der Anlage ein paar Kinder. Auch ein Mann ist zu erkennen. Während die Coaches von Waldalgesheim beruhigt auf ihrer Bierbank hocken und dem Spielgeschehen folgen, sitzt deren Gegenüber Gimmy keine Sekunde, wenn überhaupt, lehnt er sich an der Bande an. Ein Waldalgesheimer Fan läuft an den Trainerbänken vorbei. Auf dem Kopf trägt er eine Mütze von der Alemannia. Um seinen Hals hängt ein Schal, der an die erste Hauptrunde im Pokal 2015 gegen Bayer 04 Leverkusen erinnert. Manche Zuschauer starren ihn etwas verwundert an. Hinter dem Tor steht ein Fahrrad geparkt. Die Sonne strahlt erbarmungslos. Immer mehr Leute begeben sich hinter das Tor in den Schatten, so auch der Verfasser dieser Zeilen. Auch ein Hund liegt im Schatten und beginnt auf einmal laut zu jaulen, als sein Herrchen, das auf dem Platz als Marc Thau das Trikot des FC Speyer trägt, vorbeirennt und ein Sprintduell für sich entscheidet. Schnaken gibt es zwar, aber nicht wie sonst, dass sie dich fast auffressen. Kicker des FV Dudenhofen, die Zein-Brüder Rami und Jawad, Julian Scharfenberger, Florian Himmighöfer nehmen ihre Konkurrenten genau unter die Lupe. Der Sportliche Leiter Florian Kober ist auch dabei. Einer macht sich eifrigst Notizen. Auch sie sitzen auf den beliebten Plätzen zwischen den Trainerbänken. Der nächste Mann mit einer Fußballkappe läuft vorbei. Diesmal nicht vom Gäste-Team sondern von der Weltmeisterschaft 1994 in den USA. In der Halbzeit genießt ein Spieler der Waldalgesheimer, der nicht im Kader steht, gemütlich eine Bratwurst auf der Auswechselbank. Während in der zweiten Halbzeit des Matches der Ex-Mechtersheimer Marvin Sprengling zum Freistoß anläuft, schlendert eine Frau seelenruhig mit ihrem Kinderwagen hinter dem Kasten hin und her, unwissend, dass sie möglicherweise von einem Ball getroffen werden könnte. Die FC-Fahne am Hintereingang weht. Es gibt eine Rudelbildung auf dem Platz. Der jaulende Hund macht Anstalten, sich zu bewegen um an dieser teilzunehmen. Sicherheit im Verkehr wünscht die Sportredaktion |mer