Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Erster Fall bei Diakonissen: Positiv trotz Impfung

Großer Arbeitgeber: Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus.
Großer Arbeitgeber: Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus.

Die Impfung ist die Lösung. Doch sie kann nicht jede Corona-Infektion verhindern. Das wissen die Mediziner vom Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus wegen ihrer fachlichen Kenntnisse, aber auch aus direkter Anschauung: Einen von ihnen hat es „erwischt“. Ihr Werben für die Impfung vermindert das nicht.

Es ist die in Speyer wohl dominierende britische Variante des Coronavirus, mit der sich der Betroffene, RHEINPFALZ-Informationen zufolge ein Arzt, infiziert hat. Zuvor war er als Krankenhaus-Mitarbeiter zweimal mit dem Vakzin der Firma Moderna geimpft worden. Die Diakonissen bestätigen den Fall auf Anfrage. Die Ansteckung sei nachweislich im familiären Umfeld erfolgt, so Sprecherin Barbara Fresenius. „Der Betroffene hat umgehend und folgerichtig reagiert, seinen Arbeitgeber über seine Symptome informiert, sich gleich testen lassen und sich dann in häusliche Quarantäne begeben.“

Laut Geschäftsführer Jonas Sewing, der im Krankenhaus den Corona-Krisenstab leitet, ist es unter den rund 600 Mitarbeitern, die bisher beide Impfungen erhalten haben, der Erste, der positiv auf das Virus getestet wurde. Dass es zu der Infektion kam, sei erklärbar, so Thomas Kienbaum, Leiter der Krankenhaushygiene: „Auch nach einer Impfung besteht ein Restrisiko, sich anzustecken.“ Deshalb sei es in der aktuellen Phase der Pandemie auch so wichtig, dass sich alle an die Abstands- und Hygieneregeln halten. Der Prozentsatz, mit dem die Wirksamkeit der einzelnen Impfstoffe gegen Corona angegeben wird – bei Moderna laut Hersteller 94 Prozent nach zwei Gaben – steht für den Anteil der verhinderten Ansteckungen. Bei 100 Prozent liegt er nie. Impfstoffe – nicht nur im Corona-Kontext – gelten meist ab einem Wert über 50 Prozent als wirksam.

„Wichtiger Baustein“

Diakonissen-Mediziner Kienbaum betont, dass jeder als sicher und wirksam eingestufte Impfstoff „ein wichtiger Baustein gegen die Ausbreitung des Coronavirus“ sei. Sinn und Zweck der Schutzimpfung bestehe darin, schwere Verläufe sowie Krankenhaus-Aufenthalte zu verhindern. Das habe sich auch im aktuellen Fall des Kollegen ausgezahlt: „Dank der Impfung zeigt er nur sehr leichte Symptome und befindet sich in guter körperlicher Verfassung.“ Geschäftsführer Sewing sieht sich in der Strategie bestätigt, den Klinik-Mitarbeitern möglichst schnell Impfungen zu ermöglichen. Er sagte am Freitag: „Ich bin froh, dass wir in den letzten zwei Tagen 400 weiteren Mitarbeitenden ein Impfangebot machen konnten.“ Jeder, der sich dafür angemeldet habe, sei somit auch geimpft worden.

Lage an den Krankenhäusern

Apropos Hospitalisierungen, die mit der Impfung vermieden werden sollen: Sie waren Ende voriger Woche im Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus so niedrig wie seit mehr als einem Vierteljahr nicht mehr. Vier bestätigte Covid-19-Fälle mussten stationär betreut werden. „Davon ist ein Patient intensivpflichtig und wird beatmet“, so Sprecherin Fresenius. Sie rechnet wegen der aktuell steigenden Inzidenz in Speyer und Umgebung wieder mit einem traurigen Aufwärtstrend: „Erfahrungsgemäß kommt das mit zehn bis 14 Tagen Verspätung bei uns an.“

Höher ist die Anzahl der Corona-Patienten im Vincentius-Krankenhaus: Verwaltungschef Bernhard Fischer berichtete am Freitag auf Anfrage von 13 Patienten auf der Isolier- und sechsen auf der Intensivstation, von denen zwei beatmet würden. Eine Steigerung in der dritten Welle sei noch nicht erkennbar.

RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler

Dazulernen

Die Welt lernt seit einem Jahr dazu in Sachen Corona. Auch in der Impfkampagne gibt es dabei immer neue Erkenntnisse.

Die Mediziner haben es immer gesagt. Für die Laien wirft es aber zunächst Fragen auf: Endlich ist man geimpft und kann sich dennoch mit Corona infizieren? Ja, man kann. Wie es auch nach anderen Impfungen mit anderen Krankheiten passieren kann. Die Wahrscheinlichkeit ist aber geringer, und die Krankheitsfolgen sind es auch. Deshalb ist es wichtig, dass die Öffentlichkeit von Fällen wie im Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus erfährt: damit sie die Zusammenhänge versteht, vorsichtig bleibt und auch eine mögliche Schnelltest-Pflicht trotz der Impfung akzeptiert.

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