Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Fragen & Antworten: So läuft der Corona-Betrieb im Bademaxx

„Geregelter Schwimmbetrieb“: So heißt die Vorgabe, die Kevin Zimmermann und Annalena Brönner (von links) am Becken bekanntmachen
»Geregelter Schwimmbetrieb«: So heißt die Vorgabe, die Kevin Zimmermann und Annalena Brönner (von links) am Becken bekanntmachen.

Gerade noch rechtzeitig in der ersten Woche der Sommerhitze – seit Montag gibt’s Tickets, am Donnerstag darf wieder geschwommen werden nach dreieinhalb Monaten Pause im Bademaxx. Aber es ist nichts wie vorher. Die Auflagen sind streng, der Zutritt ist begrenzt. Wer wann und wie kommen darf, ist eine Wissenschaft für sich.

Wer darf zum Schwimmen kommen?
Gehen die Besucherzahlen in anderen Jahren an Top-Tagen in Richtung 4000, macht Betreiber Stadtwerke in diesem Jahr bis auf Weiteres bei 450 Menschen im Bad, davon maximal 150 im Wasser, Schluss. Es ist auch nicht durchgehend geöffnet, sondern täglich für zwei separate Zeitspannen von 8 bis 12.30 Uhr und von 14 bis 19.30 Uhr. Tickets dafür müssen jeweils separat im Internet erworben werden. Möglich ist das für bis zu vier Tage im Voraus – und zwar ausschließlich unter www.bademaxx.de/tickets. Bezahlmöglichkeiten: Giropay, Paypal, Lastschrift. Dabei sind persönliche Daten anzugeben, um bei einer Covid-19-Erkrankung Infektionsketten nachverfolgen zu können. Der Betreiber: „Es sollen Wartezeiten vermieden und ein sicherer Umgang mit Kundendaten gewährleistet werden. Nach einem Monat werden diese gelöscht.“

Was machen Interessierte ohne Internet?
„Wir appellieren an die Badegäste, sich im sozialen Umfeld Hilfe zu suchen, wenn eine eigene Buchung über Online-System nicht möglich ist“, sagt Sonja Daum, Sprecherin der Stadtwerke. Es gehe um einen schnellstmöglichen Zugang zum Erlebnisbad. Das alles sei eine Herausforderung für die Badegäste wie das Personal. „Das Online-Ticket wird ausgedruckt oder als QR-Code auf dem Smartphone am Freibad-Eingang abgescannt“, so die Anleitung. Es werden auch keine Saisonkarten verkauft und keine Gutscheine angenommen. Die Online-Ticketbuchung sei mit dem Kassensystem nicht kompatibel. Deshalb sei das Preissystem vereinfacht worden: Es gibt jeweils nur einen Erwachsenentarif (3,30 Euro vormittags/4,20 Euro nachmittags) und einen ermäßigten Tarif (2,20/3,30 Euro). Kinder bis fünf Jahre sind frei. Erste Resonanz am Montag, 14.15 Uhr: Für Donnerstag- und Freitagvormittag waren zusammen 68 Tickets verkauft für die Nachmittage 146.

Wie ist der Ablauf im Freibad?
Hände desinfizieren, Sicherheitsabstände einhalten, im Zugangsbereich Atemschutz tragen, Wegekonzept befolgen – das kennt man inzwischen auch aus anderen Lebensbereichen. „Verlassen Sie die Becken nach dem Schwimmen unverzüglich und vermeiden Sie Menschenansammlungen“, so die Aufforderung an die Besucher. Sie werden auch gebeten, vorab zu Hause zu duschen, weil außer zwei Freiland-Kaltduschen am Beckenrand keine Bademaxx-Brausen in Betrieb sind. In diese Duschen wie auch in die WCs darf jeweils nur eine Person eintreten. Die Umkleiden sind geöffnet, aber Liegen, Schirme, Föhne, Mietfächer, Weidehüttchen oder Tische stehen nicht zur Verfügung.

