Speyer
Freistoß: Die Super League ist ein Spiegelbild des Fußballs
Sie startete mit einem kolossalen Knalleffekt und endete wie ein jämmerlicher Jugendstreich – die Super League. Dass es so kommen musste ist logisch, sollte aber allen, die etwas mit Fußball zu tun haben, zu denken geben.
Über den Fußball gibt es zahlreiche Bücher und Filme, täglich kann sich jeder sicher sein, die aktuellsten Nachrichten in jeder Form über diese Sportart auf jeglichen Endgeräten empfangen zu können. Fußball ist omnipräsent. Sieben Tage die Woche, jeden Tag 24 Stunden. Und anscheinend so systemrelevant, dass die professionellen Akteure trotz der Pandemie ihrem Sportberuf nachgehen dürfen.
Der Fußball wird medial und finanziell bis auf den letzten Tropfen ausgepresst. Die Europäische Fußballunion (UEFA) hat mit der aktuellen Reform der Champions League bereits weiter an den Stellschrauben gedreht – mehr Spiele, mehr Fernsehgeld. Die Fans sind bedient. Dass die Super League auch diesen Unmut abbekommt, ist logisch. Aber es ändert nichts daran, dass der Ast am Absterben ist, auf dem alle sitzen. Der Fußball hat viel seiner Faszination der vergangenen Jahrzehnte verloren. Und er ist selbst schuld.
Weniger Amateurvereine
Ein Anzeichen ist auf der untersten Ebene zu verzeichnen: Die Amateurvereine werden weniger. Immer häufiger müssen Spielgemeinschaften gebildet werden, immer weniger Vereine können mehrere Mannschaften stellen. Es ist ein Anzeichen dafür, dass der Fußball seine Attraktivität verliert. Das ist natürlich ebenfalls dem Problem geschuldet, dass sich sportaffinen Kindern vor Jahrzehnten weit weniger Bewegungsalternativen geboten haben. Auch dass der Sport allgemein heute deutlich an Zuspruch in den unteren Altersklassen verliert. Dass aber gerade in vielen Vereinen der Fußball nicht mehr so nachgefragt ist, hängt auch damit zusammen, dass er seine emotionale Seite verloren hat. Und die Pandemie, die täglich mit Geisterspielen aufwartet, verstärkt diesen Eindruck noch.
Dass die Präsidenten der zwölf „Megaclubs“ aus England, Spanien und Italien gerade jetzt diese Idee an die Öffentlichkeit getragen haben, spricht dafür, dass in ihren Augen die Emotionen, die eigentlich ein wichtiger Bestandteil des Fußballs sind, gar keine Rolle mehr spielen. Das Produkt Fußball will verkauft werden. Ganz emotionslos.
Kommerzialisierung schreitet voran
Dem haben die Fans zwar emotional einen Riegel vorgeschoben. Aber es ändert nichts daran, dass der immer mehr professionalisierte Fußball seine emotionale Seite, seine Seele, verliert. Die Kommerzialisierung nebst ungerechter Verteilung der Fernsehgelder wird die Kluft zwischen reichen und armen Clubs weiter vergrößern. Der sportliche Vergleich wird weiter verzerrt. Langeweile breitet sich aus, der Frust der Fans steigt, die Attraktivität des Fußballs sinkt. Und damit werden immer mehr Fußballvereine im Amateurbereich verschwinden.
Das wird aber den Profifußball wenig interessieren. Der treibt seine Unabhängigkeit weiter voran. Beispiel gefällig? Nachwuchsleistungszentren werden für Proficlubs zur Pflicht und erhalten bald ein eigenes Ligensystem. Und wahrscheinlich kommen in ein paar Jahren wieder ein paar reiche Clubs und präsentieren die Super League erneut als Rettung des Fußballs. Willkommen in der schönen, neuen Fußballwelt.