Speyer
Flugplatz: Neues Verfahren soll Landen sicherer machen
Das Instrumentenflugverfahren (IFR) sei neben der 2011 verlängerten Start- und Landebahn „ein zentrales Element der Flugplatzstrategie“, teilt die Betreibergesellschaft Flugplatz Speyer/Ludwigshafen (FSL) mit. Der Einführung sei eine mehrjährige Planungs- und Genehmigungsphase vorangegangen. 2019 hatte die FSL GmbH bei der Landesluftfahrtbehörde – in Rheinland-Pfalz der Landesbetrieb Mobilität (LBM) – einen entsprechenden Antrag gestellt und 2023 die Bescheinigung erhalten, dass der Flugplatz für das Verfahren geeignet ist. Danach liefen weitere Vorbereitungen. Am Freitag um 13 Uhr soll das IFR in Betrieb genommen werden.
Es ermögliche Piloten, „den Verkehrslandeplatz Speyer auch unter Wetterbedingungen anzufliegen, bei denen ein Anflug nach Sichtflugregeln nicht mehr möglich ist“. Das erhöhe die Sicherheit insbesondere bei ungünstigem Wetter und verbessere die Planbarkeit für Luftfahrtunternehmen und Piloten. Mit dem Verfahren können Flugzeuge laut FSL bis auf rund 500 Fuß – rund 155 Meter – über dem Boden ohne Sichtkontakt zum Flugplatz sinken. Ab dann sei Sichtkontakt erforderlich.
Das Flugverfahren basiere auf dem Satelliten-Navigationssystem Global Positioning System (GPS). „Die Piloten erhalten dabei eine laterale und vertikale Führung entlang eines definierten Anflugpfades, was zu einer Entlastung der Cockpitarbeit durch klare, standardisierte Abläufe im Anflug im Vergleich zu reinen Sichtanflügen führt“, heißt es von der FSL. „Die Flugzeuge müssen vorgegebene Flugrouten berücksichtigen, was die bebauten Bereiche entlastet.“
Grundsätzlich könne das Verfahren von allen Flugzeugen genutzt werden, die über erforderliche Instrumente für GPS-basierte Anflüge verfügen, ergänzt Flugplatz-Geschäftsführer Yannis Graf. „Zudem muss der Pilot eine Instrumentenflugberechtigung besitzen, um das Verfahren unter Instrumentenflugbedingungen anwenden zu können.“ Das IFR sei optional, werde aber auch bei gutem Wetter genutzt. „Piloten folgen festgelegten, von der Flugsicherung freigegebenen Routen, halten bestimmte Höhenpunkte ein und können sich so im optimalen Sinkflug dem Flugplatz sicher nähern und bei Sichtkontakt mit der Landebahn landen“, erläutert der Geschäftsführer. Anflüge seien aus nördlicher und südlicher Richtung möglich. Wesentliche Änderungen der bisher üblichen Anflugrouten ergäben sich durch die Neuerung nicht. „Die Platzrunde östlich des Flugplatzes bleibt als Orientierung für das Sichtanflugverfahren bestehen“, so Graf. „Größere Luftfahrzeuge fliegen aufgrund der schnelleren Anfluggeschwindigkeit in der Regel ohnehin direkt an und werden das Instrumentenflugverfahren nutzen.“
Zur neuen Anflugmethode gehöre auch neue Infrastruktur am Flugplatz. So sei eine vom Deutschen Wetterdienst zertifizierte Wetterstation errichtet worden, die aktuelle und präzise Wetterdaten liefere. Automatische Wettermeldungen könnten Piloten ab Januar zudem per Flugfunk übermittelt werden. Außerdem verfüge der Landeplatz nun über ein Radarsystem, über das auf der Frequenz des Aerodrome Flight Information Service (AFIS) Verkehrsinformationen an anfliegende Maschinen weitergegeben werden könne. Dafür sei das Flugplatz-Personal geschult worden. Zu den Kosten der Einführung des Verfahrens macht die FSL keine Angaben.
Kritiker befürchten mehr Flugbewegungen und mehr Lärm. Zudem widerspreche die Genehmigung des Verfahrens der Tatsache, dass die Stadt 2019 den Klimanotstand ausgerufen habe. In der Vergangenheit waren auch mehrere Widersprüche gegen die Genehmigung eingegangen. Die Stadt war in einer Stellungnahme an den LBM von rund 2600 Flugbewegungen mehr jährlich ausgegangen. „Mit signifikanten Flugsteigerungen ist nicht zu rechnen“, teilt die FSL mit. „Vielmehr können die bereits vorhandenen Verkehre noch sicherer abgewickelt werden.“