Was ist im Becken erlaubt?
„Grundsätzlich wird der Fokus auf sportliches Schwimmen gelegt. Baden und Planschen soll nur in geringem Ausmaß stattfinden“, so die Stadtwerke. Zwei Bahnen werden als ein „Durchschwimmbogen“ definiert und markiert, sodass ein Bahnen-Schwimmen ohne Begegnung möglich wird. „Es ist nur erlaubt, im Kreis zu schwimmen und nicht zu überholen“, heißt es. Im Schwimmerbecken seien drei Bögen oder Kreise geplant, im Freizeitbecken einer. Der Personal sortiere die Gäste – wenn notwendig – nach Geschwindigkeit ein. Im Freizeit- und Kinderplanschbecken dürfen junge Badefreunde nur mit einem dafür haftenden Erwachsenen ins Wasser gehen. Im Kleinkinderbereich sind maximal acht Kinder mit je einem Erwachsenen zulässig. Im Freizeitbecken ist die Breitrutsche geöffnet.

Ist auch etwas anderes als schwimmen möglich?
Wie gesagt: ein bisschen rutschen, ein bisschen planschen. Ansonsten bleiben rund um die Becken viele Anlagen geschlossen, weil deren Betrieb nicht mit dem Hygienekonzept der Stadtwerke, das an Vorgaben des Landes und Empfehlungen des Bäder-Fachverbands vereinbar wäre. Nicht geöffnet sind demnach: Hallenbad, Sprungturm, Regenbogenrutsche, Regengrotte im Freizeitbecken, Fitnessgeräte, Spielplätze, Volleyballfeld. „Ballspielen ist derzeit nicht gestattet“, so die Stadtwerke. Auch Animationsprogramme und Kurse werden nicht angeboten. Der Verkauf von Sonnencreme und Schwimmutensilien ist ausgesetzt. Immerhin: Das Freibad-Kiosk ist bei gutem Wetter ab 14 Uhr geöffnet. Sitzmöglichkeiten stehen dabei aber nicht zur Verfügung.

Wer kontrolliert das Ganze?
Sprecherin Daum: „Wir haben eindeutige Beschilderung, regelmäßige Lautsprecher-Durchsagen, zusätzliches Personal und Security, das den persönlichen Kontakt sucht, wenn die Regeln nicht eingehalten werden, aber auch wenn Hilfe nötig ist. Sollten Gäste gegen Regeln verstoßen, was wir nicht hoffen, müssen sie das Bad verlassen.“ Das Personal in jeder von zwei Schichten: Einlass (1 Person), Bad-/Wasseraufsicht (3), Reinigung (2), Security (2 oder 3), Organisation (1). „In der 1,5-stündigen Reinigungsphase zwischen den Schichten wird vom gesamten Personal gereinigt außer Security.“

Zur Sache: Ärger über Ticket-Regelung

Die Regelung, dass Karten für das Bademaxx nur online gebucht und bezahlt werden können, stößt schon vor Badöffnung auf Kritik: „Wir sind eine Gruppe älterer Frauen, die kein Internet und kein Onlinebanking haben, aber seit vielen Jahren fast jeden Tag zum Schwimmen im Speyerer Freibad kommen“, sagt Ruth Schnitzer (70). „Wir werden vom Besuch ausgeschlossen.“ Auch Saisonkarten wie früher und Miet-Schließfächer könnten sie in diesem Jahr nicht nutzen. Sie hofften, dass die Stadtwerke nachbessern, so Schnitzer. Der Betreiber bittet um Verständnis: „Es ist eine Badesaison, wie wir sie noch nicht hatten.“

RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler

Regulierung gefragt

Das Land hat die Regeln für den Badebetrieb mehrfach angepasst, und die Speyerer Stadtwerke gehen damit sehr vorsichtig um. Eine Bad-Öffnung klappe 2020 nur mit viel gegenseitiger Rücksichtnahme auch der Badegäste, betonen sie. Bei Bedarf werde „nachgesteuert“. Klar ist: Die üppigen Auflagen passen nicht allen. Insofern könnte das der Faktor sein, der die Besucherzahl reguliert, denn dass die derzeit maximal 450 Tickets für das Bademaxx an heißen Tagen bei Weitem nicht ausreichen, ist ebenfalls klar.

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